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Kompressor | Beitrag vom 15.11.2018

Lena Meyer-Landruts Selfie"Eine gute Möglichkeit, sich zu verteidigen"

Ingrid Brodnig im Gespräch mit Timo Grampes

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Lena Meyer-Landrut auf Instagram. (instagram / Lena Meyer-Landrut / Screenshot)
Lena Meyer-Landruts Post auf Instagram (rechts) hat Wellen geschlagen. (instagram / Lena Meyer-Landrut / Screenshot)

Die Sängerin Lena Meyer-Landrut wehrt sich mit einem Selfie auf Instagram gegen Hasskommentare, die sie im Netz erhält. "Das finde ich sehr intelligent", lobt die österreichische Journalistin Ingrid Brodnig. Sie empfiehlt weitere Strategien gegen Trolle und Hater.

"Hässlich, Fotze, Du bist eine Schande, Fick dich, Du dumme Schlampe" - das sind Hasskommentare, die Eurovision-Songtest-Gewinnerin Lena Meyer-Landrut bekommen hat. Auf einem Selfie erscheinen diese Kommentare auf ihrem Körper gespiegelt. Das Selfie erhielt inzwischen über 100.000 Likes.

Ingrid Brodnig ist Autorin des Buches "Hass im Netz. Was wir gegen Hetze, Mobbing und Lügen tun können" und digitale Botschafterin Österreichs in der EU. Sie findet es wichtig, dass prominente Opfer von Hasskommentaren wie Lena Meyer-Landrut nicht still bleiben:

"Das Schlimmste ist, wenn sie das in sich hineinfressen. Sie hat eine besonders intelligente Ebene gewählt. Sie hat diese Beleidigungen, die sie erntet, hingeschrieben und sichtbar gemacht, aber sie hat nicht die Autoren damit auch noch prominent gemacht. Sie hat denen, die so etwas Grausames schreiben, wenig Platz als Person gegeben. Das finde ich sehr intelligent."

"Frauenfeindlicher Ton im Netz"

Trolle ergötzten sich daran, ihren Namen zu lesen und Aufmerksamkeit zu erhalten, sagt die Publizistin. Dabei ginge es in der Debatte oft nicht um einzelne Personen, sondern um ein strukturelles Problem:

"Das strukturelle Problem ist, dass im Netz ein harter, auch ein frauenfeindlicher Ton herrscht. Und da geht es nicht um 12 oder 17 User, sondern es geht um eine Epidemie dieser schlimmen Tonalität."

In den USA gebe es das Format, dass Prominente gehässige Tweets vorlesen. Sie wehrten sich ebenfalls, indem sie Videos und Selfies machten. "Das ist eine gute Verteidigungsmöglichkeit", sagt Bornig.

Würde eine Klarnamenpflicht helfen?

Dabei hält sie nichts von der Idee der österreichischen Regierung, im Netz eine Klarnamenpflicht einzuführen, da internationale Erfahrungen zeigten, dass man den Hass im Netz so leicht nicht los würde:

"Sehr viele Hasskommentare werden schon jetzt mit echten Namen geschrieben. Es ist eine Illusion zu glauben, wenn wir die Anonymität bekämpfen, dass das Problem gelöst ist."

(cosa)

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