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Fazit | Beitrag vom 27.03.2021

Kunst zwischen Besitz und EigentumOhne Austausch keine Kunstwerke

Franciska Zólyom im Gespräch mit Eckhard Roelcke

Ein Gemälde zeigt einen Mann, der verlassen in einer bergigen Wüstenlandschaft steht. (Courtesy of the artist)
Johanna Kandl interessiert sich für die Materialien, die nötig sind, um ein Gemälde anfertigen zu können. Ihre Recherche hat sie künstlerisch verarbeitet. (Courtesy of the artist)

Ein Kunstwerk wird in der Regel einem Künstler zugeschrieben. Dass dabei vielfältige Prozesse der Zusammenarbeit ausgeblendet werden, macht eine Ausstellung der Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig sichtbar.

Eigentumsfragen rund um ein Kunstwerk sind eine komplexe Angelegenheit. Die materialisierte Idee der Künstlerin oder des Künstlers, also die bemalte Leinwand beispielsweise, kann man erwerben, besitzen und ausstellen. Man bestimmt also, wer das Gemälde unter welchen Bedingungen sehen darf.

Doch die Idee selbst, die in diesem Bild steckt, kann man nicht besitzen. Die gehört weiter dem Künstler. Das bedeutet auch, dass man das Werk nicht verändern kann. Das sagt Franciska Zólyom. Sie ist Direktorin der Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig. Um dieses Spannungsfeld geht es in der Ausstellung "Vom Haben und Teilen – Wem gehört die Sammlung?".

Prozess der Zusammenarbeit wird ausgeblendet

Dass wir ein Kunstwerk einer Person zuschreiben und "dass Autorschaft so eine wichtige Rolle spielt", habe mit dem heutigen Kunstbetrieb zu tun, erklärt Zólyom. Dabei würden sämtliche Prozesse der Zusammenarbeit, die ebenfalls in einem Kunstwerk steckten, ausgeblendet. Doch zeitgenössische Kunstschaffende wie Johanna und Helmut Kandl thematisierten genau diese Prozesse.
 
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Das Paar richtet den Blick auf die Geschichten von Menschen, Handelsbeziehungen und Kolonialisierung, die in die Produktion von Kunst eingeschrieben sind. Das tun die beiden, indem sie sich die Materialien ansehen, die für die Malerei nötig sind.

Dafür sind sie um die Welt an Orte gereist, wo Pigmente und Werkstoffe gewonnen werden und wo Leinen angebaut wird. In ihrer künstlerischen Arbeit thematisieren sie die Arbeitsbedingungen der – weit im Vorfeld – an der Kunst beteiligten Menschen und damit auch den Zugang zu Ressourcen. 

Raub als ein Ursprung des Sammelns

"Wie kommt eine Haltung zustande, die uns erlaubt, Rohstoffe als etwas Besitzbares und etwas, womit wir handeln können, zu begreifen? Wenn man Malerei oder künstlerische Arbeit in diese Perspektive stellt, wird schnell deutlich, dass der Zugriff auf Dinge, auf Wissen, auf Herstellungsverfahren, auf Materialien auch ganz stark abhängig ist davon, in welcher Position man ist."

Denkt man das weiter, so Zólyom, kann man zeigen, "dass Sammeln an und für sich auch einen Ursprung in Aneignung oder Enteignung oder Raub hat".

(ckr)

Die Ausstellung "Vom Haben und Teilen – Wem gehört die Sammlung?" ist bis zum 27. Februar 2022 in der Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig zu sehen.

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