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Studio 9 | Beitrag vom 13.12.2019

Letzte Folge "Neo Magazin Royale"Wechseln, bevor es zu spät ist

Von Niklas Potthoff

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"Neo Magazin Royale": Jan Böhmermann sitzt am Moderationstisch in der Studiokulisse. (ZDF/ Ben Knabe)
Abschied nach sechs Jahren: Jan Böhmermann wechselt vom Spartensender ins ZDF-Hauptprogramm. In welcher Form, ist noch ungewiss. (ZDF/ Ben Knabe)

In der letzten Sendung gab es noch einmal den großen Abgesang auf das Neo Magazin Royale: Das Team setzte auf altbewährte Erfolgsrezepte – und machte deutlich, warum der Wechsel ins ZDF-Hauptprogramm notwendig ist.

Die ganz große Innovation war es nicht, die Böhmermann und sein Team in der letzten Folge "Neo Magazin Royale" noch einmal wagten. Vielmehr gab es eine Sendung, die komplett im Zeichen des Abschieds stand. In 45 Minuten erinnert Böhmermann sein Publikum noch einmal daran, was seine "kleine Spartensendung" bei ZDF neo in sechs Jahren alles erreicht hat.

Das war wenig überraschend - und dennoch aufwendig und kreativ in Szene gesetzt. Das Team um Böhmermann setzte dabei von Beginn an auf altbewährte Erfolgsrezepte: Eine minutenlange One-Shot-Sequenz leitete die Sendung ein – auch als Reminiszenz an die allererste Folge. Während der langen Kamerafahrt waren überall kleine Gags versteckt, die an frühere Sendungen erinnern sollten. 

Ein Mini-Musical zum Schluss

Schon in der Vergangenheit hatte Böhmermann immer wieder sein musikalisches Talent gezeigt. Klar, dass das auch diesmal nicht fehlen durfte. In der letzten Folge nimmt es neue Ausmaße an – und wird zu einer Art kleinem Musical. Jan Böhmermann fühlt sich sichtlich wohl im Rampenlicht und in seiner Position und will einen sicht- und hörbaren Schlusspunkt unter eine Ära setzen.

Statt wie in der Vergangenheit bekannte Künstler einzuladen, verzichtet die letzte Folge auf Auftritte von Stars. Dafür dürfen die Autoren und Sidekicks der letzten Jahre sich noch einmal austoben und die Sendung an sich reißen. Der "Beefträger" bringt Böhmermann noch einmal die letzten Beschwerdebriefe, der ehemalige Sidekick Ralf Kabelka (der schon im Hauptprogramm gelandet ist, bei der "Heute Show") wird durch das Studio gejagt und die Autoren besingen ihre Geringschätzung durch ihren "Chef". Das klingt durchgehend gut performt, bleibt aber auch im Bereich des Erwartbaren.

Prägende Aktionen

Doch in den 45 Minuten wird deutlich, wie prägend das Neo Magazin Royale für die deutsche Fernsehlandschaft war. Böhmermann bemüht sich auch, noch einmal an die Leistungen zu erinnern – etwa an "Varoufake" und das Erdogan-Gedicht.

Aber die ganz großen Highlights der Sendung liegen schon eine Weile zurück. Als Böhmermann in diesem Sommer überraschend verkündete, SPD-Vorsitzender werden zu wollen, glaubten viele an eine neue, typische Böhmermann-Nummer. Sie entpuppte sich im Endeffekt als Fehlschlag. Es schien fast, als wurden ihm erstmals Grenzen aufgezeigt.

Die Zeit für den Wechsel ist reif

Böhmermann ist sich der Kurzlebigkeit von Sendungen und Personen heutzutage bewusst. Sein Team hat die Messlatte hochgehängt. So besingt er seine Motivation für den Wechsel ins Hauptprogramm – inklusive kleinem Seitenhieb auf seinen ehemaligen Kollegen Harald Schmidt: "Irgendwann ist auch langsam mal gut. Ich will nicht wie Harald enden. Ich will auch mal was anderes senden. Sonst werde ich noch zu meiner eigenen Kunstfigur." 

In diesem Moment konnte man das Gefühl haben, Böhmermann meint es ernst. In den vergangenen Jahren hat sich der Moderator selten wirklich greifen lassen. Er war immer ein wenig ironisch-distanziert – und im Zweifel auf einer Meta-Ebene mehr unterwegs als der Zuschauer. 

Wie es weitergeht, ist unklar

Im Oktober 2020 wird es im ZDF weitergehen. In welcher Form, soll in den nächsten Monaten entschieden werden. Böhmermann hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass der Sprung in das Hauptprogramm sein Ziel ist. Voraussichtlich wird er einen Großteil seines Teams mitnehmen. Auch in der letzten Sendung sprach er nur von einer "kleinen Pause", die man machen werde.

Nach einem derart großen Abgesang bleibt aber zu vermuten (und zu hoffen), dass das Resultat der nächsten Monate nicht nur eine überarbeitete Version des "Neo Magazin Royale" sein wird.

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