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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 23.07.2011

Leere Meere – Was tun gegen die Überfischung der Ozeane?

Gast: Dr. Rainer Froese, Fischereibiologe

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Viele Fischarten stehen in Europa vor dem Kollaps, auch der Thunfisch (hier in Andalusien). (AP)
Viele Fischarten stehen in Europa vor dem Kollaps, auch der Thunfisch (hier in Andalusien). (AP)

Fisch ist lecker, Fisch ist gesund. Deshalb verspeisen wir Deutschen rund 16 Kilogramm Fisch pro Jahr. Aber der Genuss könnte bald ein Ende haben.

Bereits 80 Prozent der kommerziell genutzten Fischbestände weltweit – darunter Thunfisch, Rotbarsch oder Kabeljau – sind überfischt oder werden bis an ihre biologischen Grenzen ausgebeutet. Forscher warnen, dass bis zum Jahr 2050 die Fischerei weltweit komplett zusammenbrechen könnte. Eine Reform der EU-Fischereipolitik soll diesem Raubbau jetzt ein Ende bereiten. Welchen Fisch kann man also noch unbedenklich essen? Was tun gegen die Überfischung der Weltmeere?

Mit diesen Fragen beschäftigt sich der Fischereibiologe Rainer Froese vom Leibniz Institut für Meereswissenschaften (IFM-Geomar) in Kiel.

"Einige sind schon weg, der Dornhai, die Schillerlocke, sie sind aus der Nordsee verschwunden. Der Nagelrochen ist weg durch die Schleppnetze, der Aal ist gerade dabei, zusammenzubrechen, der Kabeljau ist in der Nordsee weg. Das sind unsere großen Sorgenkinder. Viele andere kennen wir ja schon gar nicht mehr, zum Beispiel den Ostseeschnäpel. Der Lachs ist weg, der Stör – durch die Flussbegradigungen."

Das Mitglied im Kieler Exzellenzcluster "Ozean der Zukunft" hat an den Anhörungen im EU-Parlament zur Fischereireform teilgenommen. Die Reform, die unter anderem strengere Fangquoten und eine bessere Verbraucherinformation vorsieht, gehe in die richtige Richtung, greife aber zu kurz.

"Man hat es versäumt, von den gelungenen Fischereireformen in Neuseeland, Australien und USA zu lernen."

Die bisherige Fischereipolitik Europas halte die Fischbestände vorsätzlich an der Grenze zum Kollaps.

"Das schadet letztendlich allen: Fischbestände stehen vor dem Zusammenbruch, Fischer haben Mühe, die wenigen verbleibenden Fische zu fangen, und Verbraucher zahlen für ihren Speisefisch doppelt, weil ohne hohe Subventionen aus Steuergeldern Fischerei nicht mehr rentabel wäre."

Jeder zweite Speisefisch stamme mittlerweile aus einer der Aquakulturen:

"Für die Mastkäfige im Mittelmeer für Thune, den roten oder den Blauflossenthun, werden kleine Thune gefangen und gemästet, bis sie den richtigen Fettgehalt für die japanischen Sushi haben. Dafür muss aber 20 Mal so viel Fischfutter reingegeben werden, wie man an Fisch rausholt."

Der begeisterte Segler und Taucher hat zehn Jahre lang auf den Philippinen gelebt, einem der artenreichsten Wassergebiete der Welt, und dort die weltweit größte biologische Onlinedatenbank gegründet, "FishBase". Vom Adonissalmler bis zur Zwergzunge: Rund 32.000 Arten, 279.100 Namen und 49.300 Bilder zählt die einzigartige Informationssammlung, die jeden Monat 33 Millionen Mal angeklickt wird.

"Biologen können zum Beispiel aus einer umfangreichen Übersicht Informationen zu Morphologie, Stoffwechsel, Gehirngröße, Nahrungszusammensetzung oder Schwimmgeschwindigkeit von Fischen schöpfen. Naturschützer erhalten Angaben zur Bedrohung der Arten. Angler oder Taucher können sogar ihre eigene Sammlung mit Tieren anlegen, die sie gesehen oder gefangen haben. Und die Fischereiwirtschaft kann ablesen, wie sich die Population verschiedener Arten verändert."

"Leere Meere – Was tun gegen die Überfischung der Ozeane?"
Darüber diskutiert Stephan Karkowsky heute von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr mit dem Fischereibiologen Rainer Froese. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 00800 2254 2254 oder per E-Mail unter gespraech@dradio.de

Informationen im Internet:
Die Online-Datenbank "FishBase"
Verbraucherinformationen: Greenpeace Fischratgeber

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