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Donnerstag, 26.11.2020
 
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Kulturnachrichten

Freitag, 9. Oktober 2020

Skulptur von Ai Weiwei im Lutherhaus Eisenach

Die Skulptur "man in a cube", die der chinesische Künstler Ai Weiwei für das Reformationsjubiläum 2017 entworfen hat, wird im Innenhof des Eisenacher Lutherhauses dauerhaft ausgestellt. Am Freitag wurde sie übergeben. Im vergangenen Jahr erwarb die Stiftung Lutherhaus das Kunstwerk. Die Kulturstiftung der Länder förderte den Kauf mit 100.000 Euro. Die beiden jeweils 1,50 Meter hohen Betonscheiben der Skulptur zeigen einen aufgeschnittenen Block, in dessen Hohlraum der Abdruck vom Körper des Künstlers zu sehen ist. Mit der einsamen Gestalt in dem Betonkubus verarbeitete Ai Weiwei seine Zeit in chinesischer Haft und die damit verbundene Erfahrung von Isolation. Der heute 63-Jährige war 2011 nach regierungskritischen Äußerungen für 81 Tage an einem unbekannten Ort festgehalten worden.

Gedenkstätte für zerstörte Dresdner Kirche eröffnet

Nach mehr als zwölf Jahren Bauzeit erinnert in Dresden seit Freitag ein Gedenkort an die in der DDR abgetragene gotische Sophienkirche. "Nur durch das langjährige Engagement der Dresdner Bürgerinnen und Bürger kann eine Heilung dieser noch offenen Wunde ermöglicht werden", erklärte Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU). Der "DenkRaum Sophienkirche" wurde am Freitag mit einer Freiluft-Veranstaltung übergeben. Der gläserne Bau im Stil einer Kapelle entstand am Originalort der kriegszerstörten und auf Anweisung der DDR-Regierung Anfang der 1960-er Jahre abgetragenen Kirche in der Dresdner Innenstadt. Er stilisiert die frühere Busmannkapelle der Sophienkirche. Im Fokus der Bildungsarbeit sollen das Thema Stadtgeschichte und das Erinnern an den Missbrauch politischer Macht stehen.

"Sein und Schein" beim Tag des offenen Denkmals 2021

Der Tag des offenen Denkmals im kommenden Jahr steht unter dem Motto "Sein und Schein - in Geschichte, Architektur und Denkmalpflege". Im Mittelpunkt der Veranstaltungen am 12. September 2021 wird die "Handwerkskunst der Illusion" stehen, wie die Deutsche Stiftung Denkmalschutz am Freitag in Bonn mitteilte. So seien etwa im Barock Decken, Fenster und Fassaden baulich vorgetäuscht worden. Beim Tag des offenen Denkmals sollten solche illusionistischen Techniken wie Blendfassade und Quaderputz vorgeführt und erläutert werden. Im Fokus stehe dabei die Frage, was Rekonstruktion und pure Fassadenerhaltung mit der Denkmalpflege zu tun haben, hieß es.

Bundestag beschließt NS-Dokumentationszentrum

Der Bundestag hat sich für einen weiteren NS-Gedenk- und Dokumentationsort ausgesprochen. Die Abgeordneten stimmten am Freitag mit großer Mehrheit für ein Zentrum, das die Dimension der Gräueltaten der Nationalsozialisten für ganz Europa und die damalige Sowjetunion deutlich machen soll. Der Bundestag forderte die Bundesregierung auf, bis Jahresende einen Zeitplan für eine Dokumentations-, Bildungs- und Erinnerungsstätte zum Gedenken an den Vernichtungskrieg vorzulegen. Parallel geht aber auch die Diskussion um ein eigenes Mahnmal für die polnischen Opfer der Nationalsozialisten weiter. Als Standort für das Zentrum nennt der Antrag Berlin. Das Großvorhaben, in dessen Planung Historiker, Gedenkstättenexperten und Wissenschaftler aus den betroffenen Staaten eingebunden werden sollen, dürfte Jahre in Anspruch nehmen.

Geschwister-Scholl-Preis für Autorin Dina Nayeri

Die iranisch-amerikanische Autorin Dina Nayeri erhält den diesjährigen Geschwister-Scholl-Preis. Sie werde für ihr Buch "Der undankbare Flüchtling" ausgezeichnet, teilte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Freitag mit. Die Auszeichnung soll am 30. November in München übergeben werden. In der Jurybegründung heißt es, Nayeris Buch erinnere an eines der wichtigsten globalen Themen unserer Zeit: die derzeit laut UNHCR-Angaben rund 80 Millionen Menschen, die sich weltweit vor bewaffneten Konflikten, Kriegen und schweren Menschenrechtsverletzungen auf der Flucht befinden. Die 41-jährige Autorin sei selbst im Kindesalter auf der Flucht gewesen, bis sie und ihre aus dem Iran stammende Familie Asyl in den USA bekamen.

