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Alte Musik / Archiv | Beitrag vom 29.04.2020

Leopold Mozart: Künstler, Wissenschaftler, PädagogeGenialer Lehrer - schwieriger Vater?

Von Martin Hoffmann

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Historisches Porträt eines Mannes mit weißer Perücke. (imago images / Manfred Siebinger)
Porträt des Komponisten Leopold Mozart. (imago images / Manfred Siebinger)

Die Einsicht, dass der Sprössling Wolfgang Amadé wohl mit Genie begnadet sei, änderte das Leben des 1719 in Augsburg als Sohn eines Buchbinders geborenen Salzburger Hofmusikers Leopold Mozart drastisch. Ein Porträt einer vielschichtigen Person.

Als "Vater Wolfgangs" ist er vielen bekannt. Aber wer war dieser Leopold Mozart wirklich? War er nur der strenge Vater, der besorgte und ehrgeizige?

Er selbst kam aus einer Buchbinderfamilie, die Leopold mehr ermöglichen wollte und ihm einen Platz auf der Jesuitenschule in Augsburg erkämpfte. Dort wuchs Leopold unter Adelssprösslingen auf - Normen, Werte, Haltungen lernte er also durch seine Schulfreunde kennen. Von Anfang an war Leopold bei den Theatervorstellungen der Schule dabei. Vor allem seine schöne Stimme war dort aufgefallen. Er erlernte ebenso das Klavier- wie Geigenspiel vor Ort. 

Raus aus Augsburg

Nach der Schulzeit war für Leopold ein Jurastudium vorgesehen, das er auch antrat. Er begleitete dann einen Freund mit nach Salzburg. Vorerst schrieb er sich auch dort in die Universität ein. Am Ort fand er schnell Anschluss am Hof - seine Umgangsformen und sein flinker Kopf machten ihn beliebt. Schließlich wurde er auch als Geiger angestellt und konnte damit eine Familie gründen. Er und seine Braut galten in Salzburg als das humorvollste und schönste Paar der ganzen Stadt. Die Mozarts waren beliebt. Leopolds Musik, die er regelmäßig für Salzburger Festivitäten komponierte, sprühte vor Ideenreichtum und Witz.

Sieben Kinder bekamen die Mozarts, zwei überstanden das Kleinkindalter. Beide zeigten außergewöhnlich früh ein großes musikalisches Talent. Und Leopold entschied sich für eine gründliche Ausbildung. Aber nicht nur in der Musik, sondern auch für Sprachen, Mathematik und Geschichte. So bereitete er die Kinder auf die großen Reisen vor, die er mit ihnen unternahm. Pädagogisches Geschick hatte er mit seiner berühmt gewordenen Violinschule bewiesen. Das Buch wurde in ganz Europa verlegt.

Aufgeschlagenes Buch, mit einer Abbildung eines Hofmusikers, der die Geige korrekt hält. (imago images / imagebroker)Ein Blick in die Violinschule von Leopold Mozart. (imago images / imagebroker)

Während der Reisen zeigte Leopold sein ausgesprochenes Organisationstalent. Er plante die Routen, erstritt bessere Zimmer in den Wirtshäusern, bereitete Besuche in den Städten vor, knüpfte mit geschickt formulierten Briefen Kontakte in die Musikliebhaber-Kreise. Er war auch der Familiengesundheitsminister, denn in den Reisekoffern war immer eine Apotheke. Leopold konnte bei Magenbeschwerden, Hautproblemen und Kopfschmerzen helfen.

Spielleidenschaft

Leopold war aber auch immer ein großer Spieler. Karten, Kegel, Bolzenschießen. Daran hatte er und seine Familie immer großen Spaß. Im Salzburger Tanzmeisterhaus, in dem er sich einmietete und einen Klavierhandel aufbaute, hatte eine Kegelbahn im Kellergeschoss.

Seine große Sorge galt der Zukunft seiner Kinder, ihrer finanziellen Sicherheit. Wie hatte er Wolfgang Amadeus unterstützt, damit er ein festes Einkommen erhielte. Der Sohn entschied sich gegen diese Pläne und verließ Salzburg mit einem kleinen Skandal. Und Vater Leopold reagierte mit Unverständnis, obwohl er selbst einmal als junger Mann aus vorbestimmten Wegen ausgebrochen war. Seine Tochter drängte er schließlich in eine Ehe, in der er sie abgesichert sah, wenn auch nicht verliebt.

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