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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 10.05.2017

Kunstmäzenin Eske NannenEin Leben für die Kunsthalle Emden

Eske Nannen im Gespräch mit Katrin Heise

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Eske Nannen, Geschäftsführerin der Kunsthalle Emden, neben einem Porträt ihres verstorbenen Mannes Henri Nannen. (dpa / Carmen Jaspersen)
Eske Nannen, Geschäftsführerin der Kunsthalle Emden, neben einem Porträt ihres verstorbenen Mannes Henri Nannen. (dpa / Carmen Jaspersen)

Gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem "Stern"-Gründer Henri Nannen, hat Eske Nannen die Kunsthalle Emden aufgebaut. Seit Jahrzehnten ist sie als Geschäftsführerin für die Museumsstiftung im Einsatz. Nun, mit 75. Jahren will sie mehr und mehr in den Hintergrund treten.

Die Kunst und seine Bilder bestimmten ihr Leben. Schon als Kind kannte sie ihren späteren Ehemann und nannte ihn "Onkel Henri". Als sie ihn als Erwachsene in ihrem gemeinsamen Heimatort Emden wieder begegnete, verliebte sie sich in Stern-Gründer Henri Nannen, die Kunst und in seine Idee, Emden "Haus für meine Bilder" zu schenken.

Eine Kunsthalle mit eigenem Schiffsanleger – das gibt es in Emden. Und damit verbinden sich zwei wichtige Aspekte in Eske Nannens Leben: Gemeinsam mit ihrem Mann, dem Verleger und Stern-Gründer Henri Nannen, gründete sie 1986 die Kunsthalle Emden - und sie ist als junge Frau zur See gefahren. Der Wind, der einem bei beiden Unternehmungen ins Gesicht wehe, sei vergleichbar, erzählt die 75jährige:

"Bei Windstärke 10 über den Atlantik ist keine Freude und eine Kunsthalle über dreißig Jahre zu schiffen – da gibt es schon viele Herausforderungen."

Eines der bedeutendsten Museen des Landes

Aus der Privatsammlung Henri Nannens und einer Erweiterung durch Bilder des Münchner Galeristen Otto van de Loo ist mittlerweile eines der bedeutendsten Museen des Landes geworden und ein kultureller Leuchtturm in Niedersachsens strukturschwachen Nordwesten. Nannens Sammlung und Schenkungen anderer Mäzene machen sie zum Besuchermagneten. 

Ausstellungen mit den Werken großer Namen – Munch etwa, Nolde, Kirchner oder Chagall – gibt es dort immer wieder zu sehen. Besonders aber die angegliederte Malschule, in der schon Zweijährige werkeln und malen können, liegt Eske Nannen am Herzen:

"Die Geschichte beginnt in Berlin. Damals habe ich in Berlin gelebt und mein Sohn, sieben oder acht Jahre alt, malte immer. Wenn wir unterwegs waren und er ein Erlebnis hatte, setzte er sich hin und malte etwas. Das muss man doch fördern, dachte ich, wie Eltern so denken. Und so bin ich in die Nationalgalerie gegangen, damals war das noch Honisch, und habe gefragt: Kann man hier nicht Kurse für Kinder machen. Das sei eine großartige Idee, sagte er, das können wir machen, aber dann kamen die deutschen Formalien, kleine Klöchen, kleine Waschbecken – daran ist es dann letztendlich gescheitert, an den Finanzen. (…) Und als ich dann zurück nach Emden ging, war gleich der Wunsch da: Dann kann ich ja so eine Kunstschule für Kinder in Emden machen."

"Der deutsche Bettelorden"

Mehrere Millionen Euro hat Eske Nannen seit dem Tod ihres Mannes 1996 für die Kunsthalle Emden zusammen gesammelt – ganz in der Tradition von Henri Nannens berüchtigten "Bettelbriefen":

"Eines Tages bekam ich einen Anruf vom Deutschen Fundraising Verband: Man hätte gehört, ich sei da sehr erfolgreich und wollte prüfen, ob ich auch tatsächlich arbeite oder ob das andere für mich machen. Aber die Prüfung habe ich bestanden (…) und dann kriegte ich sehr feierlich den Preis des Deutschen Fundraising Verbands überreicht – den deutschen Bettelorden, wie wir es abgekürzt nennen."

Seit sie sich kürzlich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hat, kann Eske Nannen auch einem ihrer liebsten Hobbies nachgehen: Dem Reisen. Mit Mitte zwanzig heuerte die ausgebildete Industriekauffrau auf einem Schiff an und fuhr als Zahlmeisterin durch die Weltmeere.

Dem verwunderten Ausruf einer Berliner Taxifahrerin, wie man nur in einer Kleinstadt wie Emden leben könne, setzt die Ostfriesin dann auch eine energische Antwort entgegen: "In Emden kann man wunderbar leben! Es kommt auch immer darauf an, wo man seinen Mittelpunkt hat. Und ich reise ja sehr viel. Ich könnte mir nicht vorstellen, 365 Tage im Jahr dort am Fleck zu sein, aber durch die ganzen Eindrücke, weil ich viel unterwegs bin, die Leute, die ich kenne: Da kann man wunderbar leben."

Hören Sie hier das Gespräch in voller Länge:

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