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Im Gespräch | Beitrag vom 27.09.2018

Leiter des Jüdischen Museums Berlin Peter SchäferDeutscher, Katholik und Judaist mit Weltruhm

Moderation: Katrin Heise

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Peter Schäfer, Direktor des Jüdischen Museums Berlin (picture alliance / dpa / Wolfgang Kumm)
Peter Schäfer wurde mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, u.a. mit dem Leibnitz-Preis und dem Mellon Award. (picture alliance / dpa / Wolfgang Kumm)

In den 1960er-Jahren geht Peter Schäfer nach Israel, um Judaistik zu studieren. Mittlerweile gilt er als der führende Experte auf dem Gebiet. Und: Seit 2014 leitet er als erster Nicht-Jude das Jüdische Museum in Berlin.

"Ich denke, es hat etwas, dass der Direktor des Jüdischen Museums ein Nicht-Jude ist, und der neue Direktor des Deutschen Historischen Museums ein Jude ist", sagt Peter Schäfer. Während seiner Berufslaufbahn sei es immer wieder ein Thema gewesen, dass er als Katholik wichtige Stellen in der Judaistik eingenommen habe – allerdings sei es vor allem in Deutschland besprochen worden. In den USA und in Israel, wo Peter Schäfer viele Jahre lehrte, sei dieser Aspekt eher untergeordnet gewesen.

Der 75-Jährige gilt als führender Experte auf dem Gebiet der Judaistik. Er erforscht vor allem das jüdische Leben zwischen der Antike und dem frühen Mittelalter, außerdem gilt er als Experte beim Thema Antisemitismus.

Früh entsteht der Wunsch: "Ich will nach Israel"

Den Wunsch, die Thora im Original studieren zu können, hat Peter Schäfer schon als junger Student. Über die katholische Theologie gelangt er zum Fach "Jüdische Studien", das in Deutschland erst ab 1964 überhaupt wieder studiert werden kann. Doch die Art und Weise, wie dort Hebräisch gelehrt wird, schreckt ihn ab:

"Das war eine absolut tote Sprache, die mit dem lebendigen Judentum, mit dem Judentum in Israel, mit Juden in Deutschland nichts zu tun hatte. Das war ganz schrecklich für mich. Und da ist sehr schnell schon der Wunsch entstanden: Ich will nach Israel."

Engagment für die Judaistik

Nicht einmal 20 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges geht er deshalb nach Jerusalem, um Judaistik zu studieren. Später übernimmt er an der Freien Universität Berlin jenen ersten, seit dem Ende der Nazizeit wieder gegründeten Lehrstuhl für Judaistik in Deutschland und baut ihn von 1983 bis 2008 weiter aus.

Seine wissenschaftlichen Arbeiten finden 1994 mit dem Leibnitz-Preis und 2006 mit dem amerikanischen Mellon Award höchste Anerkennung. Schäfers ganzer Stolz ist seine Ehrendoktorwürde der Universität Tel Aviv. An der amerikanischen Eliteuniversität Princeton leitet er zudem von 2005 bis 2013 das Studienprogramm für Judaistik. Dort habe er auch gelernt, wie wichtig die Vermittlung von Wissenschaft sei – eine Fähigkeit, die ihm heute auch als Direktor des Jüdischen Museums zugutekommt.

Das Jüdische Museum bekommt ein Kindermuseum

"Wenn sie da in einem Kurs mit 20 Studenten sitzen, und nach zwei Wochen sind nur noch drei übrig, dann ist Ihnen klar, dass da etwas nicht richtig gelaufen ist. Und auf diese Weise werden sie gezwungen sich zu fragen: Wie mache ich das? Wie vermittele ich das? Und das war für mich sehr heilsam."

All sein Wissen bringt Peter Schäfer derzeit in die Modernisierung des Jüdischen Museums in Berlin ein. 17 Jahre nach der Eröffnung wird die Dauerausstellung überarbeitet, und es soll ein neues Kindermuseum entstehen. Beide Projekte werden der Öffentlichkeit im kommenden Jahr vorgestellt.

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