Seit 05:50 Uhr Aus den Feuilletons
Donnerstag, 26.11.2020
 
Seit 05:50 Uhr Aus den Feuilletons

Kulturnachrichten

Sonntag, 11. Oktober 2020

Kolumbus-Statue in Mexiko-Stadt abgebaut

Angesichts drohender Proteste gegen die Verherrlichung des kolonialen Erbes ist in Mexiko-Stadt eine Statue von Christoph Kolumbus abgebaut worden. Linke Gruppen hatten damit gedroht, die Figur des Seefahrers morgen vom Sockel zu stoßen. Am 12. Oktober wird in zahlreichen Ländern an die Ankunft von Kolumbus in Amerika im Jahr 1492 erinnert. Bürgermeisterin Sheinbaum plädierte für eine Debatte darüber, ob die Figur überhaupt wieder aufgestellt werden sollte. Zuletzt hatte es in den USA immer wieder Proteste gegen die Statuen von Sklavenhaltern und Generälen der Südstaaten gegeben. Auch in Europa wird zunehmend kritisch über den Umgang mit dem kolonialen Erbe diskutiert.

Klavierduo gewinnt beim Festival "Verfemte Musik"

Das litauische Klavierduo, die Zwillingsschwestern Auguste und Ieva Petkunaite, haben den mit 5.000 dotierten Hauptpreis des Internationalen Wettbewerbs "Verfemte Musik" in Schwerin gewonnen. Der zweite Platz ging an die österreichische Mezzosopranistin Franziska Weber und ihren chilenischen Partner, den Pianisten Clemente Prudencio. Das südamerikanische Duo Valli Gervasio Tarragona und Sergio Escalera Soria errang den dritten Preis. 70 junge Musiker aus 18 Nationen Europas, Asiens und Amerikas hatten sich an dem Wettbewerb beteiligt. Dabei wurden die besten Interpretationen von Musik gesucht, deren Komponisten in der NS-Zeit verboten, verfolgt und ermordet wurden. Der Wettbewerb war Teil der diesjährigen Veranstaltungsreihe "Verfemte Musik" in Schwerin, die noch bis zum 28. Oktober läuft.

Opernkonferenz fordert Mindestbelegung der Häuser

Die Deutschsprachige Opernkonferenz hat zum Abschluss ihrer Herbsttagung in Frankfurt/Main eine bundesweit einheitliche Regelung für die Belegung von Zuschauerräumen zu mindestens 50% gefordert. Den Häusern sei es durch sorgfältige Umsetzung der Hygienevorschriften gelungen, dem Publikum den Zuschauerraum als sehr sicheren Ort im öffentlichen Raum zu vermitteln. Die Reaktionen des Opernpublikums seien bisher überwiegend positiv. Für die gesamte Kulturszene, für freie wie abhängig beschäftigte Künstlerinnen und Künstler und für die Gesellschaft als solche sei es wichtig, dass die etablierten Opernhäuser und Theater weiter spielten und sich damit als demokratierelevant erwiesen. Deshalb sollte auch das Gemeinwesen Interesse an diesem Thema haben. Die Deutschsprachige Opernkonferenz versammelt die Intendanten, Geschäftsführer und Operndirektoren der 13 größten Opernhäuser Deutschlands, Österreichs und der Schweiz.

Schriftsteller Yang Hengjun wird in China angeklagt

Der australische Schriftsteller Yang Hengjun wird knapp zwei Jahre nach seiner Festnahme in China nun offiziell angeklagt werden. Das teilte die australische Regierung mit. Die Anklagepunkte würden von den chinesischen Behörden noch bekannt gegeben. Der gebürtige Chinese Hengjun, der seit 2002 die australische Staatsbürgerschaft besitzt, gilt als Kritiker der kommunistischen Führung in seiner ehemaligen Heimat. Er war im Januar 2019 mit Frau und Kind von New York nach Guangzhou in den Süden Chinas gereist und nach seiner Ankunft verschwunden. Später wurde bekannt, dass er in einem chinesischen Gefängnis sitzt. In früheren Medienberichten wurde spekuliert, dass die chinesische Führung Hengjun Spionage vorwerfe.

