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Donnerstag, 26.11.2020
 
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Kulturnachrichten

Mittwoch, 14. Oktober 2020

Fotograf Chris Killip ist tot

Der Fotograf Chris Killip ist nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh) im Alter von 74 Jahren in der Nacht zum Mittwoch in Cambridge (USA) gestorben. Die Gesellschaft wurde nach eigenen Angaben von Killips Familie informiert, da der britischstämmige Fotograf dieses Jahr mit dem Dr.-Erich-Salomon-Preis geehrt werden sollte. Die DGPh will Killip nun posthum auszeichnen. Mit Chris Killip verliere die Welt einen sehr engagierten und renommierten Fotografen, "der mit seinen umfangreichen Bildreihen unseren Blick auf Großbritannien erweitert und bereichert hat", so die DGPh. "Seine Arbeit galt den Menschen in schwierigen Lebenssituationen und war geprägt durch große Empathie, Einfühlungsvermögen und Nähe." Killip startete 1969 als freiberuflicher Fotograf und lehrte von 1991 bis 2017 an der renommierten Harvard Universität in Cambridge (Massachusetts).

Oderbruch-Projekt für Europa-Kulturerbe vorgeschlagen

Das Oderbruch in Brandenburg soll nach dem Willen der Kulturminister das Europäische Kulturerbe-Siegel erhalten. Die Ressortchefs der Länder schlugen das Projekt "Das Oderbruch - Menschen machen Landschaft" einer Arbeitsgemeinschaft von 20 Kommunen am Mittwoch als eine von zwei Initiativen für diese Auszeichnung vor, wie die Kulturministerkonferenz mitteilte. Die Region präsentiert sich darin als grenzübergreifende Landschaft und größter besiedelter Flusspolder Europas mit gut erhaltenen Baudenkmalen in Fischer- und Kolonisten-Dörfern. Die Bewerbung geht nun an die EU-Kommission. Die Kulturminister nominierten außerdem Fulda und den Petersberg in Hessen als Orte der karolingischen Bildungsreform für das Europäische Kulturerbe-Siegel.

Streit um Schröders "Reformationsfenster"

Der Rechtsstreit um das "Reformationsfenster", das Altbundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) der Marktkirche in Hannover stiften will, geht in die entscheidende Phase. Das Landgericht Hannover hat für den 21. Oktober einen Ortstermin in der mittelalterlichen Backsteinkirche angesetzt. Es gehe darum, sich einen Eindruck vom künstlerischen Gesamtbild der Kirche zu verschaffen, sagte ein Gerichtssprecher. Schröder will der Kirche das 13 Meter hohe Buntglasfenster als Ehrenbürger von Hannover schenken. Der Künstler Markus Lüpertz hat dafür einen Entwurf mit Motiven aus der Reformation gefertigt. Die Kosten für Material, Herstellung und Einbau des Fensters werden auf rund 150.000 Euro geschätzt. Gegen den Einbau hatte ein Erbe des Kirchen-Architekten Dieter Oesterlen (1911-1994) Klage beim Landgericht eingereicht. Er ist der Ansicht, das moderne Fenster passe nicht ins Innere der gotisch geprägten Kirche.

Afrikanische Aktivisten in Paris verurteilt

Drei afrikanische Aktivisten sind wegen einer Aktion gegen Kolonialismus in einem französischen Museum zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Ein Pariser Gericht befand sie des versuchten Diebstahls schuldig, weil sie bei ihrer Aktion im Museum Quai Branly für außereuropäische Kunst einen hölzernen afrikanischen Begräbnispfahl aus dem 19. Jahrhundert von seinem Platz genommen und versucht hatten, ihn hinauszutragen. Die Aktion im Juni wurde direkt im Internet übertragen. Einer der Aktivisten, Emery Mwazulu Diyabanza, hielt dabei eine Rede über geraubte afrikanische Kunst. Das Gericht blieb mit einer Strafe von 2.000 Euro deutlich unter der möglichen Höchststrafe von zehn Jahren Gefängnis und 150.000 Euro Geldstrafe. Diyabanza hat ähnliche Aktionen auch in Marseille und den Niederlanden ausgeführt. Er wirft europäischen Museen vor, Millionen mit Kunst zu verdienen, die aus Ländern wie seinem Heimatland Kongo stammen.

Bayerischer Fernsehpreis verliehen

Aylin Tezel und Felix Klare sind beim Bayerischen Fernsehpreis als beste Darsteller geehrt worden. Tezel wurde für ihre Rolle in dem ARD-Zweiteiler "Der Club der singenden Metzger" geehrt, Klare überzeugte die Jury als Vater im ARD-Drama "Weil du mir gehörst". Nachdem die im Mai geplante Gala wegen der Corona-Pandemie abgesagt worden war, wurde die Preisverleihung nun am Mittwoch im kleinen Rahmen in der Münchner Residenz gefeiert. Thilo Mischke wurde geehrt für seine ProSieben-Reportage "Deutsche an der ISIS-Front" über Menschen, die für die Terrormiliz Islamischer Staat in den Krieg ziehen. Den Nachwuchspreis bekam Emma Bading ("Play"). Die Moderatorin Carolin Reiber hatte ihren Ehrenpreis bereits am Dienstag von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) erhalten.

