Seit 20:03 Uhr Konzert

Freitag, 20.07.2018
 
Seit 20:03 Uhr Konzert

Tonart | Beitrag vom 27.03.2015

Legendäre Band aus KubaDer Buena Vista Social Club verabschiedet sich

Von Thorsten Bednarz

Mitglieder des kubanischen Orchesters "Buena Vista Social Club" während eines Konzerts 2009 im spanischen San Sebastian (dpa / picture alliance / epa efe Herrero)
Mitglieder des kubanischen Orchesters "Buena Vista Social Club" während eines Konzerts 2009 im spanischen San Sebastian (dpa / picture alliance / epa efe Herrero)

Die Gründung vor fast 20 Jahren war eher Zufall, inzwischen ist der Buena Vista Social Club die wohl bekannteste Band Kubas. Nach Konzerten in der ganzen Welt und 15 Millionen verkauften Platten ist sie nun auf Abschiedstournee. Aber ein neues Album könnte es trotzdem noch geben.

Alles begann eigentlich mit einem Totalausfall. 1996 wollte Ry Cooder in Havanna eine Platte mit Musikern aus Kuba und Mali aufnehmen. Es sollte um die enge Verknüpfung der beiden Musikkulturen gehen. Doch die westafrikanischen Musiker bekamen keine Visa, mussten im letzten Moment absagen. Da waren die Studios schon gebucht und bezahlt. So erzählte einer der kubanischen Musiker Ry Cooder von seiner Idee, die alten Legenden des Son Cubano wieder zusammen zu bringen, jener ländlichen Musik also, in der sich die Gitarren der spanischen Kolonisatoren und die Percussion der afrikanischen Sklaven begegneten. Juan de Marcos wusste, wo sie zu finden waren. Er stellte Ry Cooder Compay Segundo, Ibrahim Ferrer und Eliades Ochoa vor und der Rest ist inzwischen Musikgeschichte.

Eliades Ochoa: "Als wir Im November '96 Buena Vista gründeten, konnte niemand absehen, was da in den nächsten Jahren auf uns zu kommt. Wir hatten einfach das Glück, die richtige Band zur richtigen Zeit zu sein. Und es danach dann auch zu bleiben. 15 Millionen Platten haben wir verkauft, 13 Platin-Alben haben wir bekommen, fünf Goldene, zwei Grammys. Aber für meine letzte Platte als Eliades Ochoa und Cuarteto Patria 'Un bolero para ti' habe ich auch vier Grammies bekommen!"

So resümiert Gitarrist Eliades Ochoa heute diese Geschichte des Buena Vista Social Clubs. Wen interessiert es da schon, ob er die goldenen und Platinplatten verwechselt – allein die Anzahl von 15 Millionen verkaufter Platten ist unglaublich, denn Weltmusik ist ja kein Massen- sondern ein Nischenprodukt. Und man hört ihm den Stolz an, dass er dabei sein konnte. Auch, wenn er mit seiner Gitarre eher im Hintergrund blieb und den Sängern den Platz im Rampenlicht überließ.

Das großartige Projekt in Ehren beenden

"Nach dem Anfangserfolg mit Buena Vista waren plötzlich alle Musiker aus Kuba in der ganzen Welt unterwegs. Wir haben ihnen die Türen geöffnet. Die ganze Welt wollte plötzlich nur noch  Son-Bands hören! Und jeder in Kuba musste Son spielen, denn alle, die zu uns kamen, wollten nur noch Son hören! Es macht mich schon etwas stolz, dass ich so ein Botschafter Kubas und der kubanischen Musik in der ganzen Welt war."

Eliades Ochoa, der Mann mit dem Cowboyhut, ist der Youngster im Kreise des Buena Vista. Heute ist er 66 Jahre alt – einige andere Musiker des Buena Vista Social Clubs waren vor 20 Jahren schon älter als er heute und hatten ihren neuen Ruhm nur noch kurze Zeit erleben dürfen. Da ist es nur ehrlich, dieses großartige Projekt nun in Ehren zu beenden, anstatt es mit immer anderen Musikern fortzusetzen. So denkt auch Eliades Ochoa. Und er ist sich sicher, dass sich nicht nur diese Tür schließt, sondern dass sich für ihn auch andere öffnen werden.

