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Donnerstag, 27.06.2019
 
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Konzert / Archiv | Beitrag vom 27.03.2019

Late Night der Berliner PhilharmonikerPierrot mondestrunken

Moderation: Olaf Wilhelmer

Die Geigerin in einem weißen Pirrot-Kostüm, ihr Instrument in der Hand. (Patricia Kopatchinskaja / Monika Rittershaus)
Die Geigerin Patricia Kopatchinskaja spricht und spielt in Schönbergs "Pierrot lunaire“. (Patricia Kopatchinskaja / Monika Rittershaus)

"Pierrot lunaire" war ein Meilenstein im Werk Arnold Schönbergs. Für das Melodram, gesetzt für Sprecherin und kleines Ensemble, wählte er 21 Gedichte aus dem gleichnamigen Zyklus von Albert Giraud aus. Patricia Kopatchinskaja ist Pierrot.

Seit ihrem Debüt vor fünf Jahren ist sie aus der philharmonischen Familie nicht wegzudenken: Die Geigerin Patricia Kopatchinskaja bescherte den Berliner Philharmonikern gleich zwei Höhepunkte mit Schönberg.

Arnold Schönbergs Violinkonzert: Ernst, schwer, vom Exil geprägt, in das Schönberg durch den nationalsozialistischen Rassenwahn vor dem Zweiten Weltkrieg getrieben wurde. Arnold Schönbergs "Pierrot lunaire" entstand viel früher. Es ist ein abgründig heiteres Melodram - klassischer Kontrapunkt trifft kesses Kabarett. Es wurde zum Meisterwerk des musikalischen Expressionismus vor dem Ersten Weltkrieg. 

Wandlungsfähige Künstlerin

Selten genug, dass diese Vielfalt des Werkes von Arnold Schönberg an einem Abend zu erleben ist. Noch seltener, dass die Solistin des extrem anspruchsvollen Violinkonzerts anschließend noch in einer Late Night als Interpretin des "Pierrot lunaire" auftritt – wohlgemerkt: nicht als Geigerin  - jedenfalls nicht nur, sondern als Interpretin des nicht minder anspruchsvollen, präzise notierten Schönbergschen Sprechgesangs.

Die Musiker des Abends in Aktion. (Patricia Kopatchinskaja / Monika Rittershaus)Gäste und Mitglieder der Berliner Philharmoniker haben Patricia Kopatchinskaja als Pierrot in ihrer Mitte. (Patricia Kopatchinskaja / Monika Rittershaus)

Anfang März gab es diese wohl einmalige Gelegenheit in der Berliner Philharmonie und Deutschlandfunk Kultur war dabei. Patricia Kopatchinskaja meisterte an der Seite von Kirill Petrenko das Violinkonzert (Deutschlandfunk Kultur übertrug den ersten Abend am 7. März live), um dann zu später Stunde im Pierrot-Kostüm auf die magisch dunkle Philharmoniebühne zurückzukehren.

Gemeinsam mit Solisten und Gästen der Berliner Philharmoniker gestaltete sie eine andeutungsweise szenische Aufführung des "Pierrot lunaire", musikantisch angereichert um Walzer-Arrangements, die die Komponisten der Wiener Schule für den legendären "Verein für musikalische Privataufführungen" schufen. Schönberg mit Schwung zur Schlafenszeit, dargeboten von einer in jeder Hinsicht hellwachen Patricia Kopatchinskaja.

Aufzeichnung des Konzertes vom 9. März 2019 in der Philharmonie Berlin

Arnold Schönberg
"Pierrot lunaire" für Sprechstimme und Ensemble op. 21

Johann Strauss (Sohn)
Walzer in Bearbeitungen von Arnold Schönberg und anderen

Patricia Kopatchinskaja, Violine und Rezitation
Solisten und Gäste der Berliner Philharmoniker

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