Donnerstag, 29.10.2020
 

Lakonisch Elegant | Beitrag vom 18.06.2020

Lakonisch Elegant #88 Rassismus und Ausgrenzung - Ist Zuhören eigentlich gut gegen alles?

Von Christine Watty und Emily Thomey

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In eine gelbe Pappe ist ein Loch gerissen, durch das man ein Ohr und zwei Hände, die zum Zuhören aufgestellt sind, erkennt. (Getty Images / iStockphoto / Oleksandr Shchus)
Richtiges Zuhören ist gar nicht so einfach. (Getty Images / iStockphoto / Oleksandr Shchus)

Nicht nur im Kampf gegen Rassismus wird oft ein gegenseitiges Zuhören gefordert. Wie geht richtiges Zuhören und wann hilft es? Wir sprechen mit dem Journalisten und Podcaster Christoph Amend und der Politikwissenschaftlerin Emilia Roig.

Es ist eigentlich ein gern genommenes Schlusswort in Diskussionen um Rassismus, Antisemitismus, oder wenn es um Transphobie oder um andere Feindlichkeiten, Ressentiments und Ablehnungen bestimmter Gruppen geht: Es wäre doch gut, wenn man sich gegenseitig erstmal zuhörte. Das klingt in der aktuellen Lage fast ein bisschen hilflos-lieb, denn wer hört dann gerade am besten wem zu – die sogenannte Mehrheitsgesellschaft den bis dahin Ausgegrenzten, Diskriminierten? Und die wiederum untereinander sich gegenseitig?

Aufmerksamkeits-Hierarchien

Die Aufmerksamkeitsökonomie führt aktuell zum Zuhören der Black-Lives-Matter-Demonstranten und endlich der Beachtung der dazugehörigen Themen. Hier und da tauchen aber schon Kommentare auf, die darauf verweisen, dass es gut sei, wenn man Schwarzen Menschen zuhört, aber viele andere PoC sollten deshalb nicht vergessen werden. An einem anderen Schauplatz dieser Tage würden sich Transpersonen freuen, wenn ihnen die Autorin J.K. Rowling mal richtig zuhören würde – und sie denkt wahrscheinlich exakt dasselbe umgekehrt.

Gutes Zuhören, schlechtes Zuhören

Wir haben Fragen zu diesem Zuhören: Wie geht das richtig? Was kommt denn nach diesem Zuhören: Erkenntnis, Versöhnung und dann Friede? Ist Zuhören gleich Verstehen? Natürlich nicht, aber es scheint so eine Hoffnung darin zu liegen, dass dem so sein könnte. Emilia Roig ist Politikwissenschaftlerin und Gründerin des Centers for intersectional Justice. Mit ihr wollen wir uns über das Zuhören unterhalten, weil sie sich mit allen Bereichen von Diskriminierung auseinandersetzt und was vom Zuhören versteht - und seiner Kraft oder auch seiner Floskelhaftigkeit in den Diskussionen, die wir gerade so führen.

Fifty Shades of Zuhören

Und noch ein guter Zuhörer ist mit im Podcast: Christoph Amend, Chefredakteur vom "Zeit-Magazin" und einer der beiden Hosts von Erfogspodcast "Alles gesagt?", der bekanntlich erst dann endet, wenn es der Gast will. Wie hört man denn bitte nach sechs Stunden noch zu? Wie viele unterschiedliche "Shades of Zuhören" kennt er? Auch für sein Buch "Wie geht’s dir, Deutschland?" hat er zugehört. Warum? Wird zu wenig zugehört? Und wem genau? Das finden wir in dieser Ausgabe von Lakonisch Elegant heraus.


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