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Im Gespräch | Beitrag vom 19.08.2019

Linda Breitlauch, Professorin für Game-DesignComputerspiele als Kulturgut begreifen

Moderation: Tim Wiese

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Linda Breitlauch ist Professorin für Game Design an der Hochschule Trier (Hochschule Trier)
Linda Breitlauch (Hochschule Trier)

Das Leben von Linda Breitlauch wurde schon früh von Medien bestimmt. In der Druckerei ihres Vaters schmökerte sie stundenlang in Büchern. Dann begeisterte sie sich für Computer, promovierte über Dramaturgie in Computerspielen und wurde Game-Designerin.

Für Linda Breitlauch sollten Computerspiele "als Kultur und Kunst diskutiert werden, wie andere Medien". Denn für die Game-Designerin sind sie "Kulturgut und künstlerisch wertvoll".

2007 wurde Breitlauch Europas erste Professorin für Game-Design. Wer nicht weiß, was das genau bedeutet, so Breitlauch, muss sich das so vorstellen: Sie kümmert sich um die Gestaltung von Computerspielen. "Das fängt an mit der Geschichte, wie ist ein Spiel aufgebaut, wie funktioniert das Spiel insgesamt, im Prinzip wie in einem Drehbuch beim Film."

Spielend lernen

Breitlauch hat sich besonders auf so genannte Serious Games spezialisiert. Sie sollen beim Lernen helfen, können aber auch im therapeutischen Bereich eingesetzt werden, etwa um motorische Fähigkeiten zu schulen.

In Schweden zum Beispiel hätten Lehrer das Potential von Minecraft erkannt. Das Spiel, in dem man sich eigene Welten erschaffen kann, würde dort immer häufiger in den Unterricht integriert, erzählt Linda Breitlauch.  

Daher versucht die 53-Jährige immer wieder darauf hinzuweisen, wie nützlich Computerspiele sein können. "In der Pädagogik ist längst bekannt, dass Spielen eine Tätigkeit ist, die man ausübt, damit man trainieren, einüben kann. Lernen wollen ist eine intrinsische Motivation beim Menschen. Und über das Spielen bildet sich diese am deutlichsten ab."

Deutschland hat Nachholbedarf

Viele Vorbehalte gegenüber Computerspielen erklärt sich die Medienwissenschaftlerin vor allem daher, "weil es an einem Bildschirm stattfindet". Mit den Inhalten würden sich Kritiker weit weniger beschäftigen. Dabei, so Breitlauch, gibt es wie beim Film oder in der Literatur eine große Bandbreite, "künstlerische" wie auch "banale Spiele". Da müsse man genauer hinschauen "und die Kritik an einzelnen Titel festmachen, nicht am gesamten Medium".

Mit Verzögerung hätte auch die Bundesregierung erkannt, welche Bedeutung Computerspiele hätten: "Wir sind in Europa der größte Absatzmarkt für Computerspiel." Doch in Deutschland würden vergleichsweise noch immer wenige entwickelt. "Erstmalig gibt es in diesem Jahr eine Bundesförderung, vergleichbar mit der Filmförderung. Asien, die USA oder Kanada zum Beispiel, da wird seit 20 Jahren schon gefördert. Sowohl als Kultur- als auch als Standortförderung. Da hat Deutschland Nachholbedarf."

(ful)

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