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Fazit | Beitrag vom 12.06.2019

Leipziger Jahresausstellung eröffnetKeine Reden, kein Sekt, kein Fest

Von Nadja Bascheck

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Das Gelände der Baumwollspinerei in Leipzig (Sachsen), aufgenommen am 26.07.2014. Die "Spinnerei" in Leipzig gehört zu einem der wichtigsten Kunstproduktionsorte, berühmt vor allem durch Vertreter der Neuen Leipziger Schule.  (dpa-Zentralbild/ Peter Endig)
Die Leipziger Baumwollspinnerei: kein Publikum weit und breit (dpa-Zentralbild/ Peter Endig)

Es war ein einziges Hin und Her: Nach langer Debatte um die Teilnahme eines AfD-nahen Künstlers wurde die Leipziger Jahresausstellung abgesagt, dann die Absage abgesagt. Jetzt gab es die Eröffnung in der Baumwollspinnerei. Allerdings ohne großes Fest.

Es ist Mittag, punkt 13 Uhr, als das Rolltor der Halle 12 langsam hochfährt. Ein paar Journalisten warten auf den Einlass. Unscheinbarer könnte eine Ausstellungseröffnung kaum sein: keine Reden, kein Sekt, kein Fest. Eher heimlich eröffnet die Jahresausstellung, die eigentlich seit 25 Jahren ein festes Datum im Leipziger Kunstkalender ist.

Ein Besucher streift durch die alte Industriehalle, schaut sich das mehrere Meter lange dunkle und beeindruckende Bild "Player" von Robert Seidel an, das an Computerspiel, Festplatte und Architektur erinnert – eines der vielen großen Gemälde in der Ausstellung. Sein Begleiter Frank Rehm, der Mitglied des Vereins ist, freut sich immerhin über die Ausstellung: "Ich bin froh, dass sie sie trotzdem gemacht haben, auch wenn es raus und rein..."

Nicht mal alle teilnehmenden Künstler sind da

Bis vor Kurzem war nicht klar, ob sie überhaupt stattfinden wird. Nun ist es so weit, aber das Publikum fehlt – kein Wunder, mitten in der Woche, mitten am Tag. Fast nur Insider sind da: Leute vom Organisationsteam, Journalisten, ein paar Künstler stehen unsicher vor ihren Werken. Und ein Gefühl scheint alles zu überdecken: Enttäuschung. Es sind nicht mal alle teilnehmenden Künstler da. Laura Eckert schaut zwar vorbei, begrüßt ein paar Menschen, muss aber bald wieder in ihr Atelier.

"Also die Ausstellung ist schön, natürlich, die Räume sind fantastisch, aber über allem schwebt so… Naja, mein Gefühl ist ein bisschen so: schade. Mir fehlt eigentlich das, weswegen ich hier teilgenommen habe: die Eröffnung, die Feierlichkeit, die vielen Leute, die bekannten Gesichter, aber auch die unbekannten, die man trifft. Das fällt natürlich weg", sagt Künstlerin Laura Eckert.

So ist die Eröffnung eine traurige Veranstaltung. Nach der heftigen Debatte der letzten zwei Wochen sind alle noch etwas geschockt, wissen nicht, wie sie reagieren sollen. Von der Debatte merkt man in der Ausstellung aber wenig. Natürlich fehlen die Bilder von Axel Krause, aber das fällt nicht auf, würde man die Vorgeschichte nicht kennen.

Nach der Debatte bleibt die Kunst

Was bleibt, sind die vielen guten Werke: die großformatigen teils abstrakten Gemälde, die Tierskulpturen von Nelly Schmücking, der hölzerne "Somnambulist" von Laura Eckert und die Installation blauer Gummihandschuhe von Anamaria Avram.

Es ist eine Schau verschiedenster Positionen, Politik spielt vorrangig keine Rolle. Dass die Diskussion aber alle künstlerische Kraft überschattet hat – dieser Eindruck manifestiert sich. Auch Künstlerin Christl Maria Göthner hat dazu eine klare Meinung:

"Ich finde, die Debatte ist viel zu sehr überbewertet und am Ende geht es gar nicht mehr um die einzelnen Beiträge. Prinzipiell ist sicher eine Diskussion notwendig vor der nächsten Wahl, das ist auf jeden Fall wichtig, aber insgesamt soll es langsam mal wieder um die Arbeiten gehen."

Aus Negativem Positives machen

Ihre Holzschnitte sind kaum in einen Kontext mit der Debatte zu stellen: großflächige Leinwände mit abstrakten Formen, bunte Farben, vielschichtig aufgetragen, eine tanzende Silhouette in der Mitte. Und irgendwie passt die Technik dann doch:  

"Holzschnitt bedeutet auch, dass man aus etwas Negativem etwas Positives macht. Vielleicht wäre das, um auf die Ausstellung überzuleiten, eine Sache, dass jetzt mit der Jahresausstellung so ein Bruch gekommen ist, der eigentlich negativ ist, aber vielleicht entwickelt sich was Neues", so Göthner.

Der Dialog kommt nicht recht in Gang

Immer wieder wurde im Vorfeld der mangelnde Dialog kritisiert. Nun liegen auf einem Stehtisch am Eingang Post-it-Blöcke und Kugelschreiber, ein paar bunte Zettel hängen schon an der Wand. Vermutlich ist das eine Einladung, eine Erklärung sei aber noch im Druck.

Beim Gang durch die Ausstellung ist es schwierig, das Drama zu vergessen, auch weil einige Künstler mit ihren Werken reagiert haben. Ein Beispiel ist das schlichte Werk von Chloé Piot: ein abgedunkelter Raum, in der Mitte eine rotierende Lampe. Der Schirm besteht aus den Einladungskarten zur Ausstellungseröffnung.

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