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Lesart / Archiv | Beitrag vom 14.03.2015

Leipziger BuchmesseLokal einkaufen gegen TTIP

Moderation: Maike Albath

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Thilo Bode (Foodwatch), Maike Albath (Deutschlandradio). (Deutschlandradio / Andreas Buron)
Auf der Deutschlandradio-Bühne: Thilo Bode (Foodwatch), Maike Albath (Deutschlandradio). (Deutschlandradio / Andreas Buron)

Auf der Bühne von Deutschlandradio begrüßen wir Thilo Bode, Geschäftsführer von Foodwatch, über sein Buch "Die Freihandelslüge" (DVA) sowie Susanne Schüssler, Verlagsleiterin des Wagenbach-Verlags, über das Buch "Grenzenloser Profit" (Wagenbach) von John Urry.

Eins stellt Thilo Bode gleich zu Beginn der Lesart von der Leipziger Buchmesse klar: "Ich habe nichts gegen Handel. Gegen fairen Handel kann man gar nicht sein." Warum betitelt er sein neues Buch dann: "Die Freihandelslüge – Warum TTIP nur den Konzernen nützt und uns allen schadet"? Bode sagt: Weil die Befürworter des Abkommens zwischen EU und USA "uns alle belügen". Sie redeten nur von den Vorteilen – doch in Wahrheit gehe es nicht um einen einfacheren Handel, sondern alle Lebensbereiche.

Thilo Bode, Begründer und Chef der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch, sitzt gemeinsam mit der Verlagsleiterin Susanne Schüssler (Verlag Wagenbach) auf der Deutschlandradio-Bühne auf der Leipziger Buchmesse. Mit Moderatorin Maike Albath debattieren sie über eine Wirtschaft, die sich – so die Thesen der beiden Bücher – ihrer sozialen Verantwortung entziehe. Indem sie, wie Bode behauptet, sich durch ein Freihandelsabkommen selbst die passenden Gesetze besorge, oder indem sie sich dem staatlichen Zugriff entziehe: durch Firmensitze in Steuerparadiesen und Off-Shore-Standorten. Dies beschreibt John Urry in seinem Buch "Grenzenloser Profit – Wirtschaft in der Grauzone" (Wagenbach).

TTIP als Angriff auf die Demokratie

Susanne Schüssler erklärt, warum ihr Verlag so stark auf solche politischen Bücher setzt – und sieht durch das Freihandelsabkommen auch die deutschen Verlage in Gefahr. Falls etwa im Zuge des Abkommens die Buchpreisbindung gekippt werde, "dann würde die Branche zusammenbrechen". Aber sie gibt auch zu, dass viele Sorgen rein spekulativ seien.

"Wir wissen im Grunde nichts!", klagt auch Thilo Bode über die geheimen Vertragsverhandlungen. Und ätzt: "Wenn etwas geheim ist, dann hat jemand etwas zu verbergen."

Klar ist in seinen Augen jedenfalls, dass TTIP ein massiver Angriff auf die Demokratie sei: "Die Politik ist zum Dienstleister der Konzerne mutiert." Die geplante Schaffung von privaten Schiedsgerichten ermögliche es privaten Konzernen, Staaten abseits offizieller Gerichte zu verklagen. "Ich habe noch keinen Abgeordneten getroffen, der mir erklären konnte, warum er das mit sich machen lässt."

Den eigenen Bundestagsabgeordneten fragen, warum er sich nicht gegen TTIP einsetze, das sei das Einzige, was der Einzelne zurzeit tun könne, sagt Thilo Bode. Und Susanne Schüssler rät allen, die die Macht grenzenloser Konzerne eindämmen wollen: lokal einkaufen. Das sei zumindest ein Anfang.

Mehr zum Thema:

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