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Tonart | Beitrag vom 07.04.2021

La Femme: "Paradigmes"Die 60er-Jahre sind noch nicht vorbei

Von Jonas Dahm

Clémence Quélennec (links) und Marlon Magnée der französischen Psychedelic-Band La Femme bei einem Konzert in Paris im September 2017 (picture alliance / abaca / Jérôme Domine)
Sängerin Clémence Quélennec (links) und Keyboarder Marlon Magnée bei einem Konzert von La Femme in Paris 2017 (picture alliance / abaca / Jérôme Domine)

Nach fünf Jahren ohne Plattenrelease ist das dritte Album der Pariser Psychedelic-Formation La Femme erschienen. Bandgründer und Gitarrist Sacha Got sagt: "Wir mögen einfach extreme Gegensätze – alles, was nicht zusammenpasst."

"Du schläfst einfach irgendwo, du kannst machen, was du willst – an diese Freiheit denken wir bei den 60er-Jahren", sagt Sacha Got. "An etwas sehr Befreites, das einem erlaubt, das zu tun, was man will."

Für die französische Band La Femme sind die 60er-Jahre noch nicht vorbei. Seit ihrem Debütalbum "Psycho Tropical Berlin" feiern die Wahlpariser ihre ausgelassene Retro-Ästhetik. Es wird geraucht, die Hemden sind offen – ein bisschen Jacques Dutronc, ein bisschen Barbara, ein bisschen Gainsbourg.

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Mit ihrem dritten Album dreht die Band um Sacha Got und Marlon Magnée jetzt aber mehr als nur eine popkulturelle Epoche durch den musikalischen Fleischwolf. Auf "Paradigmes" mischen sich moderne Synthesizer mit YéYé, aktueller französischer Pop folgt auf aus der Zeit gefallene Balladen – und nur ein Stück weiter reitet Ennio Morricone durch die Pariser Steppe.

"Wir mögen es, die Genres zu vermischen; so ein bisschen ist das ganze Album eine Cross-over-Sammlung", sagt Sacha Got. "Zum Beispiel haben wir ein Disco-Stück gemacht und dann gedacht, da wäre jetzt ein Banjo ganz cool. Es gibt sehr unwahrscheinliche Verbindungen. Wir mögen einfach extreme Gegensätze – alles, was nicht zusammenpasst."

Eine wilde Playlist

Tatsächlich klingt "Paradigmes" mehr nach einer wilden Playlist als nach einem zusammenhängenden Album – aber diese ist so bunt, so eindrücklich und unterhaltsam, dass es schlicht nicht langweilig wird. Mal geht es quietschig-schnell nach vorn, dann wird es wieder getragen und melancholisch. Dazu wird abwechselnd auf Französisch, frankofon betontem Englisch oder auch auf Spanisch gesungen.

Sacha Got: "Oft verarbeiten wir auch negative Gefühle oder Dinge, die passiert sind mit unserer Musik. Daraus entsteht diese musikalische Mischung, manchmal nostalgisch, manchmal melancholisch. Dieses Gefühl funktioniert gut mit der Musik."

Aus der Zeit gefallen

Auch die Musikvideos zum Album sind voll melancholisch-nostalgischer Ikonen. Ein Andy-Warhol-Verschnitt singt umringt von schmachtenden Frauen, ein Philosoph sinniert Pfeife rauchend über den Menschen an sich – und vielleicht sind auch La Femme selbst ein bisschen aus der Zeit gefallen. Mit "Paradigmes" ist ihnen aber etwas sehr Gegenwärtiges gelungen: eine psychedelische Retrospektive, digitalisiert für das 21. Jahrhundert.

"Wir tun uns schwer mit der modernen Musik, die manchmal zu digital und entmenschlicht ist", sagt Sacha Got. "Aber wir mögen Synthesizer und Maschinen. Es ist wirklich die Mischung, das Kalte, Digitale und das Organische der Instrumente, das ist unser Sound."

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