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Lesart / Archiv | Beitrag vom 01.05.2011

Kurz und kritisch

Gustav A. Horn: "Des Reichtums fette Beute", Gerhard Wilke: "Armut - was ist das?", Willi Fuchs: "Wachsen ohne Wachstum"

Rezensiert von Ernst Rommeney

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Mehr Bildung führt zu mehr Gerechtigkeit, meinen Willke und Fuchs. (picture-alliance / dpa)
Mehr Bildung führt zu mehr Gerechtigkeit, meinen Willke und Fuchs. (picture-alliance / dpa)

Gustav A. Horn hält die Ballung des Geldes in den Händen weniger für die Ursache der Finanzkrise, Gerhard Wilke fordert, mehr gegen Armut zu tun, als nur darüber zu reden und Willi Fuchs setzt sich für mehr Bildung ein.

Buchcover: "Des Reichtums fette Beute" von Gustav Horn (Campus Verlag)Buchcover: "Des Reichtums fette Beute" von Gustav Horn (Campus Verlag)Wie die Ungleichheit unser Land ruiniert. Gustav A. Horn über des Reichtums fette Beute, erschienen im Campus Verlag Frankfurt New York

Ob rot-grüne, schwarz-rote oder schwarz-gelbe Politik, ob sie in Berlin oder in Brüssel gemacht wurde, stets förderte sie den Reichtum und vergrößerte zugleich die Armut. Auch von der jüngsten Bankenrettung profitierten vor allem die Reichen.

Das kritisiert Gustav A. Horn, weil er die Ballung des Geldes in den Händen weniger, die ungleiche Verteilung von Einkommen und Vermögen für die eigentliche Ursache der Finanzkrise hält. Immerhin, aber viel zu spät habe die Wirtschaftspolitik sich in der Rezession für Konjunkturprogramme entschieden.

Doch der Leiter des Institutes für Makroökonomie und Konjunkturforschung in der Hans Böckler Stiftung bemängelt, dass Politik und Wissenschaft mittlerweile jegliche Erfahrung fehlt, solche Programme rechtzeitig und zielgerichtet einzusetzen, weil sie lange Zeit nicht opportun waren.

Voraussetzung sei eine solide Haushaltspolitik in guten Zeiten, so wie auch die Tarifpartner vorgesorgt hätten, weshalb ihnen Arbeitszeitkonten und Kurzarbeit über die Krise halfen. Und darum müssten die Reichen finanziell wieder mehr für das Gemeinwesen leisten.

Buchcover: "Armut - was ist das?" von Gerhard Willke (Murmann Verlag)Buchcover: "Armut - was ist das?" von Gerhard Willke (Murmann Verlag)Armut - was ist das? Eine Grundsatzanalyse von Gerhard Willke, erschienen im Murmann Verlag Hamburg

Gerhard Willke meint, es werde zuviel über Armut in Deutschland geredet und zu wenig dagegen getan. Ausführlich analysiert er die Methoden, das Phänomen zu vermessen. Und der Ökonomie-Professor an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen kommt zum Schluss, dass die vielen Studien und Berichte kaum Neues hervorbringen, dass detaillierte "Milieuschnüffelei" nichts bringt.

Es sei bekannt, dass die Arbeitslosigkeit, der Status der Alleinerziehenden und ein familiärer Migrationshintergrund die Hauptursachen des Armutsrisikos seien. Willke empfiehlt der Politik sich nicht sozialpolitisch zu verzetteln, sondern konzentriert die Chancen der Betroffenen zu verbessern, sich selbst zu helfen - vor allem durch Bildung.

Dann brauche man auch nicht so viel über die Einkommensverteilung zu reden. Denn viel wichtiger fände er es, sich über das ungleich verteilte Vermögen zu sorgen.

Buchcover: "Wachsen ohne Wachstum" von Willi Fuchs (Hanser Wirtschaft)Buchcover: "Wachsen ohne Wachstum" von Willi Fuchs (Hanser Wirtschaft)Weniger Ressourcen – bessere Technik – mehr Wohlstand. Willi Fuchs über Wachsen ohne Wachstum, erschienen im Carl Hanser Verlag München

Auch Willi Fuchs mahnt eine konsequente Bildungsstrategie an. Er ist Direktor des Vereins Deutscher Ingenieure. Nur mit technischer Innovation werde das Land seinen Wohlstand erhalten können. Schließlich gelte es zugleich das Klima zu schonen, sparsam mit Energie und teuren Rohstoffen umzugehen.

Doch dem Land fehlen schon heute Facharbeiter wie Ingenieure. Darum schlägt Fuchs wieder einmal vor, das technische Wissen stärker in den Lehrplänen der Schulen zu berücksichtigen. Es gebe ja schon Initiativen wie "Jugend forscht", "Girls Day" oder Schülerpraktika, wo angewendet werde, was in Physik, Mathematik und Chemie theoretisch gelernt würde. Ganz besonders der Hauptschulabschluss müsse zu einem gewerblich-technischen Beruf befähigen.

Auch reformierte Studienangebote sollten mehr junge Leute für den Ingenieurberuf interessieren. Zugleich aber geht es Willi Fuchs auch um die technische Allgemeinbildung. Denn Innovationen sollten besser öffentlich unterstützt, zumindest sachlicher diskutiert werden. Und umgekehrt möchte er den Blick der Ingenieure dafür schärfen, wie sich ihre Arbeit auswirkt, wie riskant, aber auch wie nachhaltig sie ist.

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