"Diese Idee gefällt mir. Sicherlich sind es jetzt die letzten Konzerte auf dieser Tour. Damit geht dieses Kapitel Buena Vista zu Ende. Aber mein eigener Weg geht ja weiter, sowohl mit dem Cuarteto Patria als auch als Solist. Für 2016 ist auch ein Solo-Album von mir geplant. Es stimmt also – die eine Tür geht zu, eine andere öffnet sich."

Und da gibt es schon ganz konkrete Pläne. Zumindest für Eliades Ochoa, der seit 1978 schon das legendäre Cuarteto Patria leitet. Sein Einfluss auf den Buena Vista Social Club ist kaum zu unterschätzen, denn Ochoa war es, der das 1939 gegründete Quartett als Son-Band neu aufstellte. Was Ende der 70er-Jahre als hoffnungslos altmodisch galt, perfektionierte er in den nächsten 20 Jahren, um dann diese Musik mit dem Buena Vista Social Club in der ganzen Welt zu spielen.

Aktuelles Album ist keine Resteverwertung

Und vor allen Dingen zeigten diese Musiker der Welt ein anderes Gesicht als das Fidel Castros. Und wenn jetzt auch politisch langsam eine Entspannung im Verhältnis zwischen den USA und Kuba eintritt, kann da nicht auch die Musik des Buena Vista Social Clubs ihren kleinen Anteil geleistet haben? Eliades Ochoa bleibt da eher diplomatisch:

"Als Musiker in Kuba konnte man schon immer reisen. Gut, ich war erst 1997/98 zum ersten Mal in den Vereinigten Staaten. Aber vor Buena Vista war ich auch schon viel unterwegs. Es ist schon möglich, dass die Gespräche und die Absicht, Botschaften in Kuba und in den USA zu eröffnen, auch etwas mit unseren vielen Reisen in den USA zu tun haben."

Immer wieder erlebt man ja, dass nach dem Tod eines Musikers noch Jahre später Platten mit unveröffentlichten Aufnahmen erscheinen, damit die Plattenfirma noch einmal Geld verdient. Und oftmals hört man dann schon, warum bestimmte Aufnahmen nicht veröffentlicht wurden. In diesem Falle aber ist das neue Album keine derartige Resteverwertung. Und Eliades Ochoa ist sich auch relativ sicher, dass da nicht unzählige weitere folgen werden:

"Ich denke, es wird das letzte Buena Vista-Album sein. Es wird bestimmt kein weiteres mehr geben. Aber vielleicht werden wir uns auch noch einmal für einen Tag zusammen setzen. Aber das wäre dann keine große Geschichte, mehr eher ein Zufall und auch nichts, was die Welt erschüttert."

Und überhaupt, er denkt schon längst über die Abschiedstournee hinaus, hat sein Solo-Album im Kopf und dann ist er gespannt, was ihn danach erwartet.

Mehr zum Thema:

Buena Vista Social Club - Eine unglaubliche Erfolgsgeschichte
(Deutschlandfunk, Corso, 27.03.2015)

Pop: The Chieftains featuring Ry Cooder: "San Patricio"
(Deutschlandradio Kultur, Album der Woche, 08.03.2010)

Tonart

Arte-Doku Prince - "Sexy Mother F*****""Prince ging immer"
Prince Rogers Nelson auf der "Purple Rain"-Tour. (Imago/Cinema Publishers Collection)

Als Prince im April 2016 überraschend und unerwartet starb, herrschte bei seinen Fans tiefe Trauer. Für Arte hat Regisseur Oliver Schwabe nun eine Doku produziert und dafür viele Weggefährten des Künstlers interviewt. Und er zeigt: Prince war ein Workaholic.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur