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Lakonisch Elegant | Beitrag vom 10.09.2020

Lakonisch Elegant#99 Solingen-Berichterstattung - Welche Zukunft hat der Boulevard?

Von Johannes Nichelmann und Julius Stucke

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Ein Banner mit Werbung für die Bildzeitung spiegelt sich in einer Pfütze. (Picture Alliance / dpa / Arno Burgi)
Immer wieder fällt "Bild" mit ihrer Berichterstattung negativ auf. (Picture Alliance / dpa / Arno Burgi)

Die Berichterstattung der "Bild"-Zeitung im Fall Solingen wird laut kritisiert. Wir wollen von der Publizistin Ferda Ataman und dem Journalistik-Professor Tanjev Schultz wissen, ob ein anderer Boulevardjournalismus möglich ist.

Große Buchstaben und Grenzüberschreitungen: Dafür steht in den Augen ihrer Kritiker die "Bild"-Zeitung. Seit den Achtzigerjahren hat der Deutsche Presserat 214 Rügen gegen die Zeitung ausgesprochen. Wegen diverser Verstöße gegen den Pressekodex, also journalistisch-ethische Grundregeln. Nach dem Fall Solingen könnte jetzt eine dazu kommen.

In diesem Fall wird eine Mutter beschuldigt, fünf ihrer sechs Kinder getötet zu haben. Die "Bild"-Zeitung hat aus einem WhatsApp Chat des überlebenden Kindes mit einem Freund zitiert und auch ein unverpixeltes Foto des Kindes abgedruckt. Auch RTL berichtete fragwürdig und interviewte einen Zwölfjährigen.

Einfach nur Boulevard wie üblich?

Julian Reichelt, Chefredakteur bei "Bild" hat im Interview mit dem Deutschlandfunk dazu Stellung bezogen.

An dieser Stelle könnte der Kulturpodcast schon zu Ende sein. Es ist halt wie immer: Viele regen sich auf, nichts ändert sich. Danke, schönen Tag und bis zum nächsten Fall im Boulevard. Wir haben aber doch noch ein paar Fragen. 

Denn: Große Buchstaben und Grenzüberschreitungen? Den Boulevardjournalismus so einfach wegsortieren zu wollen, ist vielleicht auch keine Lösung.

Geht Boulevard auch anders?

Tanjev Schultz, Professor für Journalistik, äußert zwar Sympathie für solche Ideen, meint aber, dass das auch wieder wie eine boulevardeske Schlagzeile daherkomme und die Forderung altbekannt sei.

Ferda Ataman, Journalistin und Ko-Vorsitzende der Neuen Deutschen Medienmacher*innen, schätzt durchaus ein paar Dinge am Boulevardjournalismus: die einfache, zugängliche Sprache zum Beispiel und die Kürze. Aber auch Unterhaltung sei durchaus eine Tugend dieser Form, sagt sie.

Allerdings brauche man für die guten Seiten des Boulevards nicht die vielen ethisch fragwürdigen Dinge, meint sie. Den konkreten Fall Solingen - und weitere, ähnliche Fälle - kritisieren Ferda Ataman, und Tanjev Schultz bei uns im Podcast. Sie denken mit uns aber auch darüber nach, wie eine (bessere) Zukunft des Boulevards aussehen könnte.   

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