Schwetzinger Festspiele finden statt

Nach der Absage der Donaueschinger Musiktage werden die Schwetzinger Festspiele dennoch stattfinden. "Es gibt derzeit nirgendwo in Deutschland eine behördliche Allgemeinverfügung, die ein Verbot von Veranstaltungen dieser Größe vorsieht", sagte die künstlerische Leiterin der Festspiele, Heike Hoffmann, am Mittwoch im Deutschlandfunk Kultur. Überall fänden Konzerte mit ausgefeilten Hygienekonzepten statt, selbst an Orten mit relativ hohen Corona-Fallzahlen. Auch in Schwetzingen würden alle Abstands- und Hygieneregeln eingehalten, zudem müssten Kunstschaffende aus Risikogebieten einen negativen Corona-Test vorweisen. Das Publikum komme vorwiegend aus der Region. Das Festival, das eigentlich schon im Frühjahr stattfinden sollte, wird von vier auf zwei Wochen verkürzt. Sie sei froh, dass nun elf Konzerte nachgeholt würden, darunter ein Beethoven-Zyklus der Akademie für Alte Musik, so Hoffmann.

Bundeskabinett billigt Jugendmedienschutzgesetz

Kinder und Jugendliche sollen im Internet künftig besser vor Gefahren wie Mobbing, sexueller Belästigung und Kostenfallen geschützt sein. Das sieht der Gesetzentwurf von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) vor, den das Bundeskabinett am Mittwoch gebilligt hat. Die derzeitigen Bestimmungen stammten noch aus dem Jahr 2002, sagte Giffey in Berlin. Das sei die Zeit von CD-ROMs und Videokassette gewesen, als es weder Facebook, noch Instagram, Tiktok oder WhatsApp gegeben habe. Für Angebote im Netz soll es mit der Neuregelung einheitliche Alterskennzeichen geben. Zudem werden die Anbieter im Internet verpflichtet, Voreinstellungen einzurichten, die Kinder und Jugendliche insbesondere vor Interaktionsrisiken schützen. Die bereits bestehende "Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien" soll zur "Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz" weiterentwickelt werden.

Kinderopernhaus Berlin erhält Klassikpreis

Das Kinderopernhaus Berlin erhält am Sonntag den Preis "Opus Klassik" in der Kategorie Nachwuchsförderung. Das teilte der Berlin Bezirk Lichtenberg mit. Der Preis für klassische Musik wird von Musikverlagen und Veranstaltern vergeben. Das Kinderopernhaus hat in den vergangenen zehn Jahren allein in Lichtenberg zusammen mit rund 500 Grundschulkindern Aufführungen inszeniert und sie dadurch mit klassischer Musik vertraut gemacht. Das Projekt begann mit einer Kooperation der Berliner Caritas mit dem Bezirk und der Staatsoper Unter den Linden. Jetzt gibt es das Kinderopernhaus in sechs weiteren Berliner Bezirken mit insgesamt 17 Partnern. Lichtenbergs Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Linke) würdigte es als große Leistung, Kindern "eine Kunstform näher zu bringen, die von vielen als schwer zugänglich und gar elitär wahrgenommen wird".

Beethoven-Tour von Barenboim abgesagt

Die Staatskapelle Berlin und ihr Chefdirigent Daniel Barenboim haben ihre für November geplante Tour durch Europa coronabedingt abgesagt. Es habe sich gezeigt, dass die vom 6. bis 22. November geplante Tournee nach Paris, Athen und Wien nicht möglich sei, hieß es in einer Mitteilung der Staatsoper Unter den Linden vom Mittwoch. Grund sei auch die "komplexe Situation mit Reisen in drei Staaten, mit jeweils unterschiedlichen Reise- und Quarantäneregelungen". Geplant waren Konzerte mit einem Beethovenzyklus im Jubiläumsjahr zum 250. Geburtstag des Komponisten. Die Konzerte sollen nach Möglichkeit an den jeweiligen Orten nachgeholt werden. "Im Moment setzen wir alles daran, in Berlin weiterhin so viel Kultur wie möglich für unser Publikum realisieren zu können", hieß es.

