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Lakonisch Elegant | Beitrag vom 12.12.2019

Lakonisch Elegant#62 Die Herausforderung 2019: Muss jeder Mensch gut sein?

Von Christine Watty und Johannes Nichelmann

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Eine kleinteilige Illustration stellt verschiedene Aspekte mit dem Umgang der Umwelt dar. Windrad, Wald und Solarzellen stehen Flugzeug, rauchendem Schornstein und einer Kanonenkugel gegenüber. (imago images / ikon images)
Investitionen in Dinge, die gut sind. (imago images / ikon images)

Flugscham und Fleischverzicht. Leben wir das falsche Leben im Falschen? Unter anderem mit der Influencerin Wana Limar und dem Unternehmer Philip Siefer diskutieren wir: Wie geht Gutsein, und muss man es eigentlich die ganze Zeit?

Wir haben keine Lust auf Jahresrückblicke – aber eine Sache lässt sich für 2019 festhalten: Immer wieder ging es um das Gutsein. Greta Thunberg hat mit ihrer weltweiten Anhängerschaft dafür gesorgt, dass die, die es können, nun entscheiden müssen: SUV oder Inlandsflüge, oder etwa beides nicht; dass Kinder und Jugendliche ihren Eltern das bis dato falsch gelebte Leben vorwerfen und selbst alles "richtig" oder wenigstens besser machen wollen.

Wer nichts sagt, macht auch nichts falsch.  

Die Hamburger MTV-Moderatorin Wana Limar spricht oft über gesellschaftliche und politische Themen, unter anderem auf ihrem Instagram-Account. Gleichzeitig engagiert sie sich für eine Nichtregierungsorganisation, arbeitet aber auch mit Modemarken zusammen, die ihre Produkte nicht immer nachhaltig produzieren. Für diesen Spagat wird sie oft kritisiert.

Dies stelle für sie aber keinen Widerspruch dar, da dies in der Konsequenz bedeuten würde, dass sie alles richtig machen müsse. Diese Erwartungshaltung hält die 29-jährige für nicht realistisch, weil ihr niemand gerecht werden könne. "Die Leute, die sich nie zu bestimmten Themen äußern, die nie gesellschaftlich Stellung beziehen, kritisiert man dafür oder gar nicht." Wenn sich jemand aber engagieren würde, käme rasch der Vorwurf einer Doppelmoral.

Vorwurf: "Fridays for 29,95"

Philip Siefer, Mitgründer des Unternehmens "Einhorn", das für sein Motto "unfuck the economy" und seinen Versuch, Nachhaltigkeit auch als Firma wirklich ernst zu meinen, ständig gelobt wird, bekam gerade als Mitausrichter einer Demokratiekonferenz im Berliner Olympiastadion viel Kritik. 90.000 Menschen sollen im Sommer 2020 zusammenkommen, um über gesellschaftliche Themen zu diskutieren. Anschließend werden die Teilnehmenden angehalten, Petitionen zu unterzeichnen. Die Non-Profit-Aktion erhält prominente Unterstützung von Charlotte Roche und der Klimaschutzaktivistin Luise Neubauer.

Insgesamt 1,8 Millionen Euro werden zur Durchführung der Konferenz via Crowdfunding gesammelt – ein Ticket soll knapp 30 Euro kosten. 

Fernsehmoderator Jan Böhmermann unterstellt Siefer einen "Gewinnmaximierungsantrieb". "Der Drops war gelutscht", erzählt der 36-jährige Unternehmer. "Die 'Süddeutsche Zeitung' hat dann geschrieben 'Fridays for 29,95'. Das ist auch das, was man jetzt über das Event findet. Das ist ganz schön viel Arbeit, auch für so ein ehrenamtliches Team."

"Bock auf Veränderung"

Der Schauspieler Jonathan Berlin, 25, hat eine Petition zur "Ausrufung des Klimanotstandes" ins Leben gerufen und vor kurzem vor dem zuständigen Ausschuss im Deutschen Bundestag verteidigt. Er sagt: "Die Leidenschaft unserer Zeit ist es, Bock auf Veränderung zu haben."

Das gute Leben zu führen ließe sich nicht durch "die richtige Strategie" bewerkstelligen, findet die Schriftstellerin und Journalistin Hilal Sezgin. "Ich würde nicht denken, wir müssen jetzt den Königsweg zur Veränderung finden." Es ginge vielmehr darum, den verschiedenen Temperamenten der Menschen Platz zu lassen.

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