Deniz Ohde erhält "aspekte"-Literaturpreis 2020

Für ihr Debüt "Streulicht" bekommt die Schriftstellerin Deniz Ohde den ZDF-"aspekte"-Literaturpreis. "Mit stillen und leisen Sätzen und langen nachklingenden Bildern entwickelt Deniz Ohde in ihrem Roman 'Streulicht' das Bild einer Gesellschaftsschicht, aus der es kein Entrinnen gibt", heißt es in der Begründung der Jury. "Scharfsichtig, feinsinnig und ohne Werturteile zu fällen", lege Ohde "Schicht für Schicht einen wenig beachteten Teil unserer Gesellschaft frei, der so noch nicht betrachtet worden ist". Der mit 10 000 Euro dotierte "aspekte"-Literaturpreis wird in diesem Jahr zum 41. Mal verliehen. Ohde beschreibt in ihrem Buch das Milieu der sogenannten bildungsfernen Schichten. Der Roman sei ein zärtliches Porträt über eine dysfunktionale Familie und ein Bildungsroman über das Versagen des Bildungssystems. Ohde steht mit ihrem ersten Roman auch auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2020.

Autorin Ines Geipel mit Lessing-Preis geehrt

Die Schriftstellerin und frühere DDR-Leistungssportlerin Ines Geipel ist mit dem Lessing-Preis für Kritik geehrt worden. Die Auszeichnung ist mit 15.000 Euro dotiert. Ein mit 5.000 Euro dotierter Förderpreis ging auf Vorschlag Geipels an drei junge russische Forscherinnen der Menschenrechtsorganisation "Memorial". Mit dem Preis wollen die Lessing-Akademie und die "Braunschweigische Stiftung" besondere Leistungen auf dem Gebiet der Kritik ehren. Der Lessing-Preis für Kritik wird seit 2000 alle zwei Jahre verliehen. Eine Besonderheit ist, dass die Geehrten die Empfänger für den Förderpreis aussuchen dürfen.

Usedomer Musikfestival zieht positive Bilanz

Das Usedomer Musikfestival hat eine positive Bilanz seiner 27. Saison gezogen. Als eines der ersten Festivals in Deutschland habe es unter Corona-Bedingungen vom 19. September bis 10. Oktober komplett stattfinden können, teilte die Festivalleitung mit. Trotz sich verschärfender Corona-Restriktionen sei es gelungen, alle kurzfristig entfallenen neun Konzerte von insgesamt 36 Veranstaltungen hochkarätig neu zu besetzen. Wegen der Hygienemaßnahmen habe sich die Gesamtbesucherzahl auf rund ein Drittel der sonst rund 14.000 Festivalgäste verringert. Alle Veranstaltungen seien ausverkauft gewesen. Vieles, was quantitativ nicht erreicht werden konnte, habe die Qualität der musikalischen Darbietungen bei Weitem überboten, denn für viele Musiker seien es die ersten Konzerte nach mehrmonatiger Pause gewesen, sagte Festivalintendant Thomas Hummel.

