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Interview / Archiv | Beitrag vom 10.05.2005

Levy sieht Mahnmal zwiespältig

Regisseur wünscht sich mehr Kreativität

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Der Auschwitz-Überlebende Gabor Hirsch läuft durch die Stelen des Holocaust-Denkmals in Berlin, 9.5.05 (AP)
Der Auschwitz-Überlebende Gabor Hirsch läuft durch die Stelen des Holocaust-Denkmals in Berlin, 9.5.05 (AP)

Der Filmregisseur von "Alles auf Zucker", Dani Levy, hat sich zwiespältig über das neue Holocaust-Mahnmal in Berlin geäußert.

Es habe auf ihn sehr bedrückend, schwer und klaustrophobisch gewirkt, sagte Levy am Dienstag im Deutschlandradio Kultur kurz vor der Eröffnung des Mahnmals. Ihm fehle aber innerhalb des Mahnmals ein Bereich, "wo man auch spürt, was zerstört wurde und nicht nur der Fakt, dass zerstört wurde".

Levy verwies auf die heitere, chaotische und liebevolle Seite jüdischen Lebens, die er in seinem Film "Alles auf Zucker" dargestellt habe. Jüdisches Leben sei sehr kreativ gewesen. Insofern habe er sich auch bei der Umsetzung des Entwurfs mehr Raum für Kreativität gewünscht. Als Beispiel nannte der Regisseur die Anti-Graffiti-Beschichtung der Stelen durch die Firma Degussa. Diese sei "anti-kreativ", "anti-beweglich", "extrem starr" und insofern "extrem deutsch".

Als nicht typisch deutsch würdigte er hingegen den Entwurf des Architekten Peter Eisenman selbst. Levy sagte über das Mahnmal wörtlich:

"Es hat schon etwas sehr Kreatives, fast schon Fantasievolles, weil es da so kleine Hügel gibt, weil das Ganze ja nicht so streng deutsch, so ganz hart bürokratisch gerade gebaut wurde, sondern doch eine Beweglichkeit hat."

Außerdem sei es toll, von der Stadt eine derart große Fläche zur Gestaltung eines Mahnmals zur Verfügung gestellt zu bekommen. Hier sei Gedenken gefühlsmäßig und sinnlich erfahrbar. Insofern gebe es durchaus eine Parallele zum Medium Film. Mahnmale wie das am Wittenbergplatz, wo nur Namen und Daten aufgelistet seien, nannte Levy demgegenüber "mickrig".

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