Dienstag, 18.12.2018
 

Reportage / Archiv | Beitrag vom 24.07.2013

Kurz aufgehübscht

Home Stager machen Wohnungen für Besichtigungen fit

Von Annette Weiß

Auch der Blumenstrauß gehört dazu: Ein wenig verziert verkauft sich die Wohnung besser. (Stock.XCHNG / M. Nota)
Auch der Blumenstrauß gehört dazu: Ein wenig verziert verkauft sich die Wohnung besser. (Stock.XCHNG / M. Nota)

"Home Staging" ist das Aufpeppen von privaten Immobilien allein für den kleinen Moment einer Präsentation - zum Beispiel für den Verkauf oder die Vermietung. Aber worauf kommt es dabei an? Ein Blick auf die Arbeit von zwei Profis in Berlin.

" - "Ja?"
- "Hallo Thorsten, hier kommen die Home Stager."
- "Sehr schön, ganz nach oben bitte."
- "So, jetzt haben wir einen kleinen Aufstieg vor uns."
- "Oh ja.""

Die Immobilienmaklerin Bettina Bastgen geht voran, die beiden Home Stager folgen ihr. Holzgeländer, ein Treppenläufer aus Sisal, aufgearbeitete Holztüren - das Jugendstilhaus im Wenckebach-Kiez macht einen sehr gepflegten Eindruck.

" - "Das ist Larissa Tepas."
- "Hallo."
- "Und das ist Katja."
- "Ich brauche noch ein bisschen. Katja Schnetzke, hallo. Schuhe ausziehen?"
- "Nein, ich habe auch meine an.""

Die Highlights: Dachterrasse, Freitreppe, Parkett

Eigentümer Thorsten - er möchte nur seinen Vornamen nennen - führt durch seine geräumige Dachgeschosswohnung. 160 Quadratmeter groß, lichtdurchflutet. Ein Ankleidezimmer, zwei Bäder, davon eines mit Eckbadewanne.

"Nein, wow! Ein komplett aufschiebbares Dachfenster. Genau, und wenn man hier abends in der Badewanne sitzt bei so ´nem Wetter, ist das herrlich. - Nein, ich kriege 'ne Gänsehaut ... wie im Urlaub ... ich komme gerade aus dem Urlaub. Ich krieg richtig 'ne Gänsehaut."

Weitere Highlights sind eine kleine Terrasse, Parkettboden, ein Kamin und die Dachterrasse. Eine Freitreppe führt hinauf.

"Hier ist man halt mitten in Berlin, aber trotzdem ganz allein. Ist das ein Blick! Ist das ein Blick!"

Eine Traumwohnung, sagen Katja Schnetzke und Larissa Tepas mit Kennermiene. Bis auf das Arbeitszimmer.

" - "Uns muss es gelingen, möglichst die ganzen persönlichen Dingen so gut wie möglich zu verstecken, am besten wegbringen.""
" - "Ja, denke ich auch, also ich denke, so ein paar Bilder weghängen, Es geht ja darum, die Immobilie zu neutralisieren, dass sich eine große Zielgruppe angesprochen fühlt, dass die sich gleich zu Hause fühlen können, dass sie sich mit ihrem Stil hier einrichten können, das ist ja Sinn und Zweck des Ganzen.""

Der Hausherr ist einverstanden, er nimmt alle Vorschläge sportlich auf. Schließlich will er auch für einen guten Preis verkaufen - er baut gerade ein eigenes Haus im Speckgürtel Berlins.

"So, dann fangen wir mal an."

Zimmer für Zimmer gehen die beiden Home Stagerinnen noch einmal durch, mit einer Checkliste - was müssen sie wegräumen, reinigen, was kommt in Umzugskartons, welche Dekoration brauchen sie noch, etwa Kerzen, Kissen, Läufer?

" - "So, Schlafzimmer finde ich optimal. Das ist ganz minimalistisch. Keine persönlichen Dinge darin, keine Bilder von geliebten Menschen darin, sie ist ganz neutral.""
" - "Ein rotes Farbspiel hier, das müssen wir nochmal aufnehmen.""

Alles ist total sauber

Nach zwei Stunden haben die beiden Frauen alle Notizen und erste Fotos gemacht. Hausherr Thorsten bekommt eine Hausaufgabe: entrümpeln! Besonders im Arbeitszimmer. Es wird eine kurze Nacht - für alle.

Der nächste Morgen um halb neun. Katja Schnetzke und Larissa Tepas fahren in ihr Lager. Eine kleine Garage nur zehn Minuten von der Wohnung entfernt.

Alles ist total sauber, in Regalen liegen akkurat gestapelt:

"Verschiedenste Tagesdecken, Vorhänge, Vasen, Möbel, Sessel, Couches, Schreibtische usw. Bilder in verschiedensten Varianten, Sachen, um zu verpacken, Klarsichtfolie, durchsichtige Boxen, die wir dem Kunden da lassen, wenn er in der Immobilie noch wohnt, damit er aus dem Badezimmer alles 'reinräumen kann."

Ein Möbelfundus im Wert von 8.000 bis 10.000 Euro. Tagesdecke, Läufer, ein paar Kissen und Kerzenhalter legen die Home Stagerinnen in den Kofferraum. Im Kaufhaus besorgen sie cremefarbene und rote Handtücher (für das Farbkonzept, und weil die Frotteeware neu und plüschig aussehen muss.)

Dann eilen sie zurück. Während Eigentümer Thorsten auf der Arbeit ist, packt die Maklerin mit an und wischt die Terrasse, denn von Home Staging ist Bettina Bastgen überzeugt.

"Die Kunden können die Wohnung besser fassen, besser spüren, und auch wenn sie zurückgehen, ja und überlegen, ist viel besser als wenn man eine leere Wohnung zeigt oder eine möblierte Wohnung, wo Menschen noch wohnen, die aber noch sehr persönlich eingerichtet ist."

Im Arbeitszimmer landen jede Menge Bücher in Umzugskartons. Das Sofa wird abgerückt, dahinter gesaugt, das Regal umgestellt. In Windeseile sortieren zwei Paar Hände die Ordner, packen Kabelsalat und Krimskrams ordentlich in rote Boxen.

Katja Schnetzke und Larissa Tepas arbeiten immer im Team zusammen, haben aber ihre getrennten Firmen. Beide haben Innenarchitektur studiert und sich zum Home Stager weitergebildet.

"Ganz lustig ist auch durch unsere langjährige Zusammenarbeit, dass wir so harmonieren, dass wir wissen, das müsste zehn Zentimeter nach rechts, der eine will´s gerade sagen und der andere läuft und schiebt schon, da müssen wir zwischendurch immer wieder schmunzeln."

Katja packt Kamera und Stativ aus - sie macht Fotos. Für den "Vorher-Nachher"-Effekt, und für die Maklerin - sie will die Wohnung schon am Wochenende ins Netz stellen.

Kurz darauf dreht sich der Schlüssel im Schloss. Der Hausherr ist zurück. Amüsiert stellt Thorsten fest, dass es rumpeliger aussehe als zuvor. Wegen der vollen Umzugskartons im Flur. Doch dann ist er sehr angetan. Vor allem vom Arbeitszimmer:

" - "Toll. Also an der Stelle, da sehe ich sofort, was ihr heute geleistet habt.""
" - "Echt, an der Stelle erst?""
" - "Da steckt Arbeit drin. Das andere, da war der Aufwand händelbar. Aber das hier - das war nicht händelbar. Das ist wirklich toll.""

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