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Lesart / Archiv | Beitrag vom 10.09.2015

Liao Yiwus Fluchtgeschichte"Ein großer Wendepunkt in meinem Leben"

Liao Yiwu im Gespräch mit Frank Meyer

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Der Schriftsteller Liao Yiwu zu Gast im Deutschlandradio Kultur. (Deutschlandradio - Andreas Buron)
Der Schriftsteller Liao Yiwu (Deutschlandradio - Andreas Buron)

2011 floh der chinesische Schriftsteller Liao Yiwu nach Deutschland. Er lobt die "1A"-Willkommenskultur in Deutschland - wäre da nicht die Ausländerbehörde: "Da habe ich fast den Eindruck: Oh, ich bin ja wieder in China."

Nachdem ihm wegen der Veröffentlichung von "Für ein Lied und hundert Lieder" zehn Jahre Gefängnis drohten, floh der chinesische Schriftsteller Liao Yiwu 2011 nach Deutschland.

Mithilfe von Schleusern über Vietnam nach Berlin

Seine Flucht führte ihn zunächst nach Südchina. "Dort habe ich mich mit Schleusern in Verbindung gesetzt, und da haben sie mir auch Ausreisegenehmigung gegen Geld geschafft. Und auch durch deren Verdeckungsmanöver bin ich nach Vietnam gelangt." Von Hanoi aus sei er dann begleitet von seinem Lektor und seinem Übersetzer nach Deutschland geflogen.

Er fühle sich hier sehr wohl, sagt Liao Yiwu:

"Dieses Deutschland, dieses Berlin, hat mir in meinem Leben einen ganz großen Wendepunkt gebracht. Das werde ich bis zum Tode nicht vergessen." 

Jeden Tag denke er daran, was er der Gesellschaft zurückgeben könne. Deshalb habe er einen ganz engen Schreibplan und wolle jedes Jahr ein Buch herausgeben. "Und dann werde ich Deutsch lernen."

Schnellere und effizientere Asylverfahren

Die Willkommenskultur in Deutschland sei "1A", lobt der Schriftsteller. Wäre da nicht die Ausländerbehörde:

"Da habe ich fast den Eindruck: Oh, ich bin ja wieder in China."

Von Deutschland wünscht sich Liao Yiwu schnellere und effizientere Asylverfahren. "Die Flucht ist ein ganz schwieriger Weg, für jedermann, für jedes Leben", sagt der Schriftsteller. 

"Und dann endlich ist man angekommen, egal wo, und dann muss man noch durch diese Antragsprozedur durch, und das hat mit Humanismus gar nichts mehr zu tun."

Wenn man den Bescheid bekomme, dass man nicht bleiben dürfe, könne man für sein Leben anders planen.

"Aber dieses unendliche Warten, hoffnungslose Warten, das macht einen so fertig. Und ich denke, das sollte Deutschland wirklich berücksichtigen."

Er selbst habe allerdings nicht lange warten müssen, da er durch seine Bücher in Deutschland bereits bekannt gewesen sei.

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