Donnerstag, 13.12.2018
 

Lakonisch Elegant | Beitrag vom 01.11.2018

Lakonisch Elegant#4 Voll nicht lustig - Wie hässlich ist unser Humor?

Von Christine Watty und Katrin Rönicke

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Zwei Menschen mit Smiley-Masken vor dem Gesicht. Comicartig verfremdet. (imago / Westend61 / Montage: DLF Kultur)
Was darf Satire? (imago / Westend61 / Montage: DLF Kultur)

"Darf Satire das?!" - Eine Frage, die der Fall Oliver Polak / Jan Böhmermann wieder neu aufgeworfen hat. Wir wollen wissen: Ist unsere Witze-Kultur tief im Herzen ganz schön hässlich? Wir sprechen mit der Gag-Autorin Samira el Ouassil und dem Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch.

Und schon wieder die Frage: Darf Satire das? Dieses Mal ausgelöst durch die Debatte um Oliver Polak und Jan Böhmermann. Polak beschreibt in seinem aktuellen Buch "Gegen Judenhass" eine Situation, in der ein bekannter deutscher Moderator mit antisemitischen Klischees spielt. Dabei handelt es sich ausgerechnet um Jan Böhmermann, wie Stefan Niggemeier aufgedeckt hat.

Die Szene im Buch beschreibt, wie der Moderator - dessen Name im Buch nicht genannt wird - nach einem Auftritt Oliver Polaks ein Desinfektionsmittel zückt und die Anwesenden auf der Bühne fragt: "Habt ihr ihm die Hand gegeben?" Dann besprühte er ihre Hände, um sie zu desinfizieren. Denn - so die Botschaft: Juden, so das Klischee, seien eben eklig. Ist das ein schlechter Witz? Satire? Antisemitismus?

Ist unsere Witze-Kultur hässlich?

Und auf der Suche nach einer, die klug und witzig zugleich ist und uns dabei helfen kann, diese Frage zu beantworten, haben wir Samira el Ouassil getroffen. Sie war Kanzlerkandidatin für DIE PARTEI ("Es soll ein Rock durch Deutschland gehen, und ich bin dieser Rock"), sie ist Gag-Autorin für verschiedene bekannte Bühnen-Komiker und sie sagt:

"Wer hat die Deutungshoheit, bestimmen zu dürfen, wie viel symbolische Gewalt eine Gesellschaft aushalten muss? Hinterlässt der Comedian vielleicht einen gesellschaftlichen Schaden? - Das ist komplex und eine Verantwortung und die müssen Comedians die ganze Zeit reflektieren."

Politisch korrekte Sprache in der Comedy?

Anatol Stefanowitsch ist Professor für Sprachwissenschaft und hat gerade im Duden-Verlag ein Büchlein namens "Eine Frage der Moral. Warum wir politisch korrekte Sprache brauchen" veröffentlicht. Im Gespräch mit ihm gehen wir der Frage nach, inwieweit das auch für unseren Humor gilt. Braucht Comedy mehr politisch korrekte Sprache - und geht das überhaupt?

Das fragen wir auch zwei, die tatsächlich auf Bühnen stehen und diese ganzen Anforderungen jetzt gefälligst zu erfüllen hätten: Ingmar Stadelmann und Sarah Bosetti. Wir fragen: Beschneiden solche Diskussionen die Freiheit der Kunst? Oder sollten diese auch im Witze- und Satire-Geschäft eine selbstverständliche Haltung werden?


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