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Lesart / Archiv | Beitrag vom 05.02.2015

Leipziger BuchpreisÜberraschungen auf der Shortlist

René Aguigah und Hubert Winkels im Gespräch mit Joachim Scholl

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Bücher stehen in einer Kiste vor einem Antiquariat in Berlin (picture alliance / dpa / Foto: Wolfram Steinber)
Erstmals ist auch ein Lyrikband in der Kategorie "Belletristik" nominiert. (picture alliance / dpa / Foto: Wolfram Steinber)

Erstmals ist mit dem Buch "Regentonnenvariationen" des Lyrikers Jan Wagner ein Gedichtband in der Kategorie Belletristik unter dem Nominierten für den Preis der Leipziger Buchmesse 2015.Die Jurymitglieder René Aguigah und Hubert Winkels bewerten die gerade veröffentlichte Shortlist.

Es sei noch nie vorgekommen, dass ein Gedichtband für den Leipziger Buchpreis nominiert wurde, zeigte sich der Leiter der Jury, Hubert Winkels, selbst überrascht. "Ich bin ganz stolz auf uns, dass wir diese Gattung, dass wir Gedichte in diesen, wenn man so will, Rang, was die öffentliche Wahrnehmung angeht, gehoben haben ", sagte der Literaturredakteur des Deutschlandfunks über die Auswahl der Jury für die Short-List.

"Das freut mich sehr."

Winkels würdigte außerdem das Buch "Zeiden, im Januar" von Ursula Ackrill  in seiner Entstehungsgeschichte als "kleine Sensation". Die Buchhändlerin in einer englischen Provinzstadt  habe zuvor noch nie ein Buch veröffentlicht.  Sie habe einfach ihr Manuskript unverlangt an den Wagenbach-Verlag geschickt.

"Und es wurde entdeckt, und es wurde die Nummer 1 im Katalog und es wird jetzt gerade von uns und anderen auch, meinen Kollegen, wie ich weiß, entdeckt als großartiges Buch."

Abtauchen ins Prag des 19. Jahrhunderts

Auch wenn drei der nominierten Sachbücher von Literaturwissenschaftlern geschrieben wurden, habe dies bei der Entscheidung keine Rolle gespielt, sagte Jurymitglied René Aguigah. "Das kann man schon daran erkennen, dass die Bücher von ganz verschiedenen Sachen handeln", sagte der Literaturredakteur von Deutschlandradio Kultur.  Der dritte Band der Kafka-Biographie von Reiner Stach, die sich der Kindheit des Schriftstellers widme, drehe sich aber wenig um Kafka selbst, sondern vor allem um dessen Umfeld in einer Art Kulturgeschichte.

"Man taucht da ins Prag der letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts, beispielsweise Medien spielen da eine sehr interessante Rolle."

Es sei ein sehr gut lesbares und wertvolles Buch.

"Aber ich würde überhaupt nicht sagen, dass das Rennen im Sachbuch gelaufen ist."

In der dritten Kategorie der Übersetzungen zeigten sich beide Literaturredakteure besonders angetan von der Übersetzung von Klaus Binder aus dem Lateinischen von "Über die Natur der Dinge" des römischen Dichters und Philosophen Lukrez. Ein großer Text der abendländischen Philosophiegeschichte werde auf diese Weise für uns heute in einer rhythmischen Prosa wieder lesbar.

Am 12. März werden auf der Leipziger Buchmesse die Preisträger bekannt gegeben.

 Alle 15 Nominierten für den Preis der Leipziger Buchmesse im Überblick

Mehr zum Thema:

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