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Lesart / Archiv | Beitrag vom 19.09.2014

Leonard CohenMelancholie als Erfolgsrezept

Schriftsteller Burkhard Spinnen spricht über das Autorendasein des Musikers

Moderation: Jörg Magenau

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Leonard Cohen bei einem Auftritt im Sommer 2013. (FABRICE COFFRINI / AFP)
Für sein Alter noch erstaunlich gut in Form: Leonard Cohen bei einem Auftritt im Sommer 2013. (FABRICE COFFRINI / AFP)

Der Schriftsteller Burkhard Spinnen outet sich als großer Fan Leonard Cohens: Zu dessen 80. Geburtstag würdigt Spinnen insbesondere die lyrischen Talente des kanadischen Künstlers.

Der Schriftsteller Burkhard Spinnen hat sich als Fan des Popmusikers Leonard Cohen bekannt. Zu dessen 80. Geburtstag würdigt er den Sänger als vielseitigen Musiker - und Lyriker.

Spillen widersprach dem Eindruck, Cohen sei aus der Erfolglosigkeit des Autorendaseins in die Musik geflohen. "Der war ja gar nicht so erfolglos", sagte er. Es sei eine positive Laufbahn eines jungen Autors unter 30 Jahren gewesen, der für seine Gedichtbände und seine Romane viel positives Feedback bekommen habe.

"Er ist mit einem Stipendium, das er bekommen hatte, eine Zeit lang um die Welt gereist." Aber ihm habe diese Nischenexistenz als Literatur offenbar nicht ausgereicht. Wer Gedichte schreibe, lese sie sich sehr häufig vor, betonte Spinner die Bedeutung der oralen Ebene.  "Was für eine Herausforderung, was für eine Chance, damit auf die Bühne zu gehen und dem selbst die eigene Stimme zu geben." Schließlich bestehe Leonhard Cohens Musik aus  51 Prozent Stimme.

Zeitloser Musiker

Cohen habe die Musikbühne betreten, als Spinnen zuzuhören begann, erinnert sich der Schriftsteller. "Da könnte man ja auf die Idee kommen, das sei jetzt so ein Zeitphänomen gewesen und wenn man das hört, dann erinnert man sich so an seine Jugend."  Zum Teil sei das natürlich so. Andererseits hat sich das Verhältnis zu Cohen vollkommen anders entwickelt. "Es war damals schon ein bisschen so, als wäre er immer da gewesen." Cohen habe sich über ein Pop-Phänomen mit zwei oder drei Hits längst hinausgehoben.

Die Musik sei sehr melancholisch, sagte Spinnen. Die "abgrundtiefe Melancholie" habe damals wenig zu tun gehabt hat mit dem, was in der Popmusik sonst an die Rampe gebracht wurde: positives Lebensgefühl und Aufgebehren, Revolution, neuer, frischer Lebensentwurf.  "Mister Cohen war offensichtlich schon ein bisschen zu alt  für so einen grenzenlosen Optimismus", erinnerte sich der Autor. 

Wie Medizin in süßer Pille

Diese Melancholie habe  ein paar Begleiterscheinungen gezeigt, die sehr verlockend gewesen seien.  "Erstens war sie aberwitzig stilvoll.", sagte Spinnen. Man musste keine Dumpfbacke sein, wenn man schlecht drauf war. Cohen habe die Menschen angezogen, obwohl er schlecht drauf gewesen sei. "Dann hatte es diesen literarischen Reiz, der einen auch packen konnte, wenn man  ein besonderes Faible für Literatur hatte."

Es habe auch bei den Rolling Stones oder bei den Beatles ein paar Zeilen gegeben, die wirklich zum Nachdenken anregen, sagte Spinnen. Aber bei Cohen habe man gewusst, dass man von jedem Vers in die Pflicht genommen werde. Dabei sei es auch gefällige Musik gewesen. "Aber auf dies Art und Weise kommt, wie die  Medizin in der süßen Pille, so mancher Satz an."  Wenn man das mehrfach höre, bleibe er hängen und laufe sehr lange damit herum.

 

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