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Im Gespräch | Beitrag vom 29.10.2019

Lisa Maria PotthoffSchauspielerin mit Durchschlagskraft

Moderation: Katrin Heise

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Ein Porträt der Schauspielerin Lisa Maria Potthoff. Sie hält die rechte Hand nachdenkend ans Kinn. (Linda Rosa Saal)
Ihre Durchschlagskraft zeigt Potthoff insbesondere in der Rolle der Kommissarin Sarah Kohr in der gleichnamigen ZDF-Krimi-Serie, die im Zweifelsfall einem Nahkampf nicht abgeneigt ist. (Linda Rosa Saal)

Sie spielt die taffe Kommissarin Sarah Kohr oder die Susi in den kultigen Eberhofer-Krimis: Lisa Maria Potthoff ist in über 70 Kino- und Fernsehfilmen zu sehen. Die Stunts macht sie dabei selbst – dank der Selbstverteidigungstechnik Krav Maga.

"Ich habe meinem Mann einmal fast die Kniescheibe herausgetreten", sagt Lisa Maria Potthoff. Natürlich versehentlich. Sie wollte ihm nur demonstrieren, was sie im Krav Maga gelernt hatte. Seit einigen Jahren trainiert die Schauspielerin die israelische Selbstverteidigungstechnik, mit der man sein Gegenüber mit einigen gut platzierten Tritten, Schlägen und Griffen außer Gefecht setzen kann. Außerdem betreibt sie Kickboxen.

Fit dank Kampfsport

"Ich finde es für eine Frau etwas Tolles, ich finde es auch nicht unsinnlich", sagt die Schauspielerin über den Kampfsport "Ich als Kämpferpersönlichkeit löse bei Männern auch nicht unbedingt Abwehr aus, sondern die finden es interessant und spannend, unterhalten sich gerne mit mir darüber."

Bis auf den ungewollten Zwischenfall mit ihrem Ehemann käme Lisa Maria Potthoff auch nicht auf die Idee, die gelernte Technik über eine Gefahrensituation hinaus einzusetzen:

"Vor allem viele Freunde in meinem Umfeld versuchen mich mit einem Augenzwinkern zu reizen: ‚Also Lisa, du könntest mich jetzt …? Also könntest du mich jetzt wirklich … umhauen?‘ Ich weiß, dass die Männer das kirre macht: Die Vorstellung, dass ich sie vielleicht ummähen könnte. Und dass man es nicht ausprobieren kann. Eine sehr lustige Situation."

Ihre Freunde bleiben verschont, ihrer Arbeit als Schauspielerin kommt die körperliche Fitness dagegen zugute: Seit sie Kampfsport und Selbstverteidigung trainiert, macht Lisa Maria Potthoff all ihre Stunts selbst.

Nehmerqualitäten im Alltag

Die 41-Jährige hat seit ihrem Schauspielstudium in München in dutzenden Kino- und Fernsehfilmen mitgespielt – vom Thriller bis zur Komödie. Besonders populär ist ihre Verkörperung der Susi in der bayrischen Kult-Krimi-Serie um den Dorfpolizisten Franz Eberhofer.

Zur Zeit ist die Schauspielerin in der Netflix-Serie "Skylines" zu sehen. Ihre Durchschlagskraft zeigt sie insbesondere in der Rolle der Kommissarin Sarah Kohr in der gleichnamigen ZDF-Krimi-Serie, die im Zweifelsfall einem Nahkampf nicht abgeneigt ist.

Hart im Nehmen ist die gebürtige Berlinerin allerdings auch im Alltag: Ihre zweite Tochter bekam sie vor fünf Jahren auf dem Weg ins Krankenhaus im Fußraum ihres Volvo. Eine Rentnerin, eine Joggerin und der herbeigeeilte Rettungssanitäter bildeten zusammen mit Lisa Maria Potthoffs Mann das Geburtsteam. Bis heute feiert die Gruppe jedes Jahr gemeinsam am Ort des Geschehens die Geburt der Tochter.

"Ich konnte mich auf diese Menschen verlassen. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie wertvoll es ist, wenn man diese Erfahrung gemacht hat. Ich war in einer absoluten Extremsituation und da waren Menschen, die gesagt haben: So, wir lassen alles stehen und liegen, wir sind für diesen Menschen da. Das haut mich nach wie vor um."

Das Verbindende suchen

Diese Erfahrung führt Lisa Maria Potthoff auch mit Blick auf die politische Situation in Deutschland an: Es gehe darum, das Verbindende zwischen den Menschen zu stärken, um einer Spaltung der Gesellschaft entgegen zu wirken. Sie sei in der glücklichen Lage, darüber nicht nur mit ihren Töchtern am Abendbrottisch zu sprechen, sondern sich auch hörbar öffentlich zu äußern. Viele ihrer Kolleginnen und Kollegen versuchten mittlerweile, sich politisch zu engagieren.

Auch dem 30. Jahrestag des Mauerfalls blickt die Schauspielerin mit persönlichem Bezug entgegen. Aufgewachsen in München, war der Fall der Mauer für Lisa Maria Potthoff und ihre Familie trotzdem sehr nah. Zwei ihrer Tanten waren nicht mit dem Rest der Familie in den Westen gegangen. Als eine der beiden nach einem Unfall im Sterben lag, konnte ihre Mutter die Schwester nicht mehr besuchen.

Obwohl all das mehr als drei Jahrzehnte zurückliegt, hat die Mauer und ihre Folgen auch Lisa Maria Potthoff geprägt. "Ich glaube, das sind ganz traumatische Erfahrungen, die kann man nicht so einfach abschütteln. Und die zeichnen so eine Familie auch."

(era)

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