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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 01.09.2017

Lisa Sandlin: "Ein Job für Delpha"Aus dem Knast ins Detektivbüro

Von Tobias Gohlis

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Buchcover "Ein Job für Delpha" und eine Erdölraffinerie in den USA (Verlag Suhrkamp/imago/Foto: imagebroker)
"Ein Job für Delpha" spielt 1973 in der Ölstadt Beaumont in Texas, vor dem historischen Hintergrund der Watergate-Affäre. (Verlag Suhrkamp/imago/Foto: imagebroker)

Hier der trottelige Chef, dort die gewiefte Sekretärin, die eben erst aus der Haft freikam: Im Detektivbüro Phelan Investigations ist die Rollenverteilung alles andere als gewöhnlich. Das gilt auch für die Fälle - von Hundemobbing bis Industriespionage. Unser Kritiker will mehr davon.

Delpha Ward hat vierzehn Jahre Knast hinter sich. Jetzt ist sie frei, Anfang Dreißig und braucht einen Job, um in Freiheit zu bleiben. Sie ergattert gleich zwei: als Pflegerin einer Hundertjährigen und als Sekretärin des Start-up-Privatdetektivs Tom Phelan. Der ist, nach harten Zeiten in der Ölindustrie, die ihn seinen Mittelfinger gekostet haben, auch ein Neuanfänger. Delpha hat im Knast Sekretärin gelernt und eine Liebe zu Büchern entwickelt. Lebenserfahrung hat sie sowieso: Sie wurde wegen Mordes verurteilt, weil sie sich gegen einen Vergewaltiger zur Wehr gesetzt hatte. Das Wort des Vergewaltiger-Vaters hatte vor Gericht mehr gezählt als ihres.  

Der Chef ist der Handlanger

"Ein Job für Delpha" ist das Romandebüt der 64-Jährigen Professorin Lisa Sandlin, die an der Universität von Omaha/Nebraska Creative Writing unterrichtet. Bekannt geworden ist sie zuvor mit Essays und Kurzgeschichten. "The Do-Right", so der Originaltitel, wurde gleich zweimal mit renommierten Krimipreisen ausgezeichnet. Denn vieles an dieser Detektivgeschichte ist neu oder fremd kodiert.

Als Sekretärin nimmt Delpha formal die traditionell weibliche Dienstbotinnenrolle ein, aber sie hat den Durchblick. Sie ist das Hirn hinter Phelan Investigations, der Mann und Chef ist de facto der Handlanger. Auch das Auftraggeber-Detektiv-Verhältnis wird mehrfach neu dekliniert. Und auch die Rechtstreue, die vom Detektiv verlangt wird, findet hier eine ausgefallene dramaturgische Begründung in Delphas Bewährungssituation. Sie muss und will sich an die Regeln halten. Dass das letztlich nicht klappen kann, ist einer der vielen überraschenden Subplots dieses Romans.

Wunderbar genau erzählt

"Ein Job für Delpha" ist wunderbar genau erzählt. Dem etwas trotteligen, unerfahrenen, aber gutherzigen Phelan stehen die gewieften Beobachtungen und weltklugen Einsichten Delphas gegenüber, die sogar klug genug ist, in schwierigen moralischen Fragen die richtigen Ratgeber zu finden.

Der Roman spielt 1973 in der Ölstadt Beaumont in Texas, wo Lisa Sandlin als Tochter eines Ölingenieurs aufwuchs. Entsprechend kumulieren Phelan/Wades Ermittlungen auch in einem komplizierten Fall von Patentraub und Industriespionage, der die Ölindustrie und damit den Reichtum der USA beeinflussen könnte. Doch Delpha und Phelan fangen klein an, mit einem Fall von Hundemobbing und dem Verschwinden eines nicht mehr so braven Jungen. Den historischen TV-Hintergrund bilden die Watergate-Enthüllungen, sehr zur Freude der engagierten Bewohner der Seniorenpension, in der Delpha Quartier bezogen hat.

"Ein Job für Delpha" ist ein großartiges Stück Kriminalliteratur, welthaltig, witzig, stark im Milieu. Von Delpha Wade und den weiteren Fällen von Phelan Investigations möchte man mehr lesen.

Lisa Sandlin: "Ein Job für Delpha"
Aus dem Englischen von Andrea Stumpf
Suhrkamp, Berlin 2017
352 Seiten, 9,95 Euro

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