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Nachspiel | Beitrag vom 12.09.2021

Leichtathlet Lucas JakubczykVom langen Atem, um nach oben zu kommen

Von Thomas Wheeler

Lucas Jakubczyk läuft die 100m im Halbfinale der Deutschen Meisterschaften, 2019. (picture alliance / dpa)
Lucas Jakubczyk lief die 100 Meter im Halbfinale der Deutschen Meisterschaften 2019. (picture alliance / dpa)

20 Jahre lang hat der Leichtathlet Lucas Jakubczyk Leistungssport betrieben. Vor wenigen Wochen nun bestritt er seinen letzten Wettkampf. Die Anforderungen für Wettkämpfe werden immer höher, kritisiert er, dadurch verlieren Nachwuchssportler die Motivation.

Lucas Jakubczyk ist einer von den Sportlerinnen und Sportlern, die in der Nähe des Berliner Olympiastadions wohnen. Dort ist er auch mehrfach beim ISTAF gestartet.

"Ich hatte das Privileg da auch laufen zu dürfen, habe dann aber auch immer wieder gemerkt, dass die richtige Wertschätzung als Local Hero auch nicht immer da ist, weil natürlich das ISTAF sich mit Meetings auf Weltniveau misst, und man dann auch immer Starterfelder haben möchte, die was Besonderes sind."

Lucas Jakubczyk, Jahrgang 1985, wächst in Syrau, einem Dorf nicht weit entfernt von Plauen, auf. Durch seine Mutter, früher selbst Leichtathletin, kommt er wie sein älterer Bruder zum Sport. Im Alter von sieben, acht Jahren, beginnt er mit der Leichtathletik, spielt aber vor allem Fußball. Bis er 14, 15 ist, läuft beides parallel. Danach setzt er ausschließlich auf die Leichtathletik.

"Ich war im Schulsport in den einzelnen Wettkämpfen, die ich gemacht habe, im Sprint meistens der Schnellste, habe auch viel Weitsprung gemacht und bin auch am Weitesten gesprungen. Man hat dann gemerkt, mit ein bisschen Training wird das eine oder andere auch nochmal besser. Man kann sich auch in überregionalen Wettkämpfen und in Landesmeisterschaften messen."

Herausforderungen und Verletzungen

2004 verlässt Lukas Jakubczyk mit 19 Jahren seine Heimat. Für den nächsten Schritt geht er nach Berlin. Dort setzt er seine sportliche Laufbahn beim SC Charlottenburg fort. Der SCC gehört zu den fünf größten Sportvereinen in der Hauptstadt und ist einer der erfolgreichsten deutschen Klubs in der Leichtathletik. Dabei fokussiert er sich lange auf den Weitsprung.

Lucas Jakubczyk in der Hocke (IMAGO / Beautiful Sports / R. Schmitt)Der Leichtathlet Lucas Jakubczyk hat seine Karriere im Leistungssport aufgegeben. (IMAGO / Beautiful Sports / R. Schmitt)

"Ich bin dann aber an Probleme gekommen, die ich vorher nicht kannte. Verletzungen, andere Umstellungen. Das ganze soziale Umfeld war ein anderes. Die Trainingsmethoden und Umstände waren ganz andere. Die Menge an Training, die auf mich eingeprasselt ist, hat vielleicht auch meinem Körper dann nicht so richtig gutgetan. Ich war nicht richtig darauf vorbereitet." 

Polizeikarriere aufgegeben

Als seine Förderung bei der Bundespolizei aufgrund einer Vielzahl von Verletzungen 2010 ausläuft, überlegt er, mit dem Leistungssport aufzuhören. Da er sich ein Leben in Uniform jedoch nicht vorstellen kann, lässt sich Lucas Jakubczyk aus dem öffentlichen Dienst entlassen. Mit 27 entscheidet er gemeinsam mit seinem damaligen Trainer Rainer Pottel sich ausschließlich auf den Sprint zu konzentrieren.

"Er war die treibende Kraft dahinter, das Sprinten mit Erfolg zu krönen, weil er die Situation dankend angenommen hat, sich da noch mal als Trainer auszutesten und weiterzubilden."

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Mit einer beachtlichen Bilanz für Lukas Jakubczyk: 2012 Deutscher Meister über 100 Meter. Danach setzt er noch einen drauf, gewinnt zweimal EM-Silber und einmal EM-Bronze mit der Staffel.

"Der Erfolg hat dann dazu geführt, dass ich mich als Sprinter identifizieren konnte. Wenn man mit einem halben Jahr Training Deutscher Meister wird, die Silbermedaille bei Europameisterschaften gewinnt und dann auf der Olympischen Bahn steht, in so kurzer Zeit."

Fit für Olympia, doch nicht in Tokio

Nach den Olympia-Teilnahmen in London und in Rio reicht es für Tokio jedoch nicht mehr. Dort haben die deutschen Leichtathletinnen und Leichtathleten drei Medaillen geholt. So viele wie 2016.

"Meines Erachtens geht die Schere immer weiter auseinander. Der absolute Spitzenbereich bekommt natürlich immer mehr Priorität, aber das, was darunter eine mögliche Basis bildet, fällt immer mehr in Vergessenheit. Es gibt ganz viele Beispiele, die im Jugendbereich nicht die große Nummer waren, aber dabeigeblieben sind und erst später dann die Peak-Leistung erfüllt haben."

Erfahrungen an Nachwuchs weitergeben

Dass man Zeit, Geduld, Ehrgeiz und Glück braucht, um es eines Tages möglicherweise an die nationale Spitze zu schaffen, versucht Lucas Jakubczyk auch immer wieder den Nachwuchsläuferinnen und Läufern beim SCC zu vermitteln.

"Bei der Leichtathletik sind wir in einer Sportart, in der man erst so zwischen 26 bis 28 Jahren die Höchstleistungen erbringen kann. Wenn man schon im Jugendbereich die Motivationkappt, indem man die Normen für nationale Meisterschaften immer weiter anhebt, gibt man Kindern keine Perspektive, sich für das Training zu motivieren. Dann hören sie halt auf. Und dann wird der Unterbau immer dünner. Und wenn es nicht diesen breiten Nachwuchs gibt, kommt oben an der Spitze auch immer weniger an."

Lucas Jakubczyk setzt dagegen seine eigenen Erfahrungen, und dass man manchmal eben einen langen Atem braucht, um ans Ziel zu kommen. Nach 20 Jahren Leistungssport hat der 36-Jährige Ende Juni seinen letzten Wettkampf bestritten. Er kümmert sich nun verstärkt um die Organisation der Leichtathletik-Abteilung beim SCC und arbeitet dabei unter anderem an den Trainerstrukturen.  

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