Dienstag, 18.09.2018
 

Im Gespräch | Beitrag vom 08.09.2018

Lehrlinge verzweifelt gesuchtWas tun gegen den Azubi-Mangel?

Moderation: Klaus Pokatzky

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Das Bild zeigt zwei Auszubildende zum Mechatroniker. (imago/Thomas Imo/photothek)
Das Bild zeigt zwei Auszubildende zum Mechatroniker in Hessen. (imago/Thomas Imo/photothek)

Das Handwerk boomt, aber kaum jemand will Handwerker werden. In jedem dritten Betrieb bleiben Ausbildungsplätze unbesetzt. Darüber sprechen wir mit dem Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks und der Gründerin von "AzubiScout".

"Wir haben 150.000 offene Stellen im Handwerk, aber wir bekommen die jungen Leute nicht. Jedes Jahr fehlen bei uns 15.000 bis 20.000 Auszubildende", sagt Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH).

"Mit seinen über 130 ganz unterschiedlichen Ausbildungsberufen bietet das Handwerk jungen Leuten ein ganzes Spektrum an sehr vielfältigen und attraktiven Berufen. Davon aber erfahren junge Leute etwa bei der Berufsorientierung an den Schulen, insbesondere an Gymnasien viel zu wenig. Seit Jahren wird von Politik wie Gesellschaft vorrangig für den akademischen Weg geworben."

Mittlerweile studierten Zweidrittel eines Jahrgangs, lediglich ein Drittel entscheide sich für eine Lehre. Das müsse sich ändern. Dabei gehe es nicht um ein Gegeneinander von Studium und Ausbildung: "Beide Wege sind gleich viel wert."

Lehrherr schweißt, Lehrlinge schauen zu (imago / Rainer Unkel)Schweißer-Lehrlinge mit Lehrherr in einem Ausbildungszentrum in Siegburg/NRW (imago / Rainer Unkel)
"Aktuell ist eine gute Zeit für Azubis. Sie haben die freie Wahl, wo sie hingehen, ähnlich wie die Arbeitnehmer. Daran müssen sich die Betriebe gewöhnen", sagt Daniela Gieseler, Gründerin von "AzubiScout".

Sie sieht sich als Maklerin zwischen Auszubildenden und Betrieben und bietet für beide Seiten Seminare und Coachings an. Auch sie beobachtet dieses Missverhältnis in der Wertschätzung von Studium und Lehre, besonders bei den Eltern.

"Bei den Eltern müssen wir zum Teil viel Überzeugungsarbeit leisten, wenn es um die Frage geht: Studium oder Ausbildung? Die Kinder sollen es besser haben – das ist immer noch in vielen Köpfen drin."

Aber auch die Betriebe müssten umdenken: Sie müssten moderner werden in ihrem Auftreten. Die heutigen Jugendlichen seien selbstbewusster; mit der autoritären Maxime "Lehrjahre sind keine Herrenjahre" kämen Firmenchefs nicht mehr weit.

Lehrlinge verzweifelt gesucht – Was tun gegen den Azubi-Mangel?
Darüber diskutiert Klaus Pokatzky am Sonnabend von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr mit Daniela Gieseler und Holger Schwannecke. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 0800 2254 2254, per E-Mail unter gespraech@deutschlandfunkkultur.de – sowie auf Facebook und Twitter.

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