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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 13.04.2019

Laufen – spazieren – wandern Von der Lust, zu Fuß zu gehen

Christine Thürmer und Martin Schmitz im Gespräch mit Klaus Pokatzky

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Eine Person macht mit seinem Hund einen Spaziergang. Er geht eine einsame Straße entlang, rechts und links ist Wald, die Sonne scheint. (Unsplash/Fancycrave)
Ein Spaziergang an der frischen Luft: Für viele ist das vor allem am Wochenende ein Muss. (Unsplash/Fancycrave)

Wochenende! Und Spazierengehen gehört dazu – fast egal, wie das Wetter ist. Oder doch lieber nur ein bisschen flanieren? Über ein Fünftel der Wege legen die Deutschen zu Fuß zurück. Das ist gesund und umweltfreundlich – dennoch haben Fußgänger keine Lobby.

"Spazieren schafft Schönheit" ist das Credo von Martin Schmitz, Architekt und Professor für Spaziergangswissenschaft an der Universität Kassel. "Wenn wir spazieren gehen, erschließen wir uns unsere Umwelt, und das wiederum hat Einfluss darauf, wie wir die Welt gestalten." 

Deshalb empfiehlt er Städteplanern und Architekten, immer wieder den Schreibtisch zu verlassen: "Aus dem Spazieren entsteht ein ganz eigener Blick auf die Umgebung – und der kann beispielsweise Stadt- oder Verkehrsplanung in einem ganz neuen Licht erscheinen lassen." Gerade beim Thema Verkehr liege jedoch einiges im Argen: "Fußgänger sind das schwächste Glied in der Kette." Noch immer dominiere das Auto das Stadtbild. Dabei habe das Zufußgehen so viele Vorteile!

"Streift ziellos umher, wenn ihr was erleben wollt!"

Martin Schmitz rät jedem, mehr zu Fuß unterwegs zu sein: "Das fängt vor jeder Haustür an. Viele Menschen benutzen immer die gleichen Wege. Gerade zu Fuß kann man gut Wege variieren und dabei viel Neues entdecken, vor allem, wenn Sie ziellos unterwegs sind, also umherstreifen."

"Laufen kann jeder", sagt die Extremwanderin Christine Thürmer, die "meistgewanderte Frau der Welt". 43.000 Kilometer ist die ehemalige Managerin seit 2007 marschiert: Unter anderem wanderte sie von Santiago de Compostela ans Schwarze Meer, von Südspanien bis ans Nordkap. Sie durchquerte mehrfach die USA.

Am Wandern liebt sie, "den Flow. Beim Wandern kommen Sie in einen Zustand, in dem Sie weder unter- noch überfordert sind. Und die Glücksschwelle ist niedrig: Unterwegs braucht man nur Wasser, Proviant, Wärme, Wetterschutz. Alles darüber hinaus – eine warme Dusche, ein weiches Bett, ein zusätzlicher Schokoriegel – beschert Ihnen einen Glücksflash."

Menschen sind vom Gehen entfremdet

Sie schätzt besonders das selbstbestimmte Leben. "Ich habe nur zwei Termine am Tag: Sonnenaufgang und Sonnenuntergang. Das macht innerlich frei." Ihre Beobachtung: Viele Menschen sind nicht mehr gewohnt, längere Strecken zu gehen. "Die Menschen sind davon entfremdet, sie können noch nicht einmal zum nächsten Aldi laufen. Im Mittelalter war es normal, weit zu laufen."
Und man müsse keine exotischen Ziele oder Streckenrekorde anpeilen; Deutschland habe wunderbare Wanderwege – für jeden!

Laufen, spazieren, wandern – Von der Lust, zu Fuß zu gehen:
Darüber diskutiert Klaus Pokatzky heute von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr mit Martin Schmitz und Christine Thürmer. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 0800 2254 2254 und per E-Mail unter gespraech@deutschlandfunkkultur.de.

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