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Studio 9 | Beitrag vom 13.03.2018

Late Night Berlin"Ziemlich langatmig, ziemlich uninspiriert"

Matthias Dell im Gespräch mit Dieter Kassel

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Entertainer Klaas Heufer-Umlauf (picture alliance/dpa/Foto: Annette Riedl)
Klaas Heufer-Umlauf, Gastgeber der neuen Late Night Show "Late Night Berlin". (picture alliance/dpa/Foto: Annette Riedl)

Mal wieder wird in Deutschland eine Late Night Show ausprobiert: Auf ProSieben versucht nun Entertainer Klaas Heufer-Umlauf sein Glück. Unser Kritiker war wenig begeistert: "Ging so".

In den USA gehören Late Night Shows seit Jahrzehnten fest zum TV-Repertoire. In Deutschland hat nur Harald Schmidt mit dem Night Talk wirklich Erfolge gefeiert. Seit Montagabend strahlt ProSieben nun "Late Night Berlin" mit Klaas Heufer-Umlauf aus, der vor allem durch die TV-Show Circus HalliGalli bekannt geworden ist.

Das Urteil unseres Medienkritikers nach der ersten Sendung fällt recht nüchtern aus: "Ging so", sagt Matthias Dell im Deutschlandfunk Kultur. Obwohl es aber auch etwas schwierig sei, solch ein Format nach nur einer Sendung zu beurteilen.
 
In Zeiten von Social Media sei das grundsätzliche Problem solch eines Formates das Stand-up-Programm zu Beginn einer Sendung. Wenn zu aktuellen Ereignissen bereits alle Witze zuvor auf Twitter gemacht worden sind, sei es schwer, sich am späteren Abend noch einmal darüber lustig zu machen, so Dell.

Bekanntes aus dem Circus HalliGalli

Jede Sendung lebt zudem auch von eigenen Akzenten. So setzt Jan Böhmermann in seiner Abendsendung auf ZDFneo "Neo Magazin Royale" meist auf gut kalkulierte Mediensatire, Harald Schmidt nutzte Playmobilfiguren, um Situationen nachzustellen. In "Late Night Berlin" wurde nun ein bereits bekanntes Format aus dem Circus HalliGalli aufgegriffen, das "Betrunkene schreiben Drehbücher" hieß. 

"Hier war noch einmal die Idee, was auch nicht so richtig originell ist, die Regierungsverhandlungen nachzustellen und zu erzählen, was in diesen Gesprächen zwischen Merkel und den Jamaika-Verhandlern und der Großen Koalition gesagt worden ist. Und da muss man sagen, das war ziemlich langatmig, zwei Mal fünf Minuten, und es war vor allem auch ziemlich uninspiriert, weil es keine satirischen Momente gab, die das interessant gemacht hätten."  

Die Gesprächsführung war das Problem

Late Night Shows leben vor allem auch von den Gästen. Was in Deutschland aber schon immer ein Problem sei, im Gegensatz zu den USA, hierzulande gibt es einfach zu wenig hochkaratige Stars. Auftaktgast in der Sendung war am Montagabend Anne Will. Und sie sei aber nicht das Problem gewesen, sondern vielmehr die Gesprächsführung von Klaas Heufer-Umlau, so Dell.

So sei er ihr der Moderator oft ins Wort gefallen und habe bei interessanten Aspekten schon vorweggenommen, was Anne Will vielleicht gesagt hätte. "Das er eigentlich Momente verpasst hat, wo sie dann sagt, dass sie beim Bergdoktor weint und bei der Meldung, dass 80 Pottwale verendet sind." Für solche Situationen hätte der spätere Schmidt mehr Gefühl gehabt, sagte Matthias Dell.
Das Fazit unseres Kritikers: Man müsse zwar fair bleiben und beobachten, wie sich die Sendung entwickelt. Die Witze in den nachgespielten Filmen seien bisher aber sehr mittelmäßig gewesen und dass Jan Böhmermann im Werbeblock zu sehen war und damit bei Twitter am meisten bejubelt wurde, sei auch sehr bezeichnend für die erste Sendung gewesen.

(jde)
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