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Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 24.06.2013

Lernen und Helfen in Übersee

Heute vor 50 Jahren wurde der Deutsche Entwicklungsdienst aus der Taufe gehoben

Von Agnes Steinbauer

Die erste Gruppe Entwicklungshelfer 1964 vor ihrem Abflug nach Tansania, Libyen, Afghanistan und Indien. (picture alliance / dpa / Deutscher Entwicklungsdienst DED)
Die erste Gruppe Entwicklungshelfer 1964 vor ihrem Abflug nach Tansania, Libyen, Afghanistan und Indien. (picture alliance / dpa / Deutscher Entwicklungsdienst DED)

Obwohl der ehemals größte deutsche Entwicklungsdienst nicht mehr existiert, haben die vielen DED-Helfer doch Geschichte geschrieben. Über die Jahrzehnte gingen Tausende von Fachleuten aus über 200 Berufsgruppen in Länder der sogenannten Dritten Welt.

"Herr Präsident, Herr Bundeskanzler, verehrte Anwesende: Alle, die sich hier zu dem Gründungsakt des Deutschen Entwicklungsdienstes zusammengefunden haben, heiße ich herzlich willkommen …"

Dieser Willkommensgruß des damaligen Bundespräsidenten Heinrich Lübke galt Bundeskanzler Konrad Adenauer und besonders dem amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy. Während seiner ersten Deutschlandreise war Kennedy am 24. Juni 1963 nach Bonn gekommen, um an den Feierlichkeiten für den Deutschen Entwicklungsdienst - DED - teilzunehmen:

"Ich möchte der Bundesrepublik Deutschland zu dem, was hier heute passiert, herzlich gratulieren. Die Friedenscorps der Vereinigten Staaten wurden 1961 ins Leben gerufen, und ich bin überzeugt, dass wir Unterstützung leisten können: Nicht nur im ökonomischen Sinn, sondern im Bereich der menschlichen Beziehungen, die wichtig für ein glückliches Miteinander der Völker sind."

Die von John F. Kennedy initiierten US-Peace-Corps waren Vorbild für den Deutschen Entwicklungsdienst. Im Unterschied zu ihnen entsandte der DED aber nur junge Leute mit abgeschlossener Berufsausbildung und mindestens zwei Jahren Berufserfahrung. Der zu 100 Prozent staatlich finanzierte DED leistete mit seinen Helfern Basisarbeit bei den Ärmsten der Armen - in den ländlichen Regionen Afrikas, Südamerikas, Mittelamerikas oder Asiens. Hier eine Stimme von 1984 aus Thailand:

"Ich bin der Herbert Rätler, Entwicklungshelfer in der Molkereigenossenschaft in Ajoutaja. Ich fahre hinaus zu den Bauern und berate die Bauern in Fütterung, Haltung, Stallbau, Bau von Biogasanlagen, Milchhygiene … Das Ziel ist also so gedacht, dass nach meiner zweijährigen Arbeitszeit hier im Projekt der Counterpart soweit ausgebildet ist, dass er meine Aufgabe voll übernimmt und selbständig diese Beratungsarbeit durchführt."

Nicht karitativ, sondern kooperativ sollten die DED-Helfer in den Gastländern wirken. Wichtigster Grundsatz: "Hilfe zur Selbsthilfe" - durch die Vermittlung von beruflichem Know-how und Ausbildung von einheimischen Partnern. Die Bandbreite der Berufe war groß. In der Anfangszeit des DED waren eher Nicht-Akademiker aus technisch-handwerklichen Bereichen, aus Landwirtschaft oder aus Gesundheits-, Bildungs- und Sozialwesen gefragt. Später kamen sehr spezialisierte Fachkräfte dazu: Ingenieure, Umwelttechniker, Stadtentwickler oder Managementexperten.

Grundgedanke war auch, einen Dialog zwischen der so genannten Dritten Welt und den reichen Ländern anzustoßen. Die Helfer sollten gesellschaftspolitisch engagiert sein und ihre Erfahrungen in Deutschland vermitteln. Doch in der Kohl-Ära Mitte der 1980er Jahre geriet der DED als - wie es hieß - "Brutstätte von Sozialrevolutionären" und linken Unruhestiftern in die Kritik. Bis zu seiner Auflösung Ende 2010, die mit Strukturreformzwängen begründet wurde, hatte der Deutsche Entwicklungsdienst über 16.000 Helfer in fast 60 Länder entsandt. Anfang 2011 wurde er mit der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) und der Bildungsorganisation inWEnt zum Bundesunternehmen der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) fusioniert. Entwicklungspolitisch ein "schwerwiegender Fehler", kritisiert der "DED-Freundeskreis" - eine Arbeitsgemeinschaft ehemaliger Mitarbeiter und entwicklungspolitisch engagierter Menschen. Der Kerngedanke: "Lernen und Helfen" sei dadurch verloren gegangen, meint Paul Bendix, der ehemalige DED-Landesbeauftragte für Lesotho:

"Was wir mit Sorge beobachten ist, dass die Entwicklungszusammenarbeit eigentlich zu einer Wirtschaftsförderung degeneriert. Und das ist eigentlich aus unserer Sicht das Ende des Entwicklungshelfers, so wie John F. Kennedy und Heinrich Lübke ihn mal aus der Taufe gehoben haben. Das ist nicht gut. Aus unserer Sicht sollte Entwicklungszusammenarbeit Armutsbekämpfung sein: Gesundheit, Bildung und ländliche Entwicklung."

Weitere Informationen auf dradio.de:

Nachhaltig, fair und gerecht <br>Neue EU-Konzepte für die globale Armutsbekämpfung (Aus der Sendung "Tag für Tag")

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