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Interview / Archiv | Beitrag vom 21.03.2018

Kylie Minogue im Berliner Berghain "Wie Hobbymusiker auf einem Schützenfest"

Jens Balzer im Gespräch mit Ute Welty

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Ein Porträt der australischen Sängerin Kylie Minogue (picture alliance / dpa / EPA / Mohamed Omar)
Kylie Minogue: früher "High Energy Sound", jetzt Country-Pop (picture alliance / dpa / EPA / Mohamed Omar)

Kylie Minogue bringt demnächst ihr neues Album heraus, gestern stellte sie es im Berliner Club Berghain vor. Jens Balzer war dabei. Und erlebte einen Auftritt mit "Country-Schunkel-Rhythmen" und einer gewöhnungsbedürftigen Bühne.

Am 13. April veröffentlicht Kylie Minogue ihr neues Album. Es heißt "Golden" und bietet: Country-Pop. Minogue versucht sich damit offenbar neu zu erfinden. Gestern stellte sie ihre neue Musik bei einem Clubkonzert in Berlin vor. Wie der Stil der neuen CD war auch der Ort der Präsentation ungewöhnlich: das Berghain.

Unser Pop-Kritiker Jens Balzer war dabei, er konnte eine der raren Karten ergattern. Dann aber beim Konzert wenig Positives entdecken.

Treue schwule Fangemeinde

Grundsätzlich, findet Balzer, passt Minogue schon ins Berghain. Schließlich sei sie eine der ersten Künstlerinnen mit "High Energy Sound" gewesen, was ihr eine treue, schwule Fangemeinde verschafft habe. Balzer trat damit dem Geraune um den "kommerziellen Ausverkauf" des Berghains entgegen.

Was dann dort aber stattfand, das hat Balzer gar nicht gefallen. Beim Hören des neuen Albums habe er noch den Eindruck gehabt, dass Minogue "ungefähr weiß, wo sie hin will, und dass sie auch eine neue Mitte gefunden hat, aber im Konzert hatte man überhaupt nicht das Gefühl, dass sie da ein Ziel vor Augen hat und dass sie weiß, wie sie das vor allem auf große Bühnen umsetzen soll". Wenn das Konzert in der O2-World stattgefunden hätte, wäre es "völlig in die Hose gegangen".

Der Club Berghain in Berlin (dpa / picture alliance / Xamax)Der Club Berghain in Berlin (dpa / picture alliance / Xamax)

Aber auch in kleinerem Rahmen funktionierte Balzer zufolge kaum etwas. Die Bühne im Berghain habe wie eine "Country-Dorf-Disko" ausgesehen. Nur die Strohballen fehlten ihm zufolge. "Es sah so ein bisschen billig aus" und habe insgesamt einen "kleinen Eindruck" gemacht. Auch das Konzert sei dann "auf eine komische Weise ganz klein" gewesen.

"Wie ein Hobbymusiker-Auftritt auf einem Schützenfest" wirkte die Veranstaltung auf unseren Kritiker: mit einer "bemühten, aber drucklosen und unglamourösen" Band. Bei den zahlreichen Balladen habe schlicht Langeweile im Publikum geherrscht.

"Auf unfreiwillige Weise albern"

Die neue Musik Minogues findet Balzer teils gelungen, teils aber auch "auf unfreiwillige Weise albern". Banjo, Fiddel und Mitklatsch-Rhythmen seien schon ein ziemlicher Stilbruch zu früheren Werken: "Ich war beim ersten Hören ein bisschen erschrocken, aber wenn man sich ein bisschen reingehört hat, funktioniert das ganz gut."

Das Berghain selbst war in den letzten Tagen in die Schlagzeilen geraten, weil dort eine junge Amerikanerin im vergangenen Jahr an einer Überdosis Drogen gestorben war. Die entsprechende Berichterstattung im "Spiegel" findet Balzer "unangenehm": Das Nachrichtenmagazin habe aus dem tragischen Fall eine "große Geschichte" über den "angeblich rechtsfreien Raum Berghain, (...) über das Versagen der Politik und die schlimmen Zustände in Berlin im Ganzen" gemacht. "So haben viele Leute, mit denen ich gestern Abend geredet habe, das Gefühl, dass dieser tragische Fall für eine politische Agenda ausgenutzt werden soll."  (ahe)

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