Caroline-Neuber-Stipendium erstmals vergeben

Die französische Choreografin, Bühnenbildnerin und bildende Künstlerin Marie Gourdain erhält das Caroline-Neuber-Stipendium der Stadt Leipzig. Die in Frankreich geborene und in Prag lebende Künstlerin habe die Jury mit ihrem multidisziplinären künstlerischen Ansatz überzeugt, teilte das Leipziger Kulturamt am Freitag mit. Sie trete ihren Arbeitsaufenthalt Anfang 2021 an. Das Stipendium wird erstmals vergeben. Gourdain entwickelt seit 2010 ihre künstlerischen Aktivitäten hauptsächlich in Prag und arbeitet an verschiedenen Projekten in Europa. 2015 trat sie dem französisch-tschechischen physischen Theater- und Tanzkollektiv "tYhle" bei und begann ihre choreografische Arbeit. Benannt ist das Stipendium nach der Schauspielerin und Theaterprinzipalin Caroline Neuber (1697-1760). In Leipzig arbeitete sie zusammen mit dem Literaturprofessor Johann Christoph Gottsched an einer Reform des Theaters.

Ausstellung über Angela Davis und die DDR

Die Verbindung zwischen der US-amerikanischen Kommunistin Angela Davis (76) und der DDR steht im Fokus einer Ausstellung in Dresden. Die Schau "1 Million Rosen für Angela Davis" sei keine reine Hommage an die Bürgerrechtlerin und charismatische Intellektuelle, sagte die Direktorin des Albertinums Hilke Wagner. Vielmehr stünden das Archivmaterial und 52 Kunstwerke aus DDR-Zeiten sowie teils für die jetzige Ausstellung entstandene zeitgenössische Arbeiten im Dialog. Ihre Schöpfer beziehen sich darin direkt oder indirekt auf Davis und ihr bis in die Gegenwart zur Black-Lives-Matter-Bewegung reichendes Wirken für soziale Gerechtigkeit, gegen Rassismus und Sexismus. Die laut Wagner erste Präsentation dieser Art zu Davis wird am Freitag eröffnet und ist bis Mitte Januar 2021 zu sehen.

Irina Liebmann erhält Uwe-Johnson-Preis

Die Schriftstellerin Irina Liebmann erhält in Berlin den diesjährigen Uwe-Johnson-Preis. Die feierliche Übergabe soll, trotz Corona-Einschränkungen, in der Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommerns über die Bühne gehen. Die 77-jährige Liebmann erhält die Ehrung für ihren Roman "Die Große Hamburger Straße". Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert und wird alle zwei Jahre an Autoren vergeben, in deren Schaffen sich Parallelen zur Poetik von Uwe Johnson (1934-1984) finden.

Film Festival Cologne endet mit Preisverleihungen

Mit der Verleihung der Film Festival Cologne Awards ist die 30. Ausgabe des Kölner Kulturevents zu Ende gegangen. Der mit 25.000 Euro dotierte Filmpreis Köln ging an Dominik Graf. Der deutsche Filmemacher werde "für seinen besonderen Beitrag zur Weiterentwicklung der Film- und Mediensprache geehrt", hieß es. Den mit 20.000 Euro dotierten Filmpreis NRW für den Dokumentarfilm "Mit eigenen Augen" über journalistische Recherchen zum Thema Rechtsextremismus nahmen Harry Flöter, Regina Jorissen und Jörg Siepmann entgegen. Die jeweils mit 10.000 Euro dotierten Schauspielpreise bekamen Sandra Hüller für ihre Leistung in dem Drama "Proxima" und der dänische Schauspieler Mads Mikkelsen für seine Hauptrolle im Filmdrama "Another Round". Dessen Regisseur und Autor Thomas Vinterberg wurde mit dem ebenfalls mit 10.000 Euro dotierten Hollywood Reporter Award für den besten fiktionalen Beitrag geehrt.

Der persische Musikmeister Shajarian ist tot

Der Meister persischer Musik, Mohammad Reza Shajarian, ist im Alter von 80 Jahren in einem Krankenhaus in Teheran gestorben. Das gab das iranische Staatsfernsehen bekannt. Shajarian war ein berühmter Sänger traditioneller persischer Musik und Komponist. Die Revolution gegen den Schah im Jahr 1979 unterstützte er mit Revolutionsliedern. Später verbot er der Regierung, seine Musik zu verwenden. 2009 solidarisierte er sich mit den Protesten nach den iranischen Präsidentschaftswahlen. Er veröffentlichte das Lied "Sprache des Feuers", in dem er dazu aufrief, friedlich über die Entwicklung des Landes zu diskutieren.

„Europäische Allianz der Akademien“ soll initiiert werden

Auf Einladung der Akademie der Künste und anlässlich der deutschen EU-Ratspräsidentschaft haben sich rund 70 Vertreterinnen und Vertreter europäischer Kunstakademien und Kulturinstitutionen zu einer hybriden dreitägigen Konferenz getroffen, um eine „Europäische Allianz der Akademien“ zu initiieren. Man erlebe derzeit eine Kulturpolitik in Europa, die Kunst und Kultur nur national begreife, hieß es. Autonomie und Internationalität der Akademien, Museen und Kulturinstitutionen seien dadurch in Gefahr. Am 10. Oktober soll ein gemeinsames Manifest veröffentlicht werden, das Handlungsmöglichkeiten formuliere und die Aufgabe, die Europäische Union als kulturelles Projekt für die Zukunft zu sichern.

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