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Studio 9 | Beitrag vom 17.08.2019

Kunst gegen den US-PräsidentenWie New Yorker Kreative gegen Trump protestieren

Von Antje Passenheim

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Alte Textilien liegen ausgebreitet nebeneinander, auf die die Künstlerin Diane Weymar verstörende Aussagen von Präsident Donald Trump gestickt hat. "Tiny Pricks", auf deutsch "Kleine Stiche", heißt die Arbeit. (AFP/ Eduardo Munoz Alvarez)
Die Künstlerin Diane Weymar stickt verstörende Aussagen von Präsident Donald Trump auf alte Textilien. "Tiny Pricks" (dt. "Kleine Stiche") heißt die Arbeit. (AFP/ Eduardo Munoz Alvarez)

Grob und unflätig stichelt Amerikas Präsident auf Twitter. Damit wird er zur Inspirationsquelle: Seine schlimmsten Sprüche stickt die Künstlerin Diane Weymar auf alte Lappen. Ein anderer Künstler protestiert mit einer aufblasbaren Ratte.

Über 300.000 New Yorker Bürgerinnen und Bürger haben eine Petition unterzeichnet. Sie wollen, dass der Trump Tower künftig seinen Platz in der Barack H. Obama Avenue findet. Denn so möchten sie das Stück der 5th Avenue umbenennen, auf dem der schwarz-glänzende Turm des Präsidenten steht.

Mit solchen Kunstgriffen piesaken die New Yorker den US-Präsidenten gern. Diane Weymar macht es lieber mit Nadelstichen. Die Künstlerin stickt gegen Trump.

Diane stickt nicht irgendwas. Sie stickt Trump-Zitate. Die schlimmsten, wie sie sagt:

"Ich wurde 2018 durch dieses Trump-Zitat inspiriert:

'Ich bin durchweg ein Genie'."

Die Stichelei kam auf einen Putzlappen ihrer Oma. Und dann auf Instagram. Diane Weymar bekam Applaus aus aller Welt. Menschen schickten ihr eigene Fotos und Vorschläge. An Material mangelt es ihr nicht.

Diane Weymar: "Ich nehme immer die aktuellsten Zitate und sticke sie so schnell ich kann."

Fast täglich kommen welche dazu: Ihre bestickten Kissen, Tücher, Unterwäsche stellt Diane Weymar in einer Boutique im Westvillage aus. Der Zahl der Follower von ihrem TinyPricksProject auf Instagram wächst. Bis zur Präsidentschaftswahl 2020 will sie ebenso viele Stickereien fertig haben. Und entlang der Wahlkampfstrecke ausstellen.

Von 'Pussy' bis zum 'Rattenloch', wie Trump erst kürzlich die Ostküstenstadt Baltimore benannte. Dabei schwebt der Präsident selbst gelegentlich als Ratte durch New York. Und muss sich auspfeifen lassen.

Fünf Meter groß ist der aufblasbare Nager – und immer mal wieder da, wo ihn niemand vermutet. Mit Vorliebe aber in der Nähe des Trump Towers. Galerist John Post Lee hatte sich inspirieren lassen – von den großen schwarzen Ratten, die Gewerkschaften in den USA aus Protest gern vor den Sitzen von Unternehmen platzieren. "Ich mache auch so eine Ratte. Und zwar eine mit dem Gesicht von Donald Trump", sagte er sich.

Und er gab sie in Auftrag: Die Nagerkopie des Präsidenten – mit viel Luft im Kopf.

"Hohn stellt die Moral wieder her. Solche Denkanstöße können helfen, die Welt zu verändern."

Donald Trump hat die Ratte bislang erfolgreich umschifft, wenn er in seine Heimat kam.

Auch vor den Liedern des Resistance Revival Chorus dürfte der Mann im Weißen Haus seine Ohren verschließen. 60 weibliche Stimmen, die gegen die Diskriminierung von Frauen ansingen. Und der Überzeugung sind, dass ihre Kunst die Bewegung stärker macht.

Doch auch das Schweigen kann eine Kunst sein. So warb das beliebte New York Magazin kürzlich in einer Ausgabe damit: Ein ganzes Heft ohne eine einzige Trump-Story.

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