Donnerstag, 29.10.2020
 

Lakonisch Elegant | Beitrag vom 28.05.2020

Lakonisch Elegant#85 Vom Marmorporträt zum Insta-Avatar – prägt Kunst unsere Körper?

Von Julius Stucke und Johannes Nichelmann

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Porträt des Rhoemetalces oder Sauromates II, König des Bosporus-Königreichs (150-125 v. Chr.). (imago/ ANE Edition Athen Akropolis Museum )
Die Griechen der Antike hatten alle einen auffällig gesunden Körper. Es musste passen, denn diese Körper gehörten ja zu ihrem Geist. (imago/ ANE Edition Athen Akropolis Museum )

Gerade Nasen und perfekte Taillen: Die Kunst gibt uns oft kaum erreichbare Ideale vor. Ziele, die auch Influencerin Louisa Dellert hatte. Welche Rolle Kunstwerke dabei spielen, wissen die Archäologen Nina Zimmermann-Elseify und Andreas Scholl sowie die Kritikerin Elke Buhr.

Körperkult in der Kunst. Offensichtlich ist der Mensch sich in seiner Hülle schon länger nicht genug. Davon zeugen die Arbeiten jener griechischer Porträtkünstler aus der Antike, die Menschen der obersten Gesellschaftsklassen in Skulpturen darstellten. Von der kleinen Statue für den Schreibtisch, bis hin zur überlebensgroßen Figur auf dem Sockel. Stolze Krieger, mächtige Herrscherinnen.

Das unvorteilhafte Gesicht des Sokrates

Was es damals - wie heute in Zeiten der Sozialen Medien - gab und gibt, ist der Unterschied zwischen Sein und Schein, zwischen idealisierter Vorstellung und Realität. Ob Sokrates wirklich ein, aus damaliger Sicht, sehr unvorteilhaftes Gesicht hatte oder ihm das nachträglich angedichtet wurde, bleibt unklar. Klar aber ist: Die antiken Griechen hatten alle einen verdächtig gesunden Geist und Körper.

Die Archäologin Nina Zimmermann-Elseify und ihr Kollege Andreas Scholl vom Alten Museum in Berlin erklären in dieser Ausgabe des Kulturpodcasts, wie uns "die alten Griechen" bis heute geprägt haben, wenn es um Schönheitsideale geht. Davon erzählt auch ihre aktuell laufende Schau "Starke Typen".

Training, Likes und Herz-OP

Für den idealen, durchtrainierten Körper hat Louisa Dellert vor knapp sieben Jahren angefangen alles zu geben. Sogar einen Teil ihrer Freundschaften. Ihr gesamter Tagesablauf drehte sich um Training und Ernährung. Sie war stolz auf ihre Erfolge, teilte sie bei Instagram und verdiente damit Geld als Influencerin.

Bis dann eine Operation Louisa Dellert stoppte. Heute engagiert sie sich gegen Bodyshaming und für ein besseres Selbstbild. Weiß sie, wie wir lernen können, mit unseren Körpern zufrieden zu sein?

Ritt durch die Kulturgeschichte

"Die Sehnsucht nach dem Echten, wächst im gleichen Maße wie die Möglichkeit wächst, das Synthetische zu sehen" – sagt Elke Buhr. Sie ist Chefredakteurin der Kunstzeitschrift "Monopol" und ordnet bei "Lakonisch Elegant" die Selbstdarstellung des Menschen in die Kunstgeschichte ein – von der Antike, bis ins Jahr 2020.

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