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Lakonisch Elegant | Beitrag vom 18.07.2019

Lakonisch Elegant#41 "König der Löwen" - Raubtierkapitalismus oder zahmes Kätzchen?

Von Johannes Nichelmann und Katrin Rönicke

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Filmszene aus "König der Löwen" (2019) mit Simba und Scar. (Disney Enterprises)
Der Löwenjunge Simba, Thronfolger als König über das „geweihte Land“, und sein intriganter Onkel Scar, der die Herrschaft seines Bruders nicht akzeptieren kann. (Disney Enterprises)

"Hakuna Matata" und "Circle of Life" sind inzwischen 25 Jahre alte Ohrwürmer, da bringt Disney die Neuauflage von "König der Löwen". Ob der so gut ist wie der alte? Oder war der Film schon 1994 nicht so toll, wie wir ihn in Erinnerung haben?

Am Mittwoch kam im Rahmen von Disneys großer Remake-Welle die Neuauflage von "Der König der Löwen" in die Kinos. Diesmal nicht als Zeichentrick, sondern als computeranimierter Film mit hyperrealer Optik.

Seitdem wird diskutiert, ob dieser neue Film, in dem die Tiere wie echte Tiere aussehen, so schön ist wie der erste. Oder war der "König der Löwen" in der Version von 1994 schon nicht so toll, wie die heute erwachsenen Kinder von damals es in Erinnerung haben?

Heulen und mitsingen erlaubt

Johannes Nichelmann jedenfalls liebte das Original als Kind so sehr, dass er Löwe werden wollte, wenn er einmal groß ist und auch Katrin Rönicke hat in den 1990ern viele Stunden mit VHS-Kassetten aus dem Hause Disney verbracht, ihr Lieblingsfilm war "Arielle die Meerjungfrau", der auch eine Neuauflage bekommt. Lakonisch Elegant. Der Kulturpodcast - der Disney-Podcast!

Zu Gast ist Anna Wollner, die guckt professionell Filme, die sie im Radio bespricht, unter anderem bei Deutschlandfunk Kultur und als "Filmfritzin" bei Fritz vom RBB. Anna hatte Gelegenheit, mit dem Produzenten der Neuverfilmung von "König der Löwen", Jon Favreau, zu sprechen. Und sie hat anlässlich des Kinostarts auch extra noch einmal die alte Zeichentrickversion geschaut. Dabei brauchte sie tatsächlich wieder Taschentücher, aber ihr fiel auch auf, dass der Film faschistische Tendenzen in der Inszenierung hatte. Nichtsdestotrotz findet Anna, dass man bei Disney auch einfach mal seinen Gefühlen freien Lauf lassen und heulen oder mitsingen darf.

Raubtierkapitalismus und totalitäre Elemente

Wolfgang M. Schmitt ist Literaturwissenschaftler und hat einen Youtube-Kanal namens "Filmanalyse". Dort zerpflückt er genüsslich Filme und lässt insbesondere kein gutes Haar am "König der Löwen". Er zieht Adorno und die Psychoanalyse heran um zu zeigen: Das war der schlimmste Disney-Film von allen, mit totalitären Elementen, Raubtierkapitalismus und Esoterik.

Für Schmitt sind Kapitalismuskritik, Feminismus und Antifaschismus wichtige Werkzeuge, die jeder Zuschauer haben sollte, wenn er einen solchen Film guckt. Insgesamt findet er die Inhalte bei Disney problematisch und rät Eltern: "Ein Leben ohne Disney ist möglich."

Disneys rassistische Geschichte

Neben Raubtierkapitalismus und problematischen Rollenbildern hat Disney auch immer wieder rassistische Darstellungen auf die Leinwand gebracht. Mit diesem Aspekt der Filmgeschichte befasst sich der Erziehungswissenschaftler Jonas Cußler in seiner Arbeit. Er hat Filme wie "Dumbo" oder "Das Dschungelbuch", aber auch jüngere Produktionen wie "Aladdin" oder "Pocahontas" analysiert und in einer nicht-repräsentative Onlinebefragung mit über 1000 Teilnehmern und Teilnehmerinnen herausgefunden, dass das deutsche Publikum Disney-Filme weitgehend unkritisch konsumiert. Ihm ist es vor allem wichtig, dass mit der Hauptzielgruppe der Filme, den Kindern, offen über problematische Inhalte gesprochen und diese auch medienpädagogisch reflektiert werden. Und er findet, dass sich vieles verbessert hat.

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