Dekan verteidigt Entfernung der Könige aus der Krippe

Der Dekan des evangelischen Kirchenbezirks Ulm, Ernst-Wilhelm Gohl, hat die Entscheidung der Ulmer Münstergemeinde verteidigt, die "Heiligen Drei Könige" in diesem Jahr nicht in der Weihnachtskrippe auszustellen. Die Figur des schwarzhäutigen Melchior sei "voller Klischees und grotesk überzeichnet", teilte Gohl am Mittwoch mit. Angesichts der gesellschaftlichen Debatte um Rassismus habe man sich deshalb gegen die Aufstellung entschieden. Dass der Beschluss, den schwarzen König zu entfernen, nun selbst rassistisch sei, weist Gohl zurück. "Natürlich soll, darf und muss es schwarze Menschen an der Krippe geben", schreibt er. Nur sollte eine Figur nicht so klischeehaft dargestellt werden. Während in einem Museum Kunstwerke mit Distanz betrachtet würden, solle eine Krippe in der Kirche zur Meditation und dem Lob Gottes anleiten.

Schwedische Akademie wieder vollzählig

Die Schwedische Akademie, die den Literaturnobelpreis vergibt, hat zwei neue Mitglieder aufgenommen. Damit werden die verbleibenden offenen Stellen in dem 18-köpfigen Gremium nach jahrelangen Kontroversen besetzt. Ausgewählt wurden die Autorin und Journalistin Ingrid Carlberg und der Schriftsteller, Kritiker und Übersetzer Steve Sem-Sandberg. Die Akademie war 2018 Jahr in eine Krise gestürzt. Der Skandal, der für mehrere Rücktritte gesorgt hatte, drehte sich um das damalige und inzwischen ausgetretene Mitglied Katarina Frostenson und ihren wegen Vergewaltigung verurteilten Mann Jean-Claude Arnault. Ihm war außerdem vorgeworfen worden, die Gewinner des Literaturnobelpreises vorab ausgeplaudert haben.

New Yorker Philharmoniker starten erst Mitte 2021

Nach der Metropolitan Opera haben auch die Philharmoniker in New York aufgrund der Coronavirus-Pandemie ihre komplette Saison abgesagt. Nach eigenen Angaben sollen nach Absprache mit Gesundheitsexperten bis einschließlich Mitte Juni 2021 keine regulären Konzerte stattfinden. Es sei das erste Mal in der fast 180-jährigen Geschichte des Orchesters, dass eine gesamte Saison abgesagt worden sei. Die Konzerthalle der Philharmoniker in Manhattan ist aufgrund der Pandemie seit März geschlossen.

Die Frankfurter Buchmesse ist eröffnet

Mit einem virtuellen Festakt ohne Publikum hat die Frankfurter Buchmesse begonnen, die bis Sonntag komplett digital unter dem Motto "Signals of Hope" stattfindet. Gastland ist Kanada. Regierungschef Trudeau erklärte in einer Videobotschaft, Bücher seien eine große Stütze, um den harten gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie zu entfliehen. Kulturstaatsministerin Grütters sagte, Lesen bewahre vor der Enge des Denkens und Wahrnehmens und davor, die eigene Weltsicht für das Maß aller Dinge zu halten. Lesen schütze vor Dogmatismus und Fanatismus und damit vor demokratiezersetzenden Giften, die der Zersplitterung pluralistischer Gesellschaften Vorschub leisteten.

Gesetzentwurf für neues Urheberrecht vorgelegt

Das Bundesjustizministerium hat einen Gesetzentwurf zur Umsetzung der EU-Urheberrechtsreform vorgelegt. Das Gesetz soll Nutzerrechte und Vergütungsansprüche der Urheber auf Upload-Plattformen wie etwa YouTube regeln, wo Nutzer eigene Inhalte, beispielsweise Videos, hochladen können. Die Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke zu den Zwecken der Karikatur oder der Parodie werde erlaubt, heißt es. Künftig sollten zudem Verwertungsgesellschaften kollektive Lizenzen für die öffentliche Wiedergabe urheberrechtlich geschützter Werke vergeben. Die EU-Richtlinien zum Urheberrecht sollen bis Sommer 2021 in deutsches Recht umgesetzt werden. Kritiker von Uploadfiltern warnen vor Zensur, weil die Filter auch legale Inhalte blockieren könnten.

Wuppertal kauft Bilder von Jankel Adler

Das Von-der-Heydt-Museum in Wuppertal hat eine umfangreiche Werksammlung des polnisch-jüdischen Malers Jankel Adler gekauft. Der Neuzugang umfasst 548 Grafiken und vier Gemälde, überwiegend aus dem Nachlass Adlers. Mit Arbeiten aus den 1920er Jahren, seiner Zeit in Paris und bis später im Exil in England erweitert das Wuppertaler Museum sein Konvolut. Nun soll es einen neuen Schwerpunkt der Sammlung schaffen. Jankel Adler war in den 20er Jahren in der rheinischen Kunstszene unterwegs. Viele seiner Werke wurden von den Nazis beschlagnahmt und zerstört. Adler starb 1949 in Großbritannien.

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