Seit 23:05 Uhr Fazit

Freitag, 17.01.2020
 
Seit 23:05 Uhr Fazit

Tonart | Beitrag vom 29.01.2015

Lateinamerikanischer PunkrockTournee ohne Alkohol und Zigaretten

Von Wolfgang Meyering

Che Sudaka auf einem Musik Festival (Imago / Richard Wareham)
Che Sudaka auf einem Musik Festival (Imago / Richard Wareham)

Sie kommen aus Barcelona, haben aber argentinische und kolumbianische Wurzeln. Ihr Name: Che Sudaka. Ihre Musik vereint lateinamerikanische Stile mit westlichem Punkrock - eine Mixtur namens Mestizo.

"Heute" – "Hoy" heißt die neue CD der Gruppe Che Sudaka und der Titel ist auch so etwas wie ein Statement der Band nach zwölf Jahren gemeinsamer Arbeit. In all diesen Jahren haben sie - wie Gitarrist Jota sagt – gelernt, dass man im Heute leben muss. Kann doch keiner sagen, was die Zukunft bringt. Und die Vergangenheit kann man auch nicht ändern. Daher muss man ganz im Heute leben. Und sie genießen es, so wie im Augenblick, auf Tournee zu sein und mit den Songs des neuen - sechsten Studio Albums – auf der Bühne zu stehen. Und dort fühlen sie sich, wie man bei ihrem Konzert in Berlin erleben konnte, wirklich zu Hause und reißen das Publikum von Anfang an mit.

Jeden Abend, wenn Che Sudaka auf die Bühne geht, fühlen und denken sie auf die gleiche Art wie sie es getan haben als sie noch auf der Straße spielten. Dort stand sozusagen die Wiege von "Che Sudaka". In Barcelona haben die Musiker aus Kolumbien und Argentinien als Busker, als Straßenmusiker angefangen. Dort haben sie gelernt, wie man mit dem Publikum umgehen muss damit sie wirklich zuhören. Dagegen ist ein Konzert wie auf ihrer aktuellen Tournee eher einfach. Denn da kommen die Besucher extra wegen ihnen. Aber das was sie als Straßenmusiker gelernt und erlebt haben das hat auch heute noch einen Effekt auf ihre Musik und ihre Texte, die oft sehr politisch sind.

Selbstverständlich über Politik singen

Das wichtigste für einen Musiker und für wohl jeden Menschen ist es, authentisch zu sein und so zu reden, zu denken und zu handeln wie es der eigenen Überzeugung entspricht, meint "Che Sudaka" Gitarrist Jota. Für sie als Südamerikaner ist es selbstverständlich, über politische und soziale Themen nachzudenken. Und natürlich darüber zu singen. Wie etwa über die kolumbianischen Bauern die, das genmanipulierte Saatgut eines amerikanischen Konzerns verwenden müssen, weil nur dieses als legal gilt. Die selbstgezüchteten Samen der Bauern dagegen als illegal betrachtet und vernichtet werden. Die in Barcelona lebenden Musiker von "Che Sudaka" fühlen sich mit ihren Landsleuten in Kolumbien oder Argentinien immer noch eng verbunden. Und ebenso mit der Musikkultur ihrer Heimatländer, auch wenn das nicht immer so war.

Als Teenager konnten Jota und seine Kollegen von "Che Sudaka" mit kolumbianischer und anderer lateinamerikanischer Musik nichts anfangen. Damals hörten sie eher Punk oder Musik von "Metallica". Diesen Einfluss kann man bei ihren Konzerten und auf ihren CDs hier und da immer noch heraushören. Auch auf der neuen CD "Hoy" sind wieder neben Latin Einflüssen viele andere Stile vertreten und sie haben es auch bei diesem sechsten Studioalbum wieder geschafft, die mitreißende und energiegeladene Atmosphäre ihrer Liveauftritte einzufangen, die man auch bei ihrer derzeitigen Tournee wieder erleben kann. Aber um diese anstrengenden Konzerte und den aufreibenden Tour Betrieb durchzustehen, ist die Band sehr diszipliniert geworden. Kein Alkohol, keine Zigaretten, kein Fleisch. Dafür aber viel Sport und Spaß. So hoffen sie, bis ans Ende ihrer Tage Musik zu machen.

 

Ausführliches Interview von Burkhard Birke mit Che Sudaka im spanischen Originalton zum Nachhören

Mehr Infos zur aktuellen Tournee von Che Sudaka

Mehr zum Thema:

Mit Musik zum Frieden
(Deutschlandfunk, Corso, 5.11.2012)

Musik aus Lateinamerika in Dublin
(Deutschlandradio Kultur, Konzert, 20.12.2010)

Tonart

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur