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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 25.07.2015

LebensmittelDer Bio-Boom und seine Folgen

Moderation: Klaus Pokatzky

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Zu sehen ist ein Haufen Limetten. Auf einer Limette befindet sich ein Aufkleber mit dem Bio-Siegel. (picture alliance / dpa / David Ebener)
Viele Bio-Produkte kommen nicht aus der Region und noch nicht mal aus Deutschland. (picture alliance / dpa / David Ebener)

Das Geschäft mit ökologischen Lebensmitteln boomt. Bereits jeder zweite Deutsche kauft zumindest gelegentlich Bio-Produkte ein, 2014 stieg der Umsatz in Deutschland auf 7,91 Milliarden Euro. Doch gibt es auch eine Kehrseite des Bio-Trends? Diskutieren Sie mit uns darüber!

"Bio" beschränkt sich längst nicht mehr auf Reformhäuser oder kleine Bioläden; 60 Prozent aller Bio-Erzeugnisse werden in herkömmlichen Supermärkten gekauft. Besonders in den Städten werden immer nun mehr spezielle Bio-Supermärkte eröffnet; das Sortiment lässt keinen Wunsch offen – und dies zu jeder Jahreszeit und aus der ganzen Welt.

Woher kommen all die ökologischen Produkte?
Wie werden sie weltweit kontrolliert?
Wie biologisch können Produkte sein, die um den halben Erdball transportiert werden?
Wird die ursprüngliche Idee von „Bio" nicht durch die Masse konterkariert?

"Mir macht am meisten Sorge, dass es in Deutschland viel zu wenig deutsche Bioprodukte gibt", sagt Friedrich Ostendorff, der "grüne Bauer im Bundestag".

Der Öko-Landwirt betreibt einen Familienhof mit Hofladen in Bergkamen; er ist zudem agrarpolitischer Sprecher von Bündnis 90 / Die Grünen – seit 2009 sitzt er im Bundestag. "Der Markt ist hoffnungslos unterversorgt – und zwar mit zunehmender Tendenz. Es gibt viel zu wenig hier ökologisch erzeugtes Fleisch, Milch, Gemüse und Getreide."

Heimische Produkte müssen besser hervorgehoben werden

Nur sechs Prozent der Äcker in Deutschland werden ökologisch bewirtschaftet. Die Folge: Immer mehr Produkte müssen importiert werden, das verschlechtert die Ökobilanz. Deshalb wirbt Friedrich Ostendorff unermüdlich bei konventionellen Bauern, dass auch sie auf Bio-Produktion umstellen.

"Der Markt schreit nach Bio", sagt Ulrich Hamm, Professor für Agrar- und Lebensmittelmarketing an der Universität Kassel. Viele Kunden seien zwar bereit, mehr zu zahlen, zum Beispiel auch für regionale Lebensmittel. Es mangele aber oft an der nötigen Werbung:

"Wenn es der Ökobranche nicht gelingt, ihre heimischen Produkte besser aus dem Gesamtangebot herauszuheben und bei Konsumenten eine besondere Wertschätzung für Ökolebensmittel aus Deutschland aufzubauen, zeigen auch Verarbeiter und Handel keine besondere Präferenz und Mehrzahlungsbereitschaft für deutsche oder regionale Ware."

Die Öko-Bauern müssten den Kunden zudem ihre höheren Preise erklären, besonders auf dem hart umkämpften Fleischmarkt.

"Es ist nicht so einfach, auf bio umzustellen. Für Ackerflächen kriegt der Bauer eine Flächenprämie, beim Stallumbau gibt es keine Zuschüsse für den Umbau."

Die Ställe müssten aber komplett verändert werden, es müssten Freiflächen geschaffen werden. Zudem sei es problematisch, Futterlieferanten zu finden, die den strengen Bio-Standard erfüllen.

Die Gäste:
Friedrich Ostendorff, Öko-Landwirt und Agrarpolitischer Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen
Prof. Dr. Ulrich Hamm, Professor für Agrar- und Lebensmittelmarketing an der Universität Kassel

Darüber diskutiert Klaus Pokatzky am Samstag, 25. Juli, von 9.05 bis 11 Uhr mit Friedrich Ostendorff und Ulrich Hamm. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 00800 2254 2254, per E-Mail unter gespraech@deutschlandradiokultur.de sowie über Facebook und Twitter.

Weitere Informationen über Friedrich Ostendorff
Weitere Informationen über Prof. Dr. Ulrich Hamm

 

Mehr zum Thema:

Landwirtschaft - "Bauer Willi" und die Billig-Lebensmittel
(Deutschlandradio Kultur, Mahlzeit, 15.5.2015)

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