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Interview / Archiv | Beitrag vom 20.03.2009

Lenz: Jungen auch als Opfer von Gewalt wahrnehmen

Ein Blatt mit der Frage "Warum?" liegt in Winnenden vor der Albertville-Realschule. (AP)
Ein Blatt mit der Frage "Warum?" liegt in Winnenden vor der Albertville-Realschule. (AP)

Der Sozialwissenschaftler und Geschlechterforscher Hans-Joachim Lenz hat einen Mangel an Hilfseinrichtungen für Jungen beklagt. Unter Bezugnahme auf den Amoklauf des 17-jährigen Tim K. in der vergangenen Woche sagte Lenz, es gehe darum, Jungen in ihrer Verletzlichkeit ernst zu nehmen.

Wenn ein Mädchen Opfer von körperlicher oder seelischer Gewalt werde, schrillten in der Gesellschaft die Alarmglocken, so der Geschlechterforscher. Jungen hingegen würden häufiger Opfer von Gewalt, ihr Schutzbedürfnis werde aber nicht anerkannt: "Im Grunde gilt noch immer bei vielen Erziehern, bei vielen Pädagogen, bei vielen Eltern, auch der Satz: Ein Indianer kennt keinen Schmerz."

Jungen würden entsprechend in ihrer Not allein gelassen und blieben auf sich selbst verwiesen, kritisierte Lenz - "bis sie dann zu dem Punkt kommen, (…) wo sie eben dann eine Knarre in die Hand nehmen und losballern". Er vermute, sagte der Männerforscher, dass Tim K. es nicht gelernt habe, über seine innere Not zu sprechen und kompetente Gesprächspartner zu finden, die auf ihn eingegangen wären – "und kam dann auf die Lösungsweise, die er gelernt hat durch seinen Vater: (…) er hat geschossen."

Der Männerforscher sprach sich für eine Vergrößerung des Anteils von männlichen Mitarbeitern in Erziehungseinrichtungen aus. Dies sei eine "sehr wichtige Sache", weil Jungen auf diese Weise ein anderes Männerbild vermittelt werde. Dem stünden allerdings gesellschaftliche Rollenerwartungen entgegen. Zum Beispiel hätten viele Mütter Angst, "wenn ein Mann im Kindergarten Erzieher ist, ja, was ist das für einer?"

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