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Lakonisch Elegant | Beitrag vom 02.10.2019

Lakonisch Elegant#52 Bewegende Bilder – was darf Sportfotografie?

von Julius Stucke und Christine Watty

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Leichtathletik-WM in Katar, Doha. Kamera in einem Startblock.  (picture alliance / dpa / Michael Kappeler)
Kamera in einem Startblock bei der Leichtathletik-WM in Doha. (picture alliance / dpa / Michael Kappeler)

Bei der Leichtathletik-WM in Doha sorgen Kameras in den Startblöcken für Diskussionen. Sportliche Ereignisse sollen möglichst rundherum abgebildet werden. Mit Kunsthistorikerin Charlotte Klonk und Fotograf Sebastian Wells geht es um die aktuelle Bildsprache von Sportevents.

Die Bilder von Sportveranstaltungen wie der Leichtathletik-WM ähneln sich meist: Da gibt es das Zielfoto, den erschöpften Läufer oder die freudestrahlende Medaillen-Trägerin. Die Aufnahmen erzählen Heldengeschichten, berichten von kleinen Dramen, zeigen Ausnahme-Köper und hin und wieder geht auch mal ein Foto in die Geschichte ein: die Sieger-Pose eines Sprinters wie Usain Bolt beispielsweise.

Die ewige Wiederholung der Heldengeschichten

Sebastian Wells hat im Jahr 2016 das "Sportfoto des Jahres" mit dem eben erwähnten Usain Bolt geschossen. Damals war das Foto allerdings aus dem Fotografen-Graben heraus aufgenomen. Wells berichtet uns von den Fragen, mit denen sich Sportfotografinnen und Fotografen beschäftigen: "Wir Sportfotografen werden ja als Sportjournalisten bezeichnet, allerdings muss man sagen, dass die klassische Sportfotografie heute eher eine Industrie ist und es ganz klare Bildwelten gibt, die sich immer und immer wiederholen."

Fotografie als Autorenschaft

Von seiner Branche wünscht er sich, dass die Fotografen mehr zu Autoren und Autorinnen werden und sich nicht nur als Teil einer Industrie begreifen. Wells hat dabei auch die Erklärung, warum sich die Motive der Fotos so ähneln. Es handele sich dabei auch um "ganz kleine für jeden verständliche Geschichten, die über Ländergrenzen und Sprachbarrieren hinweg verstanden werden, die deshalb auch so reproduziert werden".

Inszenierungswahn im Sport

Andrea Schültke ist Sportjournalistin, eines ihrer Themen ist die sexualisierte Gewalt im Sport. Mit ihr geht es auch um die Abbildung des weiblichen Körpers in der Sportfotografie – und seiner Inszenierung. Mit Blick auf die Kameras in den Startblöcken sagt sie: "Das zeigt für mich, wie man dem Wunsch, oder dem Wahn erliegen kann, alles noch toller und noch besser zu inszenieren, und dabei völlig die Menschen vergessen kann, die im Mittelpunkt einer solchen Veranstaltung stehen sollten – nämlich die Athleten."

Archaischer Kampf vs. Technik

Charlotte Klonk erklärt im Podcast, wie ein Foto zu einer ikonischen Abbildung wird – und worin sie den Widerspruch der heutigen Sportfotografie sieht. "Das Lustige an diesen Sportbildern ist, dass sie dieses ‚Ich kämpfe alleine nur mit meinem Körper‘, dieses ganz Archaische ausdrücken wollen und wenn man sich das genau anschaut, ist gerade die Leichtathletik-WM ein hochtechnisiertes Unternehmen, nun auch in einem Umfeld in Doha, wo es nur unter absoluten Sonderbedingungen geht."

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