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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 30.09.2017

Landwirtschaft und ErnährungIst eine Ernährung ohne Fleisch möglich?

Gäste: Marc Pierschel, Regisseur des Films "The End of Meat"; Dr. Wilfried Bommert, Sprecher des Instituts für Welternährung e.V. Berlin

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Eine Geflügelfleisch-Auslage in einem Lebensmittelgeschäfts (dpa / Malte Christians)
Geflügelfleisch in einem Lebensmittelgeschäft (dpa / Malte Christians)

Pro Jahr verzehrt ein Deutscher im Schnitt 60 Kilo Fleisch. Bei 85 Prozent kommen Fleisch und Wurst jeden Tag auf den Tisch. Wir diskutieren mit Experten, wie eine fleischlose Ernährung und nachhaltiger Fleischkonsum aussehen könnte.

"Jedes Jahr züchten, mästen und töten wir 56 Milliarden Nutztiere", sagt Marc Pierschel, Regisseur des Films "The End of Meat".

"Dieses System ist für 18 Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Das ist mehr als der Verkehrssektor. Es verbraucht ein Drittel des Trinkwassers, belegt 45 Prozent der gesamten Erdoberfläche, hat 70 Prozent des Amazonas-Regenwaldes zerstört und ist zur größten Bedrohung für die Artenvielfalt geworden. Und während elf Prozent der Erdbevölkerung unter Mangelernährung leiden, verfüttern wir die Hälfte des weltweiten Getreides an Tiere, die wir später essen."

Marc Pierschel, der sich selbst vegan ernährt, hat für seinen Film Wissenschaftler, Philosophen, Künstler und Aktivisten interviewt, die sich mit der Frage beschäftigen, wie eine Welt ohne Fleisch aussehen könnte. Er besucht Schlachthäuser und die erste vegetarische Stadt in Indien. Zu Wort kommt auch ein Wissenschaftler, der an Fleisch aus tierischen Stammzellen forscht, für das keine Tiere getötet werden müssen.

Pierschel: "Wir müssen mit einem guten Beispiel voran gehen und zeigen, dass weniger Fleisch die bessere Lösung ist und vielleicht sogar gar kein Fleisch."

"Wir haben ein fatales Vorbild in die Welt exportiert, dass Wohlstand auch gleichzeitig mit Fleischessen einhergeht", sagt Wilfried Bommert. Der Agrarwissenschaftler und Journalist leitete die erste Umweltredaktion des WDR und ist Mitbegründer des Instituts für Welternährung in Berlin. Der globale Fleischbedarf wachse. Bis 2030 könne er jährlich auf 45 Kilo ansteigen. Schon heute, so Bommert, sind Weiden und Ackerflächen, die für Futtermittel gebraucht werden, weltweit übernutzt. Sein neuestes Buch trägt den Titel "Verbrannte Mandeln. Wie der Klimawandel unsere Teller erreicht".

Wilfried Bommert bezweifelt, dass die Menschen je ganz auf Fleisch verzichten werden. Er will auch niemandem sein Schnitzel vermiesen. Aber auch hier sei weniger mehr: "Wie der Fleischkonsum meiner Jugend, bestehend aus dem Sonntagsbraten: Einmal die Woche richtig Fleisch, das wird zelebriert und hat dann auch einen Wert – und der Rest wird im Laufe der Woche verspeist."

Sein Wunsch: "Was wir brauchen ist eine generelle Debatte: Was ist uns Fleisch wert?"

Welternährung ohne Fleisch – Illusion oder machbar?
Darüber diskutiert Klaus Pokatzky heute von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr mit Wilfried Bommert und Marc Pierschel. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 0800 2254 2254, per E-Mail unter gespraech@deutschlandfunkkultur.de – sowie auf Facebook und Twitter.

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