Fazit 18.11.2019

Kunsthandel-SkandalDas große Schweigen um den Fälscher Heinz MackCarsten Probst im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

Beitrag hören Der Zero-Künstler Heinz Mack sitzt am 29.02.2016 in Mönchengladbach (Nordrhein-Westfalen) vor einem Gemälde.  (picture alliance / dpa / Oliver Berg)Aus Geldnot soll der weltberühmte Künstler Heinz Mack Werke gefälscht haben. (picture alliance / dpa / Oliver Berg)

1984 brannte das Atelier von Heinz Mack nieder - mit ihm ein Teil seiner privaten Kunstsammlung. Trotzdem hat er versucht, sie im Anschluss zu verkaufen. Offensichtlich hat er selbst beschädigte Werke "repariert". Das tritt nun zutage - und auch, wer davon wusste.

1984 hat Heinz Mack mit berühmten Künstlern wie Yves Klein, Lucio Fontana oder Piero Manzoni immer wieder Werke getauscht. Doch ein kleiner Kreis weiß schon länger, dass Mack nach seinem Atelier-Brand versucht hat, seine private Sammlung zu verkaufen, weil er Geld brauchte.

"Ein noch kleinerer Kreis wusste, dass diese Werke teilweise oder vollständig bei diesem Brand beschädigt worden waren, er sie darauf selbst ausgebessert hat, sozusagen repariert hat, um sie noch verkaufen zu können", sagt der Kunstkritiker Carsten Probst. Damit sei Mack aber schon damals auf die Nase gefallen. Heute versichere sein Anwalt, dass Mack daraufhin, in den 80er-Jahren, alle Werke zurückgenommen, zerstört und das alles auch filmisch dokumentiert hätte.

Wie sich die Wahrheit ihren Weg bahnt

"Aber bei dieser letzten Angabe kann man sich eben doch schon nicht mehr so sicher sein, weil danach doch noch Werke auf dem Markt aufgetaucht sind", erklärt Probst, "zum Beispiel eine zertrümmerte Geige des Künstlers Arman, die Mack in seiner Weise wieder arrangiert, aber ebene auch als Werk Armans ausgegeben hatte. Das berichtet auch der Galerist Rudolph Zwirner, der das Werk damals verkaufen wollte, dann auf einer Messe auf Arman traf, der wiederum sagte: Dieses Werk habe ich gar nicht gemacht.'"

Nun haben Journalisten des Kölner Stadtanzeiger noch einmal nachgebohrt. "Vielleicht, weil wir heute bei solchen Fragen sensibler sind als noch vor 20 Jahren", meint Probst. Außerdem ist die Biografie von Helge Achenbach kürzlich erschienen. "Da wird eigentlich fast nichts enthüllt", sagt Probst. Aber im Nachhinein habe es Gerüchte gegeben, dass Achenbach doch eigentlich viel mehr wissen müsste, so vernetzt, wie er ist. Und so war es auch.

Der Geruch frischer Farbe

Jetzt hat die Welt-Journalistin Swantje Karich noch einmal mit Achenbach gesprochen und es hat sich bestätigt: Bei einem Kurator, einer Koryphäe seines Fachs, habe sich schnell herausgestellt, dass die Arbeiten nach frischer Farbe rochen. Daraufhin hätte Achenbach die Bilder zurückgegeben, die Mack anstandslos zurückgenommen habe.

Rudolph Zwirner sagt, der Markt sei möglicherweise kaputt für diese Künstler aus dieser Sammlung. "Aber gerade das", meint Probst, "macht es ja so unverständlich, dass Zwirner damals geschwiegen hat.

Die Düsseldorfer Künstlergruppe Zero
- 1958 von Heinz Mack und Otto Piene offiziell gegründet
- 1961 kam Günther Uecker dazu
- bemühte sich um eine Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg ohne "Ballast"

(mfied)

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