Sensibler Umgang mit Weihnachtskrippen gefordert

Die Evangelische Kirche in Deutschland betont die Eigenverantwortung beim Umgang mit der Darstellung der Heiligen Drei Könige auf der Weihnachtskrippe. Vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass die evangelische Münstergemeinde in Ulm die Heiligen Drei Könige aus ihrer Weihnachtskrippe entfernen werde. Die dort bislang genutzte Holzfigur des Melchior sei "aus heutiger Sicht eindeutig als rassistisch anzusehen", sagte Dekan Ernst-Wilhelm Gohl. "Selbstverständlich kann in jeder Gemeinde vor Ort sensibel darüber entschieden werden, welche Darstellungen in ihrer jeweiligen Kirche zu sehen sind", sagte EKD-Sprecherin Annika Lukas. Auch nach Einschätzung der katholischen Kirche sollten klischeehafte oder diskriminierende Darstellungen der Heiligen Drei Könige in Weihnachtskrippen ersetzt werden. Die drei Weisen stünden dafür, "dass Menschen unterschiedlicher Hautfarbe und aus unterschiedlichen Völkern Christus verehren", sagte der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp. Deshalb gebe es in vielen Krippen mit Melchior eine schwarze Figur. "Eine Krippe ohne Melchior würde dagegen suggerieren, dass Christus nur für weiße Menschen zur Welt gekommen ist. Das wäre grundfalsch und würde zu Recht als rassistisch bezeichnet."

IAI will Perspektive auf koloniale Objekte schärfen

Die Debatte um den Umgang mit kolonialen Objekten müsse künftig "andere Durchlässigkeiten" erreichen, dieser Meinung ist die Direktorin des Ibero-Amerikanischen Instituts in Berlin, Göbel. Es werde in Deutschland nicht systematisch darüber diskutiert, ob Originale zurückzugeben und damit aus der Nutzung oder auch ganz aus der Sichtbarkeit zu nehmen seien, sagte die Ethnologin anlässlich des 90. Gründungsjubiläums des Instituts der Nachrichtenagentur dpa. Es reiche auch nicht mehr, nur anzuerkennen, dass es eine andere Perspektive auf koloniale Objekte gebe. Vielmehr müsse diese Perspektive in der alltäglichen Arbeit berücksichtigt werden. Als Beispiel nannte Göbel die sogenannten Kogi-Masken. Das in Kolumbien beheimatete Volk fordere nicht nur den Zugang zu den Objekten, sondern auch deren Rückführung.

Kinder-Filmfestival "Schlingel" eröffnet

Im Chemnitzer Opernhaus ist das 25. internationale Kinderfilmfestival "Schlingel" eröffnet worden. Bis zum kommenden Samstag stehen rund 260 Filme aus über 40 Ländern auf dem Programm. Über die Preise des Festivals - in den Kategorien Kinder-, Junior- und Jugendfilm sowie Animations- und Kurzfilme - entscheiden mehrere Kinder- und Fachjurys. Wegen der Corona-Pandemie musste laut den Festival-Organisatoren dieses Jahr einiges umorganisiert werden. So tagen die Jurys teilweise digital und es werden nur wenige internationale Gäste erwartet. Zudem ist die Zahl der Spielstätten erhöht worden. Die Eröffnungs- und Abschlussgala wurde und wird per Livestream übertragen.

Italienischer Cyber-Apostel selig gesprochen

Die katholische Kirche hat den 2006 an Leukämie gestorbenen Teenager und Internetfan Carlo Acutis aus Mailand selig gesprochen. Acutis half zu Lebzeiten Priestern dabei, Websites für ihre Pfarreien einzurichten. Er baute eine Internet-Datenbank über religiöse Wunder auf und warb im Netz für seinen Glauben. In den Medien wird er deshalb auch "Cyber-Apostel" genannt. In der Oberkirche der Basilika San Francesco in Assisi, rund 150 Kilometer nördlich von Rom, wurde der lange Prozess der Aufnahme in die Liste der Seligen mit einer Messe besiegelt. Zuvor war der Leichnam des jungen Italieners (1991-2006) vor einigen Tagen aus dem Grab in Assisi geholt worden. Er wurde präpariert und danach in einem Glassarg öffentlich aufgebahrt, wie die katholische Medienplattform "Vatican News" schrieb. Gläubige können dort einen Jungen in Jeans und Turnschuhen sehen.

Kulturnachrichten hören

Oktober 2020
MO DI MI DO FR SA SO
28 29 30 1 2 3 4
5 6 7 8 9 10 11
12 13 14 15 16 17 18
19 20 21 22 23 24 25
26 27 28 29 30 31 1

Fazit

weitere Beiträge

Kompressor

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur