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Lakonisch Elegant | Beitrag vom 06.12.2018

Lakonisch Elegant#9 Bitte klatschen! - Muss Klassik aus dem Elfenbeinturm raus?

Von Julius Stucke und Katrin Rönicke

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Verschwommen lässt sich im Hintergrund ein Orchester erahnen. Davor der Hals eines Instruments. (Unsplash/Manuel Nägeli)
Wie kann klassische Musik leichter zugänglich gemacht werden? (Unsplash/Manuel Nägeli)

Klassische Musik ist ein Universum, in dem jeder Platz nehmen kann. Auch ohne Schlips und Kragen. Und trotzdem haben manche Menschen Berührungsängste oder befürchten, im Elfenbeinturm auf verstaubte Rituale zu treffen.

Im falschen Moment zu klatschen – für viele Neulinge im klassischen Konzert die Horror-Vorstellung. Und auch sonst hat klassische Musik häufig den Ruf, schwierig, verstaubt oder abgehoben zu sein.

Julius Stucke und Katrin Rönicke gehen in dieser Episode von "Lakonisch Elegant" deshalb der Frage nach, ob Klassik aus dem Elfenbeinturm geholt werden muss – und wie das gelingen könnte.

Eine Sprache, die man lernen muss

Der Kommunikationswissenschaftler Gabriel Yoran versucht in einer Artikelserie bei Krautreporter, Klassik leichter zugänglich zu machen. Er selbst fand klassische Musik lange Zeit doof, obwohl seine Eltern Profi-Musiker sind. Seinen Weg in die Klassik hat er über Musik-Streaming-Dienste gefunden. Yoran beobachtet auch, dass es mehr Versuche gibt, Klassik für ein größeres Publikum zugänglich zu machen: "Es wird besser. Es gibt heute mehr Veranstaltungen, die sich an ein Publikum wenden, das noch nicht viel mit Klassik zu tun hat, als jemals zuvor." Trotzdem sei klassische Musik natürlich komplex und deshalb nicht immer direkt zu verstehen: "Ich glaube, dass das eine Sprache ist, die man lernen muss. Wenn man diese Sprache nicht lernt, wird es schnell langweilig."

Igor Levit ist viel mehr als nur "ein berühmter Pianist" – in sozialen Netzwerken ist er vor allem für seine klare Haltung bekannt. Er findet: "Wir könnten, glaube ich, sehr viel mehr noch programmatisch öffnen, als wir es jetzt schon tun – ohne ständig mit der Angst zu leben, dann könnte Publikum wegbrechen." Denn in der Musik sei für alles Platz.

Spezialwissen nicht nötig

Ruth Jarre und Olaf Wilhelmer sind als Musikredakteure bei Deutschlandfunk Kultur Musikvermittler. Die Annahme einiger Menschen, nur mit Spezialwissen ein Konzert besuchen zu können, sei falsch, findet Jarre: "Man darf ins Konzert gehen und sich Schubert-Quartette anhören, wenn man nichts über die weiß. Man darf auch hinterher rausgehen und sagen: ‚Das hat mir nicht gefallen.‘"  

Olaf Wilhelmer betont aber auch: "Man darf sich auch nicht der Leichtigkeitslüge unterwerfen." Soll heißen: Klassische Musik ist komplex und muss gut vermittelt werden, um sie zu verstehen. "Ich glaube, das ist wirklich ein lebenslanger Lernprozess."    

Eine Sendung über Klassik kommt ohne den Konzertbesuch natürlich nicht aus. Katrin Rönicke hat sich aufgemacht in diese Welt. 


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