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Im Gespräch | Beitrag vom 18.09.2019

Kulturstaatsministerin Monika Grütters"Ich brenne für das Museum der Moderne"

Moderation: Katrin Heise

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Kulturstaatsministerin Monika Grütters posiert in ihrem Büro im Bundeskanzleramt. (Picture Alliance / dpa / Bernd von Jutrczenka)
Monika Grütters (CDU), Staatsministerin für Kultur und Medien verteidigt die erhöhten Baukosten für das Museum der Moderne in Berlin. (Picture Alliance / dpa / Bernd von Jutrczenka)

Sie habe den "schönsten Job der Welt", sagt Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Ob Humboldtforum oder das Museum der Moderne – sie brennt für die Kultur. Mit ihren Projekten gerät die CDU-Politikerin aber immer wieder in die Schlagzeilen.

Dass sie eines Tages in der Berliner Politik landen würde, hat Monika Grütters vermutlich nicht gedacht. In Bonn, wo sie Germanistik, Kunstgeschichte und Politik studierte, deutete nichts darauf hin. Sie arbeitete erst an der Bonner Oper, später im Verlagswesen und ab 1989 in einem Berliner Museum. Bereits mit 16 Jahren trat sie in die CDU ein, in Münster, wo  sie 1962 geboren wurde. Der Partei ist sie durch alle turbulenten Zeiten hindurch treu geblieben. Als Frau war das, vor allem später in Berlin, nicht immer  einfach.

"In meinem beruflichen Umfeld habe ich dann gelernt, dass Frau sein in manchen Milieus eine besondere Herausforderung ist. Das gilt auch immer noch für die Politik und die Union… Ich  selber habe diesen einen Satz verinnerlicht, der sagt: Eine Frau, die so  gut sein will wie ein Mann, hat einfach nicht genug Ehrgeiz. Will sagen, als Frau musst du immer noch das kleine Plus Extra geben, um in der Wahrnehmung draußen als gleichwertig anzukommen."

Orientierung im Glauben

Monika Grütters ist die älteste von fünf Geschwistern. Der Familienzusammenhalt war und ist nach wie vor stark. Das Engagement ihrer Eltern – Vater Arzt, Mutter in der katholischen Ehe- und Familienberatung – hat sie stark beeinflusst wie auch ihre Schulzeit in einer katholischen Mädchenschule.

"Wir haben wirklich eine stark sozialchristliche Haltung erlebt und mich prägt das bis heute, mich hat das immer beeindruckt. Ich bin auch aktiv im Zentralkomitee der deutschen Katholiken, weil mir die katholische, die unaufgeregt katholische Art, die ich mitbekommen habe, sehr viel Orientierung im Leben gibt und ich das anderen Menschen auch wünsche."

Allerdings: die Verfehlungen der katholischen Kirche haben auch sie stark beschäftigt. Grütters ist in einer Arbeitsgruppe, die versucht, Erfahrungen aus dem Missbrauchsskandal der Kirche zu ziehen.

 "Was heißt das für die Kirche heute, wie müssen wir uns neu aufstellen?" fragt sie und führt aus: "Da haben wir einige Felder gefunden, die wir gemeinsam bearbeiten müssen: die Sexualmoral oder Machtverhältnisse in der Kirche, Umgang mit dem Zölibat und natürlich die Rolle der Frau. Und das letzte ist wirklich ein ganz schwieriges Thema. Ich glaube, wir kommen nicht mehr weiter, wenn wir nicht Frauen genauso einbeziehen. Fünfzig Prozent in der Gesellschaft kann man nicht ausschließen."

Debatte um das Museum der Moderne

Seit 2013 bekleidet Grütters das Amt der Kulturstaatsministerin und arbeitet im 8. Stock des Bundeskanzleramtes. Aus ihrem Fenster kann sie in der Ferne das entstehende Humboldt-Forum sehen, eines ihrer großen Projekte. Die Debatte über die koloniale Vergangenheit wirft schon lange ihre Schatten voraus. Ab November erfolgt die schrittweise Eröffnung des Humboldt-Forums.

Dieser Tage ist das Museum der Moderne am Berliner Kulturforum wegen seiner explodierenden Kosten erneut in die Diskussion geraten. Grütters hat keinen Moment daran gezweifelt, dass der geplante Bau verwirklicht werden muss. "Ich brenne für dieses Projekt", sagt sie. Denn die seit zwanzig Jahren währende Debatte um die Erweiterung der Berliner Nationalgalerie werde zu Recht geführt.

"Das 20. Jahrhundert mit all seinen Brüchen, dem Ersten Weltkrieg und Zweiten, den goldenen, aber wilden Zwanziger Jahren, der deutschen Teilung, den doppelten Kulturproduktionen – all das ist ein ganz typisches, deutsches kunstgeschichtliches Jahrhundert. Diese Geschichte spiegelt sich auch in der Kunstproduktion, und es wird weltweit beachtet. Und ausgerechnet in dieser Zeit können wir in dem spektakulären Bau von Mies van der Rohe aus den 60er Jahren gerademal 20, 25 Prozent unserer Bestände zeigen. Das finde ich in einer Weise unangemessen und auch bitter, dass es schon seit langen Jahren klar ist, wir brauchen eine Erweiterung der Neuen Nationalgalerie."

Im nächsten Jahr freut sich die musikbegeisterte Kulturstaatsministerin auf das  Beethovenjahr. Wenn sie nur die Werke eines einzigen Komponisten mit auf die berühmte einsame Insel nehmen dürfte – dann wären es die von Ludwig van Beethoven.

(svs)

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