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Konzert / Archiv | Beitrag vom 25.03.2014

Lang lebe Slava!

Geringas & Litauische Philharmonie ehren Rostropowitsch

Blick auf die Silhouette von Vilnius (picture alliance / dpa / Robert B. Fishman)
Blick auf die Silhouette von Vilnius (picture alliance / dpa / Robert B. Fishman)

Sein Ruhm verblasst kein bisschen. Der russische Cellist Mstislaw Rostropowitsch spielt auch sieben Jahre nach seinem Tod eine wichtige Rolle als Inspiration für seine Schüler, für die Musikwelt und nicht zuletzt für Konzertprogramme. In der litauischen Hauptstadt Vilnius haben das Nationale Sinfonieorchester des baltischen Landes und ein prominenter Gast einen ganzen Abend Slava, so sein unter Musikern üblicher Kosename, gewidmet.

Zu Rostropowitschs bekanntesten Schülern gehört David Geringas. Er stammt aus Vilnius, hat zehn Jahre beim Meister in Moskau studiert und dann die frühere Sowjetunion gen Westdeutschland verlassen. Seit vielen Jahren lebt Geringas mit seiner Familie in Berlin. Regelmäßig tritt er aber auch in der alten Heimat auf – als Solist und als Dirigent.

Beim Sinfonieorchester der Hauptstadt spielte er das für ihn geschriebene und Rostropowitsch gewidmete Cellokonzert von Arvydas Malcys. Das sei ein sehr beeindruckendes Stück, sagt David Geringas. Vor drei Jahren hat es uraufgeführt und seitdem schon häufiger gespielt. Malcys gehört zu den aktivsten Komponisten Litauens, seine Werke werden europaweit gespielt.

Er selbst praktiziert als Cellist und hat viele Jahre in dem Orchester gespielt, das an diesem Abend David Geringas begleitet. Malcys ist bekannt dafür, einerseits die Musik als solche ernst zu nehmen, sie also nicht mit übermusikalischer Bedeutung zu überfrachten. Andererseits liebt er Dramatik, Spannung, Kontraste und manchmal auch Grotesken. Kein Wunder also, dass das Cellokonzert den Solisten genauso wie sicher auch die Zuhörer beeindruckt.

Als Dirigent liebte Mstislaw Rostropowitsch die Sinfonien seines Landsmannes Peter Tschaikowsky. Auch hier laufen die Präferenzen von Publikum und Cellolegende parallel, sogar in Litauen, dessen Einwohner ansonsten nicht so gut auf den russischen übermächtigen Nachbarn zu sprechen sind.

Beendet wird das Konzert mit einem musikalischen Scherz, der typisch ist für die Musik Leonard Bernsteins. Für den damaligen Chefdirigenten des National Symphony Orchestra in Washington, eben jenen Mstislaw Rostropowitsch, komponierte er eine ultrakurze „apolitische Ouvertüre“, in der laut Partitur ein Tonband eingespielt wird, auf dem der Musiker zum Präsidenten ausgerufen wird.

Der litauische Dirigent Robertas Šervenikas verdankt wesentliche Impulse für seine Karriere ebenfalls jenem magischen Cellisten, Dirigenten und Musikerkollegen Rostropowitsch. Der derzeitige Musikdirektor der litauischen Nationaloper arbeitet seit vielen Jahren regelmäßig mit dem Nationalen Sinfonieorchester zusammen und kennt auch David Geringas von gemeinsamen Auftritten, zum Beispiel beim Festival Young Euro Classic in Berlin. So gibt es in diesem Konzertprogramm und bei den Mitwirkenden nichts und niemanden, der keine Verbindung zum großen „Slava“ gehabt hätte.

 

Philharmonie Vilnius
Aufzeichnung vom 15.03.2014

Peter Tschaikowsky
4. Sinfonie

ca. 20:50 Uhr Konzertpause mit Nachrichten
"Ich habe ihn immer Mstislaw Leopoldowitsch genannt..."
David Geringas im Gespräch mit Volker Michael
 
Arvydas Malcys
Cellokonzert

Leonard Bernstein
Slava - eine apolitische Ouvertüre

David Geringas, Violoncello
Litauisches Nationales Sinfonieorchester
Leitung: Robertas Šervenikas

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