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Lakonisch Elegant | Beitrag vom 13.02.2020

Lakonisch Elegant#70 Black History Month – Schwarze Geschichte und weiße Ignoranz?

Von Christine Watty und Katrin Rönicke

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Eine Schwarze Frau reckt ihre Faust in die Kamera. (Eyeem / Mlle Sonyah)
Seit Anfang der 90er-Jahre wird der Black History Month auch in Deutschland begangen - doch nach wie vor ist er medial unterrepräsentiert. (Eyeem / Mlle Sonyah)

Der Februar ist Black History Month! Warum der Monat für die Schwarze Community wichtig ist und was Weiße für einen Beitrag leisten können, das berichten Fabienne Sand, Nadja Ofuatey-Alazar und Robin Droemer.

Einmal im Jahr wird im Februar der Black History Month begangen – seit 1926 in den USA und seit Anfang der 1990er-Jahre in Deutschland. Trotzdem ist dieser Monat noch nicht so ganz in der Selbstverständlichkeit der alljährlichen Feierlichkeiten angekommen. Warum eigentlich? Und warum ist der Blick auf Schwarze Geschichte so wichtig?

Lakonisch Elegant hat sich angesehen, was im Rahmen des Black History Months diese Woche in Berlin so los war und diskutiert, was weiße Menschen vielleicht auch über den Februar hinaus gegen anti-schwarzen Rassismus tun können.

Empowerment und Heilung

Fabienne Sand ist Autorin, Redakteurin und sie betreibt einen Instagram-Kanal, auf dem sie Bildungsarbeit leistet und anderen jungen Schwarzen Menschen Mut macht, sich gegen Rassismus und Diskriminierung zu wehren. Für sie geht es beim Black History Month um Empowerment auf der einen, sowie heilsame Momente innerhalb der Schwarzen Community auf der anderen Seite. Und sie hofft, dass der Februar dazu beitragen kann, auch weiße Menschen zu bilden.

"Ich glaube, was der Black History Month sein sollte, ist der Moment in dem viele weiße Menschen anfangen nachzuvollziehen, dass die deutsche Geschichte keine rein weiße Geschichte ist. Dass es auch sehr wichtig ist, deutsche Kolonialgeschichte nachzuvollziehen und zu reflektieren, was für einen Schaden Deutschland auf dem afrikanischen Kontinent hinterlassen hat – viele Menschen wissen das einfach nicht."

Im Rahmen des Black History Months finden in Berlin verschiedene Veranstaltungen statt – Lesungen, Workshops, Filmscreenings – darunter einige, die nur für die Schwarze Community gedacht sind, aber auch einige offene.

Eines der auch für Weiße offene Angebote war das Filmscreening von "The Black Power Mixtape". Ein Film, in dem schwedische Journalist*innen Ende der 1960er-Jahre Zugang zu den Anführern des Black Power Movements fanden und diese Ikonen in teilweise privaten Momenten filmten und Interviews mit ihnen führten.

Robin Droemer und Christine Watty haben sich diesen Film zusammen für Lakonisch Elegant angesehen und darüber gesprochen. Für Robin Droemer war es der erste Besuch einer Veranstaltung des Black History Months:

"Ich selbst setze mich mit meiner Schwarzen Identität erst seit ein paar Jahren auseinander. Das hat fast drei Jahrzehnte gedauert, bis ich da irgendwie rangekommen bin", so Robin Droemer. "Natürlich muss man sich immer damit auseinandersetzen, weil niemand dich vergessen lässt, dass du Schwarz bist, aber auf eine andere Art und Weise."

"Anti-schwarzen Rassismus gibt es jeden Tag"

Das Filmscreening war nur eine von über 20 Veranstaltungen, die der Verein "Each One Teach One" (EOTO) e.V. in Berlin im Rahmen des Black History Months auf die Beine stellt. Als künstlerische Leitung ist dafür unter anderem Nadja Ofuatey-Alazard verantwortlich, sie ist Teil der Geschäftsführung von EOTO und sie betreut auch die politische Arbeit des Vereins.

Bevor sie vor zwei Jahren zu EOTO kam, sah sie den Black History Month noch kritisch: "Februar ist Black History Month – aber antischwarzen Rassismus gibt es jeden Tag. Also das ist ein bisschen absurd."

Für Nadja Ofuatey-Alazar ist das ein Querschnittsthema, das Eingang in die Curricula finden sollte. Inzwischen sieht sie den Februar aber als eine gute Möglichkeit, die tägliche Antirassismusarbeit und das Bewusstsein für Schwarze Geschichte zu verdichten.

"Es ist tatsächlich so, dass Schwarze Menschen ihre Geschichten seit Jahrhunderten erzählen. Das hat nicht Eingang in den Kanon gefunden in den westlichen Gesellschaften und von daher erscheint es fast so, als ob nur weiße Menschen diese Geschichten erzählt haben." 

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