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Aus der jüdischen Welt / Archiv | Beitrag vom 06.02.2015

Landwirtschaft in IsraelDie Wüste blüht

Von Lissy Kaufmann

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Obsthändler verkauft Plastikschalen mit frischen Erdbeeren im Carmel Markt und Basar, Tel Aviv, Israel. (dpa / picture alliance / Andreas Keuchel)
Obsthändler verkauft Plastikschalen mit frischen Erdbeeren im Carmel Markt und Basar, Tel Aviv, Israel. (dpa / picture alliance / Andreas Keuchel)

Während in Deutschland noch Mandarinen geschält und warme Tees geschlürft werden, ist in Israel bereits Erdbeerzeit. Sogar in der Wüste: Trotz Hitze und Wassermangel werden im Grenzgebiet zu Jordanien Gemüse und Obst angebaut.

Es ist ein Wunder, dass hier überhaupt etwas wächst: In der Arava, der Wüste zwischen dem Toten Meer und Eilat im Südosten Israels, regnet es so gut wie nie. Niederschlagsmenge im Jahr: 30 Millimeter. Nur besonders zähe Pflanzen- und Tierarten überleben in diesem Klima. Doch auch ein paar Israelis haben das geschafft. Landwirte bauen hier Obst und Gemüse an. Sie sind damit so erfolgreich, dass 60 Prozent des Exports nach Europa oder in die USA aus der Arava kommen. Im Forschungs- und Entwicklungszentrum wird an Methoden gearbeitet, um der Hitze und dem Wassermangel zu trotzen. Eine der Mitarbeiterinnen ist Mayyan Kitron. Sie führt während der zweitägigen Messe "Arava Open Day" durch die Gewächshäuser.

"Der Großteil der Ernte wird exportiert. Wir haben hier 30.000 Dunam, also 3000 Hektar. Hauptsächlich wird Gemüse angebaut, vor allem Paprika, wie man hier sehen kann. Aber auch Tomaten, Wassermelonen, Zucchini und andere Dinge. 16 Prozent sind Plantagen, meistens sind es Dattelplantagen."

Wassersparen durch Biogel 

Vor 55 Jahren gründeten die ersten Landwirte den Moshav Ein Yahav. Vier weitere landwirtschaftlich geprägte Gemeinden und zwei Dörfer folgten. Heute leben hier in der Arava rund 3300 Menschen. Das Wasser pumpen sie aus dem Erdreich nach oben. Es ist leicht salzhaltig und gibt den Cherrytomaten und den Paprika eine süßliche Note. Im Forschungszentrum wird immer wieder nach neuen Methoden gesucht, um Wasser zu sparen, wie Mayyan erklärt.

"Wir sind hier in einem Versuchsfeld. Wir vermischen Biogel mit der Erde, und dieses Biogel absorbiert Wasser. Das ist ein Material, wie wir es von Windeln kennen. Wir versuchen dann, die verschiedenen Bewässerungsmengen zu vergleichen. Wir wollen herausfinden, ob wir durch das Gel die Menge an Wasser, die die Pflanzen brauchen, reduzieren können."

Mayyan betont, dass das Wissen aus dem Forschungs- und Entwicklungszentrum für alle offen ist. Und so ist die Wüste nicht nur während der Messe Anziehungspunkt für Interessierte aus aller Welt.

"Wir haben ein einmaliges Projekt: Studenten aus asiatischen Ländern und jetzt auch eine Gruppe aus Äthiopien kommen für zehn Monate hier her, sie studieren an ein bis zwei Tagen und arbeiten auf den Farmen mit."

Heilpflanzen aus der Wüste

Auch die Pflanzen, die hier in der Arava natürlich wachsen, sind für die Menschen wichtig. Rivka Ofir forscht hier seit 16 Jahren an der medizinischen Wirkung der einheimischen Blumen, Büsche und Bäume. Sie könnten bei Krebserkrankungen oder dem Lou-Gehrig-Syndrom, einer Erkrankung des motorischen Nervensystems, helfen.

"Ich weiß, dass es sehr schwer ist, unter diesen Bedingungen hier in der Arava zu überleben. Deswegen kam ich auf die Idee, dass die Pflanzen vielleicht bestimmte Bestandteile haben, um in der Hitze - manchmal zwei Jahre lang ohne Wasser - , dann wieder bei Überflutungen, zu überleben. Ich habe mich entschieden, Wüstenpflanzen zu sammeln und habe hier eine Bibliothek mit 250 Pflanzen zusammengestellt, die wir in einem Jahr zwischen Eilat und dem Toten Meer finden konnten."

Rivka hat schon potenzielle Heilpflanzen entdeckt. Sie muss aber noch herausfinden, welche exakten Bestandteile relevant sind. Erst dann kann der Wirkstoff auch patentiert werden.

Forschen und Entwickeln ist in der Arava eine Sache. Die meisten der Menschen hier leben aber von der Praxis. Oren Korin ist Landwirt und einer der Organisatoren der Messe. Er wuselt durch die Zelte, in denen Aussteller ihre Produkte vorführen. Der 32-Jährige ist in der Wüste zu Hause – schon sein Vater hat hier Paprika angepflanzt.

Ein idealer Platz, um Kinder großzuziehen

"Mein Vater war 1973 Soldat. Er war an der Grenze zu Jordanien stationiert und wartete auf die saudischen Truppen. Er verliebte sich in diesen Ort, in die Wüste. Dann ging er zurück nach Hadera, er war ein Stadtjunge. Er sagte meiner Mutter: Auf geht's, lass uns in die Arava ziehen. Meine Eltern leben nun seit 1973 hier. Wir sind vier Söhne, und alle hier geboren."

Doch vielen jungen Menschen ist es hier draußen viel zu ruhig. Die nächsten Städte, Be'er Sheva und Eilat, sind 130 Kilometer entfernt. So verließ auch Oren die Arava, um Wirtschaft zu studieren. Vor drei Jahren kam er zurück.

"Ich bin der Einzige von uns, der zurückgekommen ist, mit meiner Frau. Ich baue Datteln an, habe 24 Dunam und bin nun am Anfang meiner Karriere als Landwirt."

Auch wenn Orens Brüder das Stadtleben vorziehen: Vielen geht es wie ihm. Sie kommen irgendwann zurück in die Wüste und treten in die Fußstapfen ihrer Eltern. Weil es, wie Oren sagt, kaum einen schöneren Ort gibt, um Kinder großzuziehen: Hier, wo kaum Verkehr herrscht, jeder jeden kennt und frisches Gemüse vor der Haustür wächst.

 

Mehr zum Thema:

Landwirtschaft ohne Land
(Deutschlandfunk, Forschung aktuell, 6.7.2005)

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