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Lakonisch Elegant | Beitrag vom 15.11.2018

Lakonisch Elegant#6 Der Beat von Berlin – Erzählen von Club-Kultur

Von Johannes Nichelmann und Katrin Rönicke

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Party fiktiven im Club Sonar (Amazon)
Party im fiktiven Club "Sonar", der an das reale Berghain angelehnt ist (Amazon)

„Beat“ heißt die neue Serie von Marco Kreuzpaintner, die in der Berliner Partyszene spielt. Wir machen den Realitätscheck und sprechen mit zwei Regisseurinnen über die Schwierigkeit, das Feier-Gefühl filmisch umzusetzen.

Dass Berlin heftig feiert, ist ein offenes Geheimnis, und gerade um Clubs wie das "Berghain" oder den "Tresor" ranken sich unzählige Mythen und Legenden. Immer wieder greifen Filmemacher diese auf – ob fiktional oder dokumentarisch.

Die gerade bei Amazon Prime erschienene Serie "Beat" reiht sich dort ein. Regisseur Marco Kreuzpaintner wollte der eigentlich im Thriller-Genre angesiedelten Story unbedingt eine besonders authentische Abbildung der Hauptstadt-Partyszene beisteuern.

Wie realistisch ist "Beat"?

Ob ihm das gelungen ist, das diskutieren wir in der sechsten Folge von "Lakonisch Elegant. Der Kulturpodcast" mit unserem Kollegen und Techno-Experten Martin Böttcher.

Der Musikjournalist und DJ ist schon seit Anfang der 90-er in der Szene unterwegs und hat einige Filme daran scheitern sehen, das Besondere der elektronischen Musik mit ihren rauschhaften Partys festzuhalten. Entsprechend skeptisch geht er auch an "Beat" ran – Johannes Nichelmann hat mit ihm zusammen die erste Folge geguckt.

Dabei erzählt Martin aus dem Nähkästchen: Was passiert wirklich in den legendären Clubs? Welche Rolle spielen Drogen dabei und warum haben viele Leute beim Feiern ein bisschen Paranoia davor, gefilmt zu werden?

Zwischen Realismus und Dämonisierung

Während "Beat" die Sicherheit der Fiktion bietet und niemand im echten Leben bloßgestellt wird, haben zwei Dokus die Kamera aufs echte Partyvolk gerichtet: "Feiern – Don’t forget to go home" aus dem Jahr 2006 ist ein Film von Maja Classen über Menschen, die ihr Leben der Musik, den Clubs und teilweise auch den Drogen widmen.

Classen erklärt, wie sie dabei einen Spagat meistern musste: Weder wollte sie Drogen in der Partyszene zu verherrlichend noch zu dämonisierend darstellen.

Auch der Film "Bar 25 – Tage außerhalb der Zeit" aus dem Jahr 2012 begleitet das Partyvolk hautnah – jedoch ohne düstere Abgründe und abschreckende Geschichten.

Britta Mischer erzählt, dass hier ganz bewusst nur die schöne Seite der Feierei dokumentiert und inszeniert wurde – denn gewissermaßen war der Film auch ein Werbefilm: adressiert an die Berliner Politik, von der man erhoffte, sie würde den ständig vom Schließen bedrohten Open-Air-Club retten.

Feiern im Film - eine unvollständige Liste

Um Authentizität mussten sich weder Classen noch Mischer kümmern – in "Beat" ist sie der Punkt, um den sich derzeit viele streiten. Kann die Serie das besondere Gefühl einfangen? Wie authentisch findet Experte Martin Böttcher die Darstellung? Was gibt es eigentlich sonst noch für sehenswerte Filme und Serien, die das Feiern – ob in der Hauptstadt oder anderswo – inszenierten?

Wir haben eine Liste angefangen, die wir mit eurer Unterstützung gern erweitern würden. Schreibt uns an lakonischelegant@deutschlandradio.de

  • Berlin Calling (Berlin ruft nach Paul Kalkbrenner, nur dass der im Film "Ickarus" heißt)
  • Desolation Center (Feiern in der Wüste - erst aus Trotz, dann aus Coolness)
  • Human Traffic (der Master aus "Doctor Who" feiert sich durch die Party-Hochburg Cardiff)
  • The Last Days of Disco (viel zu schöne Menschen tanzen miteinander)
  • Manchester Keeps on Dancing (Doku über die abgefahrene Partyszene im Manchester der 80er)
  • Trainspotting (ein Drogenfilm)
  • Pump Up the Volume: The History of House Music (Wie "Feiern", nur in Chicago)
  • Limelight (Doku über die Partyszene im New York der 90er)
  • Paradiso, an Amsterdam Stage Affair (Doku über eine alte Kirche, Sex, Drugs und Rock n Roll)
  • Studio 54 (Spielfilm, ansonsten ist der Titel ja selbsterklärend)
  • Eden (nochmal 90er, diesmal in Paris)
  • Wild Combination: A Portrait of Arthur Russell (Noch. Mehr. Disko.)
  • Paris Brennt (nicht verunsichern lassen vom Titel, die Doku spielt in New York)
  • Kiki (wie Paris Brennt, nur politischer)
  • Victoria (eine lange Nacht in Berlin)
  • Clubbed to Death (Weltflucht: junge Frau gerät in gigantischen Pariser Nachtclub)
  • Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt (Komödie über den Techno-Boom der 90'er Jahre)

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