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Buchkritik | Beitrag vom 01.08.2018

Lawrence Krauss: "Das größte Abenteuer der Menschheit"Die Entschlüsselung des Universums

Von Gerrit Stratmann

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"Das größte Abenteuer der Menschheit" von Lawrence M. Krauss (Albrecht Knaus Verlag/imago/Matze Ulrich/Photocase)
"Das größte Abenteuer der Menschheit" ist auch von dem Versuch geprägt, Wissenschaft als würdigen Ersatz für Religion anzupreisen. (Albrecht Knaus Verlag/imago/Matze Ulrich/Photocase)

Die Frage, woher wir eigentlich kommen, beschäftigt die Menschheit seit Jahrtausenden. Lawrence Krauss, einer der bekanntesten Astrophysiker, nimmt uns in "Das größte Abenteuer der Menschheit" mit auf eine spannende Entdeckungsreise.

In seinem letzten Buch "Ein Universum aus Nichts" hat sich der amerikanische Physiker Lawrence Krauss den großen Fragen der Kosmologie gewidmet. Jetzt schaut er auf die Welt des Allerkleinsten: "Das größte Abenteuer der Menschheit" spürt den Kräften und Regeln nach, die unserem Dasein auf der Ebene der Atome zugrunde liegen. Seine Geschichte der mühevollen Enträtselung der kleinsten Teilchen offenbart eine Welt, die ganz anders ist, als unsere Wahrnehmung uns glauben macht.

Als Atheist ist Lawrence Krauss davon überzeugt, dass "heilige" Bücher wie die Bibel schon lange nicht mehr als Leitfaden zum Verständnis unserer Welt taugen. Trotzdem bedient er sich biblischer Begriffe und Zitate, um sein Buch zu ordnen, und bekennt dadurch, dass die Geschichte von der Entschlüsselung des Universums in seinen Augen von mindestens ebensolcher Tragweite und Bedeutung ist wie die Geschichten der Bibel.

Weißes Licht ist eigentlich bunt

In drei Teilen, Genesis, Exodus und Offenbarung, schildert er das Ringen unzähliger Forscher aus den letzten 400 Jahren, die wahre Natur der Welt zu begreifen. Sie fanden heraus, dass weißes Licht eigentlich bunt ist, zusammengesetzt aus elektromagnetischen Strahlen verschiedener Wellenlänge. Dass Strom und Magnetismus zusammengehören. Dass Raum und Zeit sich bei sehr großen Geschwindigkeiten verändern. Dass Atome sich einmal wie Wasserwellen und ein andermal wie Billardkugeln verhalten können.

Aus vielen kleinen Puzzlestücken formte sich dabei das heutige "Standardmodell" der Teilchen mit all seinen Photonen, Gluonen, Neutrinos und Higgs-Bosonen. Drei der vier bekannten Grundkräfte der Natur konnten in diesem Modell zusammengefasst und erklärt werden – eine titanische Leistung menschlichen Nachdenkens und Experimentierens.

Schwunghaft und anekdotenreich erzählt

Lawrence Krauss erzählt gewohnt schwunghaft und anekdotenreich. Trotzdem verlangt die fachkundige Genauigkeit, mit der er die lange und steinige Historie dieser (fast) allumfassenden Theorie verfolgt, vom Leser ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit. Sie belohnt ihn aber auch mit dem befriedigenden Gefühl, zumindest eine Ahnung von den verborgenen Zusammenhängen der Welt zu bekommen.

Neben einer fulminanten Geschichte der Teilchenphysik ist "Das größte Abenteuer der Menschheit" am Rande aber auch geprägt von dem Versuch, Wissenschaft als würdigen Ersatz für Religion anzupreisen. An die Stelle der christlichen Demut setzt der Atheist Krauss am Ende deshalb die kosmische Demut: "Das größte Geschenk, das die Wissenschaft uns geben kann, ist die Möglichkeit, unser Bedürfnis zu überwinden, der Mittelpunkt der Existenz zu sein". Ein hehres, aber nur für wenige attraktives Ziel?

Lawrence M. Krauss: "Das größte Abenteuer der Menschheit. Vom Versuch, das Universum zu entschlüsseln"
Aus dem Amerikanischen von Helmut Reuter
Albrecht Knaus Verlag, München 2018
384 Seiten, 26,00 EUR

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